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Lothar Pauly im Visier: Telekom im Siemens-Strudel

VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 23.04.2007 - 07:19

Düsseldorf (RP). Der heutige Telekom-Vorstand Lothar Pauly soll in seiner Zeit als Siemens-Top-Manager von Schmiergeldern und schwarzen Kassen gewusst haben. 2005 hat Pauly für Siemens den BenQ-Deal eingefädelt.

Ausgerechnet Lothar Pauly. Der 48-jährige Vorstand der Deutschen Telekom, der am Wochenendevom Strudel der Siemens- Affäre erfasst wurde, ist für die Siemens-Mitarbeiter ohnehin ein rotes Tuch.Denn bevor Pauly im Oktober 2005 bei dem rosa Riesen anheuerte, war er bei Siemens für den Unternehmensbereich „Communications“ verantwortlich. Dort erinnert man sich vor allem deshalb gut an ihn, weil er im Sommer 2005 für den Verkauf der Handy-Sparte an den taiwanesischen Konkurrenten BenQ verantwortlich gewesen ist – was später bekanntlich 3000 Menschen in Bocholt, Kamp- Lintfort und München den Job gekostet hat.

Heute wird der „Spiegel“ berichten, dass Pauly in seiner Zeit als Siemens-Topmanager vermutlich persönlich in Schmiergeldzahlungen verwickelt und über das System der schwarzen Kasssen bei Siemens informiert gewesen war.

In Schreiben mit einem für Siemens als Makler tätigen Max R. heißt es über ein Treffen mit „Besuchern“ in Hongkong, die Unterredung sei erfolgreich gewesen, „obwohl die Gelder noch nicht zur Verfügung standen.“

"Süße Versprechungen"

Sein Kollege habe „süße Versprechungen gemacht.“ Einen Monat später habe ein anderer Siemens-Manager gegenüber Pauly eingeräumt, „dass die Zahlung bei uns vermasselt wurde“ und „erst Anfang nächster Woche Österreich verlasse“. Heute weiß man, dass Siemens zu dieser Zeit einen großen Teil seiner schwarzen Kassen in Österreich versteckt hielt. Über diese zweite Zahlung berichtet der Manager laut „Spiegel“, dass man hierfür „circa zehn Arbeitstage“ brauche, um Siemens als Absender zu verschleiern.

Der Manager soll an Pauly geschrieben haben: „Wir sollten unser Minimum an Abschottung meines Erachtens nicht aufgeben und irgendwelche Direktüberweisungen als Siemens tätigen.“ Paulys angebliche Antwort: „Ist o.k. Die Abschottung nicht aufgeben.“ Pauly, gegen den noch nicht ermittelt wird, bestreitet, von alledem gewusst zu haben.

Nicht besonders erfolgreich

Er wisse auch nicht, weshalb R. auf Anonymisierung von Siemens-Zahlungen gedrängt habe. Besonders erfolgreich war Pauly bei Siemens nicht. Zwar wirkte er entscheidend an der Siemens-Strategie für ein Telekommunikations-Komplett-Angebot vom Endgerät über die Netzstruktur bis zum Kundenservice mit.

Wegen schwacher Erträge in diesem Bereich wurde Paulys Strategie vom neuen Siemens- Chef Klaus Kleinfeld jedoch nach kurzer Zeit wieder kassiert. Und so war Pauly anschließend vor allem für den stückweisen Verkauf des Bereichs Communications verantwortlich – unter anderem für den Verkauf der Handysparte an BenQ.

Kurz danach verließ Pauly Siemens und wechselte zur Deutschen Telekom, wo er heute im Gesamtvorstand das Firmenkundengeschäft verantwortet und zugleich Chef der Tochter T-Systems ist. Die BenQ Mobile GmbH hat am 29. September 2006 Insolvenz angemeldet.

Quelle: RP

 
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