Dennoch Dividendenzahlung an Aktionäre: ThyssenKrupp schreibt tiefrote Zahlen
zuletzt aktualisiert: 13.11.2009 - 16:19Duisburg/Düsseldorf (RPO). Gute Nachrichten für die Aktionäre: Der größte deutsche Stahlkonzern ThyssenKrupp hat im Geschäftsjahr 2008/2009 (30. September) wie befürchtet einen Milliardenverlust verbucht. Das Unternehmen will den Anteilseignern aber dennoch eine Dividende von 0,30 Euro je Aktie zahlen, wie der in Duisburg und Düsseldorf ansässige Dax-Konzern am Freitag mitteilte.
Im kommenden Geschäftsjahr soll bei stabilem Umsatz wieder profitabel gewirtschaftet werden, wozu die eingeleiteten Sparmaßnahmen ihren Anteil beitragen sollen.
Der Umsatz des Dax-Konzerns ging im vergangenen Geschäftsjahr von 53 Milliarden Euro auf 41 Milliarden Euro zurück. Bei den Auftragseingängen war der Rückgang von 55 Milliarden Euro auf knapp 36 Milliarden Euro noch deutlicher. Das führte zu einem Vorsteuerverlust ohne Sondereffekte von 734 Millionen Euro.
Dazu kamen erhebliche Aufwendungen für Restrukturierung, Abschreibungen und Projektkosten für die neuen Stahlwerke in den USA und Brasilien von über 1,6 Milliarden Euro, so dass insgesamt ein Vorsteuerverlust von 2,36 Milliarden Euro anfiel. Im Jahr zuvor wurde noch ein Gewinn von 3,1 Milliarden Euro ausgewiesen. Unter dem Strich ergab sich ein Nettoverlust von 1,87 Milliarden Euro nach einem Gewinn von 2,28 Milliarden Euro im Vorjahr.
Dividende um ein Euro gesunken
Für das zurückliegende Geschäftsjahr will der Konzern dennoch eine Dividende von 0,30 Euro je Anteilsschein zahlen. Im vergangenen Jahr profitierten die Aktionäre mit 1,30 Euro je Aktie vom Konzerngewinn. Der Vorstandsvorsitzende Ekkehard Schulz verwies am Freitag auf die angestrebte Dividendenkontinuität. In guten Jahren sei eine moderate Dividende gezahlt worden, um auch in schlechten Zeiten wie diesen eine bescheidene Ausschüttung zu ermöglichen.
Der Konzern hat sich einen grundlegenden Umbau und einen strikten Sparkurs verbunden mit einem deutlichen Stellenabbau verordnet. Im Geschäftsjahr 2008/2009 wurden 1,8 Milliarden Euro eingespart, von denen 800 Millionen Euro auch in den Folgejahren auftreten sollen. Bis zum Geschäftsjahr 2010/2011 soll die Kostenbasis mittels weiterer Maßnahmen um 1,5 Milliarden bis 2,0 Milliarden Euro gesenkt werden. Bislang war als Ziel ein Einsparvolumen von über 1,0 Milliarden Euro jährlich genannt worden.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat der Konzern die Beschäftigung bereits um sechs Prozent reduziert, was den Abbau von knapp 12.000 Stellen bedeutete. Die Zahl der Arbeitsplätze wird sich Schulz zufolge weiter reduzieren, wozu auch Unternehmensverkäufe beitragen werden. Eine konkrete Zahl wollte der Vorstandsvorsitzende nicht nennen.
ThyssenKrupp wurde schwer von der weltweiten Wirtschaftskrise getroffen. So soll die deutsche Rohstahlproduktion in diesem Jahr um 30 Prozent auf rund 32 Millionen Tonnen zurückgehen, was das niedrigste Niveau seit 1963 bedeutet. Die Pkw-Produktion hierzulande soll um ein Fünftel schrumpfen.
Der Kurs der ThyssenKrupp-Aktien stieg bis zum Nachmittag um 1,4 Prozent auf 23,89 Euro.
ThyssenKrupp will griechische Werftentochter verkaufen
Der ThyssenKrupp-Konzern will sich von seiner griechischen Werftentochter Hellenic Shipyards (HSY) trennen. "Wir wollen das verkaufen", bestätigte am Freitag Konzernchef Ekkehard Schulz. Zurzeit liefen Gespräche mit der griechischen Regierung. Nähere Angaben machte er dazu nicht. Finanzchef Alan Hippe zufolge verbuchte ThyssenKrupp im abgelaufenen Geschäftsjahr 2008/09 (per Ende September) für HSY eine Sonderbelastung in Höhe eines "sehr niedrigen dreistelligen Millionenbetrags".
An der Werft mit rund 1200 Mitarbeitern hatte unter anderem der griechische Konkurrent Neorion Shipyards Interesse angemeldet. Der griechische Verteidigungsminister Evangelos Venizelos sagte am Freitag, die Regierung werde eine Liste mit möglichen Käufern auswerten, die ihr ThyssenKrupp vorlegen werde.
Der Stahl-Konzern sitzt bei HSY auf einer Rechnung von über 520 Millionen Euro für den Bau mehrerer U-Boote. ThyssenKrupp hatte den Vertrag im September wegen ausbleibender Zahlungen der griechischen Marine gekündigt. Die Regierung in Athen erklärte am Freitag, die U-Boote bei HSY bauen lassen zu wollen. Die Werft hängt von Marineaufträgen ab. Eine Weiterführung des Auftrags könnte damit ein wesentliches Hindernis für einen neuen Investor aus dem Weg räumen.
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