4000 Kunden betroffen: Telekom kündigt nach Datenpanne Strafanzeige an
zuletzt aktualisiert: 30.11.2008 - 13:42Bonn (RPO). Die Telekom kündigt nach der Datenpanne mit rund 4000 Kunden juristische Konsequenzen an. "Sobald wir einen Hinweis auf einen oder mehrere Täter haben, werden wir Strafanzeige erstatten", sagte Telekom-Vorstand Manfred Balz. Die Kunden sollen ihre Kontoauszüge regelmäßig auf fremde Abbuchungen kontrollieren.
"Bisher wissen wir, dass die an uns zurückgelangten Kundenlisten nicht von uns erstellt wurden", sagte der im Oktober neu ernannte Telekom-Vorstand für Datenschutz und Recht dem Focus. Dennoch werde die Telekom Anfang der Woche ein Schreiben an Kunden senden, die von Anrufen von Fremdfirmen oder auch möglichen Abbuchungen von Fremdbeträgen betroffen seien.
"Wichtig ist, dass die Kunden Kontoauszüge im Lastschriftverfahren regelmäßig auf fremde Abbuchungen kontrollieren. Ansonsten suchen wir die Verursacher noch", sagte Balz. Er vermute, dass eine von der Telekom beauftragte Vertriebsfirma die Daten wie Telefonnummern und Bankverbindungen missbraucht habe. "Wie trennen uns von jedem, der sich nicht an die Regeln hält", kündigte Balz an.
Nach einem Bericht der in Hamburg erscheinenden Zeitschrift "Stern" haben sich dubiose Adresshändler und Callcenter Zugriff auf Namen, Adressen, Vertragsdaten und Bankverbindungen von mehreren Tausend Telekom-Festnetzkunden verschafft.
Eingeschränkter Internetservice nach Hacker Attacke
Nach Hackerangriffen hatte die Deutsche Telekom zudem ihren Kundenservice im Internet eingeschränkt. Kunden können seit Anfang November nicht mehr über das Internetportal des Telekom Rufumleitungen einrichten, wie ein Sprecher des Unternehmens sagte.
Die Hacker verschafften sich nach Angaben des Sprechers mit gestohlenen Daten Zugriff auf das Kundenmenü der Betroffenen und richteten teure Rufumleitungen auf Handynummern im Ausland ein, zunächst vor allem in Taiwan. Damit bestätigte er einen Bericht des Spiegel.
In dem Fall gebe es keinerlei Zusammenhang mit den Skandalen um gestohlene Kundendaten bei der Telekom, versicherte der Sprecher. Dies sei "definitiv auszuschließen". Die Hacker hätten die Zugangsdaten der Telekom-Kunden vielmehr bei diesen selbst gestohlen. Dazu hätten sie sogenannte Phishing-Programme und Trojaner genutzt, die etwa auch zum Diebstahl von Zugangsdaten zum Onlinebanking genutzt werden. Sie hätten dann die Möglichkeit ausgenutzt, über das Onlineportal Rufumleitungen einzurichten, weshalb diese Funktion gesperrt worden sei. Per Telefon und über die Hotline der Telekom seien Rufumleitungen aber weiterhin einzurichten, sagte der Sprecher.
Kunden, denen nach einem Hackerangriff teure Auslandsverbindungen in Rechnung gestellt worden seien, werde der Schaden ersetzt, sagte der Sprecher. In mehreren Fällen seien Telekom-Kunden innerhalb weniger Tage mit Auslandsgebühren von bis zu tausend Euro belastet worden. Demnach geht die Telekom von "einigen hundert Betroffenen" aus. Der Schaden sei bislang aber "relativ gering".
Die Telekom setzte zudem auch die Zahlungen des Konzerns an die Telefongesellschaften aus, in deren Netze die Rufumleitungen von den Hackern eingerichtet wurden. Die Onlineverwaltung des eigenen Anschlusses soll für Telekom-Kunden nun wieder sukzessive freigeschaltet werden. Der Konzern habe neue Sicherheitsvorkehrungen eingerichtet, sagte der Sprecher.
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