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Fehlbetrag von 23 Millionen Euro
Stahlgeschäft reißt Thyssenkrupp in rote Zahlen

Thyssenkrupp: Stahlgeschäft reißt Konzern in rote Zahlen
Thyssenkrupp rechnet für 2016 mit stagnierendem Umsatz. FOTO: dpa
Essen. Die Stahlpreise sind im Keller. Thyssenkrupp bekommt das zum Beginn des Geschäftsjahres schmerzhaft zu spüren. Der Aufwärtstrend beim Industriekonzern ist damit vorerst gestoppt.

Im Ende Dezember abgelaufenen ersten Quartal seines Geschäftsjahres rutschte das Unternehmen wegen neuerlicher Verluste im Stahlgeschäft wieder in die roten Zahlen.

Unter dem Strich stand ein Fehlbetrag von 23 Millionen Euro, wie das Dax-Unternehmen am Freitag in Essen mitteilte. Vor einem Jahr hatte Thyssenkrupp in dem Zeitraum noch 50 Millionen Euro Überschuss erwirtschaftet. Der operative Gewinn (bereinigtes Ebit) schmolz um gut ein Viertel auf 234 Millionen Euro. Der Umsatz ging um fünf Prozent auf 9,5 Milliarden Euro zurück.

Heinrich Hiesinger sorgt sich

Das Stahlgeschäft bereite Sorgen, sagte Vorstandschef Heinrich Hiesinger. Seit dem vergangenen Sommer sind die Preise weltweit unter Druck, weil China angesichts der gesunkenen Nachfrage im eigenen Land massenhaft billigen Stahl auf den Weltmarkt wirft. An der - ohnehin vorsichtigen - Prognose hielt der Vorstand dennoch fest, sie steht angesichts der immer größeren Sorgen um die Weltwirtschaft und der schwierigen Lage der Stahlbranche allerdings unter Vorbehalt.

Thyssenkrupp rechnet in diesem Jahr auf vergleichbarer Basis - also etwa um Wechselkurseffekte bereinigt - mit einem stagnierenden Umsatz. Der operative Gewinn (bereinigtes Ebit) soll bei 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro landen, der Überschuss deutlich zulegen. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern operativ 1,7 Milliarden Euro bei einem Umsatz von 42,8 Milliarden Euro verdient. Unter dem Strich war der Überschuss um fast 50 Prozent auf 309 Millionen Euro gewachsen.

Historische Bilder von ThyssenKrupp FOTO: tks

Vorstand bleibt auf Kurs

Einen wichtigen Beitrag von 850 Millionen Euro zum Gewinn sollen weitere Einsparungen liefern, davon erreichte der Konzern nach eigenen Angaben im ersten Quartal 250 Millionen Euro. Um die Ziele zu erreichen, muss sich zudem das Stahlgeschäft erholen. Dafür sieht der Vorstand nun erste Anzeichen. In der vergangenen Woche hatte Konkurrent ArcelorMittal nach einem Rekordverlust die Hoffnung geäußert, dass das Schlimmste im Stahlgeschäft vorerst vorbei ist.

Als Stütze erwies sich im ersten Quartal erneut das Industriegeschäft. Der Aufzugbau und die Autokomponentensparte steigerten ihren operativen Gewinn weiter. Im Großanlagenbau blieb es fast stabil. In diesem Geschäft rechnet der Konzern demnächst mit einigen neuen Großaufträgen.

Erneut bekannte sich Hiesinger zu seiner Strategie: "Die solide Entwicklung der Industriegütergeschäfte bestätigt uns, dass der Weg zum diversifizierten Industriekonzern richtig ist." Damit trat er erneut Forderungen von einigen Analysten und Aktionären entgegen, die eine Abspaltung des schwankungsanfälligen Stahlgeschäfts fordern.
Hiesinger will dagegen die einzelnen Sparten enger verknüpfen.

Thyssenkrupp hatte sich in den vergangenen Jahren unter anderem mit harten Sparanstrengungen aus einer tiefen Krise gekämpft. Sie war durch den misslungenen Bau von neuen Stahlwerken in Brasilien und den USA entstanden. Dies kostete den Konzern Milliardensummen.

(dpa)
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