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Neuer Rationalisierungsschock: Telekom ringt um Tausende Jobs

VON REINHARD KOWALEWSKY - zuletzt aktualisiert: 19.11.2009 - 17:05

Bonn (RP). Am Donnerstag haben die Aktionäre die Fusion von Festnetz- und Mobilfunk in Deutschland abgesegnet. Die Kunden können sich freuen, die Wettbewerber müssen aufpassen – aber intern droht noch einmal ein Rationalisierungsschock.

 Foto: AP, AP
Foto: AP, AP

Wer wissen will, wie es um die Jobsicherheit bei der Telekom bestellt ist, muss nach Köln fahren: Nicht einmal 100 Techniker warten beim Konkurrenten QSC ein automatisiertes Telekommunikationsnetz für ganz Deutschland. Bei der Telekom arbeiten dagegen noch mindestens 40 000 Mitarbeiter in Betrieb und Service der deutschen Netze.

Bald werden es viel weniger Mitarbeiter sein. Heute wird in Hannover die Vollversammlung des umsatzstärksten Telefonkonzernes Europas die Zusammenführung von Festnetz- und Mobilfunk mit aktuell insgesamt 84 000 Mitarbeitern beschließen (knapp 50 000 Mitarbeiter bleiben bei der Großkundensparte T-Systems, in der Zentrale oder bei der Beschäftigungsgesellschaft Vivento).

In der 50-seitigen Einladung an die Aktionäre fallen zwei Dinge auf: Seltsamerweise wird die Fusion vollzogen, indem die gerade 20 Jahre alte T-Mobile Deutschland das mehr als 100 Jahre alte Festnetzgeschäft übernimmt – die Mobilfunker diktieren den Traditionstruppen, wo es künftig langgeht.

Ausführlich informiert die Telekom ihre Aktionäre darüber, dass sie den Mitarbeitervertretern Zugeständnisse machen musste, um deren Zustimmung im Aufsichtsrat zubekommen. "Nur so konnte man uns von einem Nein abhalten", sagt ein Arbeitnehmervertreter im Rat, "bis Ende 2010 sind alle Kündigungen ausgeschlossen."

Tatsächlich stehen mit der heute abgenickten Fusion die Zeichen auf Sturm rund um Deutschlands größten Telefonkonzern. Die Kunden können sich erst einmal freuen: Vorstandschef René Obermann will viel mehr Bündelangebote von Festnetz- und Mobilfunk auf den Markt bringen.

Aktuell hat nur jeder fünfte der 29 Millionen Kundenhaushalte in Deutschland sowohl Festnetz- wie Mobilfunkvertrag bei den Bonnern – würde der Konzern nur ein Prozent mehr Doppelabos haben, wären das 100 Millionen Euro mehr in der Kasse. Was das heißt? Mehr Rabatte für Doppelbucher, eine gemeinsame Nutzeroberfläche für mobilen und stationären Online-Zugang. "Wir wollen alles aus einer Hand anbieten", sagt der neu ernannte Deutschland-Chef Niek Jan van Damme, der als angenehm, ausgleichender Holländer zwischen den Festnetz- und Mobilfunkfraktionen vermitteln soll.

Gleichzeitig muss er mit Obermann einen Machtkampf um das Management der 160.000 kleineren Geschäftskunden befrieden. Sie wurden bisher von der Großkundensparte T-Systems betreut und kommen nun in die neue Deutschland-Firma. Nun drohen Kündigungen, falls ihre individuelle Betreuung wegfällt, weil die Kunden in der neuen Deutschland-Firma bevorzugt per Call-Center oder im T-Punkt angesprochen werden. "Wir müssen eine gute Mittelstandslösung finden", sagt ein Manager, "sonst verlieren wir bei diesen Kunden weiter Marktanteile."

Die größte Auseinandersetzung droht aber wegen dem drohenden Abbau von vielen Tausend Stellen. Für Unruhe hat in Bonn gesorgt, dass der Vorstand ankündigte, bis Februar ein neues Sparprogramm auszuarbeiten. "Das ist hier ein großes Thema", sagt ein Mitarbeiter.

Klar, dass die Zusammenführung von Festnetz- und Mobilfunk das Rationalisierungstempo massiv erhöht. Es gibt nur noch eine Geschäftsführung für Deutschland – dutzende hochbezahlte Angestellte hören sich nach neuen Positionen um. Der härteste Kahlschlag droht in der Netztechnik: Der Konzern führt unter der Überschrift "Next-Generation-Network" das Mobilfunk- und Festnetz zu einer automatisierten Einheit zusammen.

Der Vorteil: So lassen sich Daten viel schneller und günstiger sowohl zu Handys wie zu DSL-Anschlüssen durchleiten. Aber mindestens jeder zweite Job im Netz könnte in den nächsten Jahren wegfallen. Kurzfristig sind die Leute noch mit dem Netzumbau ausgelastet. Danach? Laut einer Studie könnten am Ende 15 000 Stellen wegfallen.

Quelle: RP

 
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