Bespitzelungsaffäre: Telekom-Spitzel setzen angeblich Handy-Ortung ein
zuletzt aktualisiert: 29.05.2008 - 20:56München (RPO). Die Bespitzelungsaffäre bei der Telekom zieht immer weitere Kreise. So soll der Konzern regelmäßig versucht haben, Journalisten und Aufsichtsräte über deren Handys zu orten, um ein Bewegungsprofil über diese Personen anzulegen. Und auch Bankkonten sind offenbar ausgespäht worden.
Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, sollen mit einer speziellen Software Bewegungsprofile von einzelnen Personen erstellt worden sein. Demnach wurde über Handydaten abgeglichen, wo sich diese aufhielten. Des Weiteren habe der Konzern auch die Bankdaten von beobachteten Personen unter die Lupe genommen, berichtet das Blatt weiter.
Derzeit untersuchen Ermittler laut "SZ" auch die Rechnung einer Berliner Datenauswertungsfirma über mehr als 350.000 Euro, die Ende November 2006 über die Kostenstelle des Vorstandsvorsitzenden der Telekom beglichen worden war - zu einem Zeitpunkt, als Telekom-Chef Rene Obermann gerade wenige Tage im Amt war.
Obermann sagte der Zeitung, ihm sei der Vorgang erst im August 2007 "zur Kenntnis gekommen". Solche Rechnungen hätten "weder eine Mitzeichnung noch inhaltliche Kenntnisnahme von Vorständen" erfordert, teilte das Unternehmen dem Bericht zufolge ergänzend mit. Obermann versicherte, die Bespitzelungen hätten ohne seine Kenntnis stattgefunden: "Ich war nicht einbezogen."
In der Affäre ermittelt die Bonner Staatsanwaltschaft nach Informationen der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (Freitagsausgabe) nunmehr gegen den früheren Konzernsicherheitschef Harald Steininger. Steininger soll unter anderem für die Bespitzelung von Aufsichtsräten verantwortlich gewesen sein. Telekom-Chef Obermann entließ Steininger sowie weitere Beschäftigte der Sicherheitsabteilung, nachdem der Fall intern bekannt geworden war.
Der frühere Kriminalbeamte war vor seiner Zeit bei der Telekom laut "WAZ" bereits in der Sicherheitsabteilung bei der Deutschen Bank und Sicherheitschef bei SAP. Wie die Zeitung unter Berufung auf Staatsanwalt Fred Apostel weiter berichtete, wird auch gegen weitere ausgeschiedene Mitarbeiter der Telekom AG sowie gegen einen Beschäftigten der Tochter T-Mobile ermittelt. Ihnen werde unter anderem die Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses vorgeworfen.
Unterdessen beschäftigt die Affäre offenbar auch die Bundesregierung. Nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" lud Innenminister Wolfgang Schäuble die Chefs der deutschen Telekommunikationsanbieter für Montag nach Berlin ein. Während des Treffens solle über Datenschutz gesprochen werden. "Uns geht es darum, die Bedeutung des Datenschutzes in Unternehmen zu stärken", wurde aus der Einladung des CDU-Politikers zitiert. Telekom-Sprecher Christian Schwolow sagte, dass der Vorstandsvorsitzende René Obermann das Unternehmen bei dem Treffen vertreten werde.
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