| 09.26 Uhr

Gegen Ausspäh-Aktionen der Geheimdienste
Telekom plant einen Internet-Schutzschirm

Bonn. Der Konzern will im Zusammenspiel mit anderen Netzbetreibern sicherstellen, dass innerdeutsche Mails und andere Daten künftig rein national transportiert werden. Das soll Schutz gegen Attacken und Ausspäh-Aktionen, beispielsweise von Geheimdiensten, bieten. Von Reinhard Kowalewsky

Die Deutsche Telekom will den amerikanischen und britischen Geheimdienst mit einem technischen Trick daran hindern, weiter E-Mails und andere Informationen in Deutschland agierender Kunden heimlich auszulesen. Sie möchte mit allen wichtigen Geschäftspartnern in Deutschland vereinbaren, dass E-Mails und andere Formen von Informationsaustausch nur noch über Knotenpunkte innerhalb von Deutschland geleitet werden und nicht mehr über Knotenpunkte im Ausland. "Internetverkehr kennt keine Grenzen, Daten können um die ganze Welt geleitet werden", sagt Thomas Kremer, Datenschutzvorstand der Telekom. "Wenn Sender und Empfänger aber in Deutschland sind, wollen wir erreichen, dass der Internetverkehr auch in Deutschland bleibt."

Die Telekom wirbt für ihren Vorstoß bei Politik und anderen Netzbetreibern. Mit drei anderen Unternehmen müsste die Telekom ihr Netz noch direkt zusammenschließen, um eine nationale Verkehrsführung zu gewährleisten. Dabei soll das "deutsche Internet" dann möglichst schnell alle westlichen Länder Kontinentaleuropas umfassen. "Wenn wir in Deutschland gezeigt haben, dass wir innerdeutsche Mails und andere Daten rein national transportieren können, sollte das auch für die Schengen-Länder möglich sein", ergänzt Kremer.

Geheimdienste von Ländern außerhalb dieses Bereiches hätten es so viel schwerer, auf den Datenverkehr innerhalb von Kontinentaleuropa zuzugreifen. "Zusätzlich brauchen wir jetzt schnell die europäische Datenschutzverordnung, um einheitliche und hohe Datenschutzstandards zu erreichen." Als Vorstufe des Planes eines "deutschen" Internet hat die Telekom bereits mit E-Mail-Anbietern wie GMX, Freenet oder Web.de verabredet, dass Mails untereinander verschlüsselt werden. Da die Daten trotzdem international geleitet werden, können ausländische Geheimdienste sie aber beispielsweise an den wichtigen Knotenpunkten in England "abgreifen" – und wohl auch entschlüsseln.

Der neue Plan fügt sich in die Strategie der Telekom ein, Datenschutz und sichere Verarbeitung von Daten sowohl im Privatkundenbereich als auch bei Geschäftskunden zum Qualitätsmerkmal zu machen. Der Konzern betreibt mit seiner Tochterfirma T-Systems für eine Reihe großer Unternehmen wie Daimler, ThyssenKrupp oder Haniel Rechensysteme. Die Sorge vor Hackerangriffen spielt da eine Riesenrolle. Gleichzeitig versucht die Telekom, Kleinunternehmen dazu zu bringen, ihre Datenverarbeitung aus der "Cloud" erledigen zu lassen, also von Zentralcomputern des Konzerns. Das kann aber nur funktionieren, wenn die Datenübertragung dahin sicher ist und wenn die Rechenzentren perfekt gegen Angriffe geschützt sind.

Parallel zu ihren Internet-Plänen will die Telekom ihre Datenschutzstandards hochhalten, um sich von Skandalen wie der "Spitzelaffäre" abzugrenzen und um sich von Wettbewerbern zu differerenzieren. "Die Telekom hat viel gelernt", lobt Lothar Schröder, der als Verdi-Vorstand 2005 selbst von der Konzernsicherheit der Telekom bespitzelt worden war und der den 2009 gegründeten Datenschutzbeirat der Telekom leitet. Das Gremium habe in den vergangenen Jahren rund 140 Empfehlungen für besseren Datenschutz gegeben – praktisch alle seien umgesetzt, sagt Schröder.

Seit fünf Jahren hat der Konzern einen eigenen Vorstand für Datenschutz, Recht und sauberes Management ("Compliance"). Schröder und Kremer räumen ein, dass es immer noch ärgerliche Vorfälle gibt. So hatten interne Techniker unbefugten Zugriff zu allen Gehaltsdaten der Telekom-Mitarbeiter in Deutschland. Wirtschaftsprüfer untersuchen den Skandal. In den vergangenen Jahren gab es zudem Veruntreuungs- und Korruptionsvorwürfe. Jetzt lässt sich der Konzern von Wirtschaftsprüfern attestieren, bei der Vermeidung von Korruption höchste Standards zu befolgen.

Quelle: RP
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