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Stahlkonzern
Thyssenkrupp legt Bilanz vor - Tausende demonstrieren

Proteste von Thyssenkrupp-Mitarbeitern
Proteste von Thyssenkrupp-Mitarbeitern FOTO: rtr, WR/ZUZ
Essen. Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger will trotz besserer Ergebnisse die Stahlsparte 2018 in ein Joint Venture mit dem Konkurrenten Tata Steel abschieben. Gegen die Pläne zogen am Donnerstag Tausende Demstranten durch Andernach.

Natürlich freue er sich über das derzeit positive Marktumfeld für die Schwerindustrie, sagte der Manager am Donnerstag bei der Bilanz-Pressekonferenz in Essen. "Aber davon lassen wir uns nicht blenden."

Die strukturellen Probleme der Branche in Europa seien ungelöst. Im Flachstahlbereich gebe es immer noch erhebliche Überkapazitäten. Gegen die Fusionspläne gingen zeitgleich die Stahlkocher des Konzerns auf die Straße. Ausgerechnet das ungeliebte europäische Stahlgeschäft hatte Thyssenkrupp im vergangenen Geschäftjahr maßgeblich zu einem höheren operativen Gewinn verholfen.

Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) des Konzerns kletterte 2016/17 (per Ende September) um ein knappes Drittel auf 1,9 Milliarden Euro. Die Stahlsparte verbesserte dank gestiegener Preise ihren operativen Gewinn um rund Dreiviertel auf über eine halbe Milliarde Euro.

Verdi fordert lange Jobgarantien

In dem Joint Venture mit Tata würden keine Maßnahmen ergriffen, die es nicht ohnehin geben würde, sagte Hiesinger. Im Gegenteil, die Belastungen würden wohl sogar geringer ausfallen. "Deshalb bin ich zuversichtlich, dass wir im Dialog mit den Arbeitnehmervertretern eine gute Lösung finden werden."

Wegen der Fusionspläne ist beim größten deutschen Stahlkonzern seit anderthalb Jahren Druck im Kessel. Die Gespräche mit dem Management hätten überhaupt keine Klarheit gebracht, hatte der Vize-Aufsichtsratschef von Thyssenkrupp Steel Europe, Detlef Wetzel, kritisiert. "Mein Eindruck ist, dass das so nichts wird. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt könnten wir einem Joint Venture nicht zustimmen." Der Vorstand müsse sich stark bewegen, um die Forderungen der IG Metall zu erfüllen.

Die Gewerkschaft fordert unter anderem langfristige Garantien für die rund 27.000 Beschäftigten und die Standorte. Der Betriebsrat befürchtet den Abbau zahlreicher Arbeitsplätze. Am Donnerstag wollten im rheinland-pfälzischen Andernach Tausende Stahlkocher gegen die Pläne demonstrieren - Thyssenkrupp betreibt dort ein Weißblechwerk. Auf der Kundgebung sollte auch SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles sprechen.

Ausblick sorgt nicht für Begeisterung

Mit seinem operativen Ergebnis von 1,9 Milliarden Euro übertraf der Konzern 2016/17 die Markterwartungen. Wegen hoher Abschreibungen beim Verkauf des Stahlwerks in Brasilien fuhr Thyssenkrupp aber unter dem Strich einen Verlust von 649 Millionen Euro ein.

Die Aktionäre sollen dennoch eine unveränderte Dividende von 15 Cent je Papier erhalten. Für 2017/18 stellte Hiesinger einen operativen Gewinn von 1,8 bis 2,0 Milliarden Euro in Aussicht und einen deutlich positiven Überschuss. Im fortgeführten Geschäft, ohne das verlustreiche Stahlgeschäft in Amerika, waren es zuletzt 1,7 Milliarden Euro.

An der Börse ging die Aktie auf Berg- und Talfahrt. Die Papiere konnten ihre anfänglich deutlichen Kursgewinne nicht halten und fielen um bis 2,5 Prozent auf 21,37 Euro. Damit lagen sie zeitweise am Dax-Ende. Anschließend schwankten sie mehrfach zwischen leichten Kursgewinnen und Verlusten. "Die Zahlen sind besser als befürchtet ausgefallen, wobei die Prognose manche ein wenig enttäuschen könnte", sagte ein Händler. 

(csr/lnw/Reuters)
 
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