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Bestechungsvorwürfe gegen Rene Obermann: Telekom weist Vorwürfe gegen Chef zurück

zuletzt aktualisiert: 15.09.2010 - 21:40

Bonn (RPO). Die Telekom hat den Korruptionsverdacht gegen ihren Vorstandschef René Obermann zurückgewiesen. Die Vorwürfe seien nicht nachvollziehbar. Nun will die Telekom Berichten zufolge den Vertrag mit Obermann sogar verlängern. Am Dienstag war bekannt geworden, dass die Bonner Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen den Telekom-Chef eingeleitet hat.

Gegen Telekom-Chef Rene Obermann wird ermittelt.  Foto: AP, AP
Gegen Telekom-Chef Rene Obermann wird ermittelt. Foto: AP, AP

Die Telekom zeigt sich verwundert über die Durchsuchung bei ihrem Vorstandschef René Obermann wegen Bestechungsverdachts Ende August. Die US-Behörden, die in Deutschland um Rechtshilfe ersucht haben, sähen Obermann als Zeugen, nicht als Beschuldigten, betonte das für Rechtsfragen zuständige Vorstandsmitglied Manfred Balz am Mittwoch in Bonn.

Das Justizministerium in Washington habe das nochmals bestätigt, sagte Balz. Die US-Behörden hätten keine Durchsuchungen oder Beschlagnahmen gefordert. Die deutsche Justiz sei aber "offenbar zu anderen Schlussfolgerungen" gelangt.

Anfangsverdacht gegen Obermann

Der Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft, Fred Apostel, erklärte auf, die Behörde habe in den ihr zugesandten Unterlagen "genügend Anlass gesehen, ein Verfahren gegen acht Personen einzuleiten. Da ist auch Obermamnn dabei, aber es ist ein Anfangsverdacht." Es sei noch nicht klar, wohin die Ermittlungen führten, auch eine schnelle Einstellung sei im Bereich des Möglichen.

Die Affäre dreht sich um Geschäfte der Magyar Telekom, bei der die Deutsche Telekom mit fast 60 Prozent größter Anteilseigner ist. Zwischen 2000 und 2007 sollen nach Angaben von Balz insgesamt 31,95 Millionen Euro an Tochterfirmen der ungarischen Telekom in Montenegro (7,35 Millionen Euro) und vor allem Mazedonien (24,6 Millionen Euro) geflossen sein, die nach dem Verdacht der US-Börsenaufsicht der Bestechung im Ausland gedient haben könnten. Das ist in den USA und inzwischen auch in Deutschland verboten.

Die Telefon- beziehungsweise Mobilfunkunternehmen sollen sich damit Vorteile unter anderem bei der Regulierung verschafft haben. Die Zuständigkeit der US-Behörden ergibt sich, weil die Telekom damals an der Börse in New York notiert war.

Obermann als Chef von T-Mobile

Obermann kommt ins Spiel, weil er von Ende 2002 bis November 2006 Vorstandsvorsitzender der Telekom-Mobilfunksparte T-Mobile International war. In dem Durchsuchungsbeschluss des Bonner Amtsgerichts werde ihm vorgeworfen, bei einem Treffen mit dem Vorsitzenden der mazedonischen Makedonski Telekom (MakTel) im Jahre 2005 die Zustimmung zu Dividendenzahlungen der MakTel davon abhängig gemacht haben, dass eine Öffnung des mazedonischen Telekommunikationsmarktes für andere Wettbewerber unterbleibe, erläuterte die Telekom. MakTel war teilweise in Staatsbesitz, so dass sich eine Dividende unmittelbar auf die Staatskasse auswirkte.

Die Telekom weist diese Vorwürfe empört zurück. Bei dem Treffen Obermanns mit dem MakTel-Chef habe es sich um einen "reinen Höflichkeitskontakt" von wenigen Minuten Dauer gehandelt, als dieser zu Gesprächen bei der Telekom in Bonn gewesen sei. Es gebe keine Hinweise, dass sich Obermann in die Geschäfte von MakTel auch nur ansatzweise eingemischt hätte.

Aufgeflogen war die Affäre im Jahr 2006, als Wirtschaftsprüfer bei der Magyar Telekom zunächst zwei Beratungsverträge entdeckten, bei denen keine Gegenleistungen für die Zahlungen erkennbar gewesen seien. Die ungarische Tochter habe dann die renommierte Anwaltskanzlei White Case mit der Untersuchung der Vorgänge betraut.

Obermann als Zeuge

Obermann habe als Zeuge bereits mehrere Stunden per Videokonferenz bei den US-Ermittlern ausgesagt, erklärte Balz. Die Telekom wisse aber bisher nicht, was in dem Rechtshilfeersuchen des US-Justizministeriums stehe. Insgesamt habe sich das Vorgehen der deutschen Ermittler gegen acht Beschuldigte gerichtet, darunter neben Obermann ein externer Berater, sonst heutige oder ehemalige Mitarbeiter der Telekom unterhalb der Vorstandsebene. Die Telekom habe von diesem Verfahren erst mit den Durchsuchungen am 31. August erfahren.

Vertragsverlängerung?

Trotz der Vorwürfe will die Telekom den Vertrag des Konzernchefs Unternehmenskreisen zufolge verlängern und ihm damit den Rücken stärken. "Obermann hat sich an den Aufsichtsrat gewandt und ihm die Sachlage geschildert. Der Aufsichtsrat hat sich daraufhin entschlossen, die Verhandlungen über eine Verlägerung des Vertrags von Obermann sofort aufzunehmen", sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Der Bonner Konzern wollte sich dazu nicht äußern.

Auch das "Handelsblatt" berichtete vorab, dass der Vertrag des Telekom-Chefs, der am 13. November 2011 endet, verlängert werden soll. Bei der Telekom sei es üblich, gut ein Jahr vorher über eine Verlängerung zu entscheiden.

Quelle: apd/rtr

 
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