Erwartetes Ergebnis: Thomas Fischer an RWE-Spitze gewählt
zuletzt aktualisiert: 08.12.2004 - 12:13Essen (rpo). Thomas Fischer ist neuer Aufsichtsratschef des Essener Energiekonzerns RWE. Der Vorstandschef der Westdeutschen Landesbank (WestLB) wurde erwartungsgemäß gewählt und tritt damit die Nachfolge von Friedel Neuber an, der Mitte Oktober im Alter von 69 Jahren gestorben war.
Hinter der Berufung Fischers steht der Verband kommunaler Aktionäre (VkA) der Städte und Gemeinden, die mit rund 30 Prozent größter Anteilseigner des Essener Energieriesen sind. Auch Neuber, der die WestLB 20 Jahre lang geführt hatte, war seinerzeit mit Unterstützung des VkA zum RWE-Aufsichtsratschef gewählt worden.
Fischer steht erst seit Jahresanfang an der Spitze der WestLB, hat bei Deutschlands fünftgrößtem Kreditinstitut in dieser Zeit aber schon kräftig aufgeräumt. Die wegen riskanter internationaler Kreditgeschäfte und Beteiligungen ab 2002 in die tiefroten Zahlen gerutschte Bank kehrte unter Fischers Regie im ersten Halbjahr bereits wieder in die Gewinnzone zurück.
Neues Geschäftsmodell
Zugleich boxte Fischer das neue Geschäftsmodell der WestLB durch, das die Bank nach den gewagten finanziellen Eskapaden der Vergangenheit wieder zu einem starken Zentralinstitut der nordrhein-westfälischen Sparkassen und Partner des unternehmerischen Mittelstands machen will. Mit seinem straffen und erfolgreichen Sanierungskurs verschaffte sich der promovierte Ökonom Fischer über die Grenzen von Nordrhein-Westfalen hinaus in kurzer Zeit viel Respekt und überzeugte auch die RWE-Eigentümer.
Doch seine Berufung zum Chefkontrolleur der RWE stößt nicht überall auf Begeisterung. Kritik kam im Vorfeld vor allem von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Deren Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker bekannte offen, er hätte sich anstelle eines Bankers einen Industriemann wie den früheren Bayer-Chef Manfred Schneider, der ebenfalls im Gespräch war, an der Spitze gewünscht: "Schneider wäre für mich der Idealkandidat gewesen." Gleichwohl halte er Fischer für einen fähigen Manager.
Bevor Fischer den Chefposten bei der WestLB antrat, war er viele Jahre bei der Deutschen Bank in Frankfurt am Main, wo er zuletzt im Vorstand für das Ressort Risikomanagement verantwortlich zeichnete. Er verabschiedete sich vom größten deutschen Geldhaus, nachdem es mit Vorstandschef Josef Ackermann zu Unstimmigkeiten über das künftige Führungsmodell der Bank gekommen war.
Im Prinzip müsste Fischer von Neuber noch einen weiteren Aufsichtsratsvorsitz erben: Nach dessen Tod ist auch der Posten des Chefkontrolleurs bei Europas größtem Touristikkonzern TUI vakant. Für diesen Posten steht Fischer aber nach Mitteilung der Bank nicht zur Verfügung.
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