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Konzern vor dem Umbruch
Inder interessiert an Thyssenkrupp Stahl

Thyssenkrupp Steel: Inder interessieren sich für den Konzern aus Essen
FOTO: Weber
Essen. Der Essener Industriekonzern Thyssenkrupp steht vor einem Umbruch: Nach Informationen unserer Redaktion will der indische Stahlriese Tata Steel bei der europäischen Stahlsparte des deutschen Konzerns einsteigen.  Von K. Bialdiga, M. Bröcker und M. Plück

Die Gespräche seien weit vorangeschritten, hieß es in Berliner Regierungskreisen. Mehrere Varianten würden diskutiert. Favorisiert werde kein klassischer Kauf, sondern ein Joint Venture mit der Option, zu einem späteren Zeitpunkt Anteile aufzustocken.

Der Einstieg bei der Thyssenkrupp-Stahlsparte wäre Bestandteil einer Neuausrichtung des indischen Stahlriesen. Erst am Mittwoch hatte Tata Steel Europe mitgeteilt, sich von seinen britischen Stahlwerken ganz oder in Teilen zu trennen.

Das Stahlwerk von ThyssenKrupp in Duisburg (Archiv). FOTO: dpa, obe sv dha tmk

Das Stahlgeschäft ist schon länger das Sorgenkind der Essener. Zwar hat der harte Sparkurs von Thyssenkrupp-Steel-Chef Andreas Goss bislang dafür gesorgt, dass die Zahlen stimmten. Ohne strukturelle Änderungen dürfte sich dies aber ändern. Denn weltweit ächzt die Branche unter den Überkapazitäten. Vor allem die chinesische Konkurrenz setzt dem Markt mit ihrem Stahl zu Dumpingpreisen zu. Auf die europäischen Stahlhersteller kommen zudem weitere Belastungen durch die drohende Verschärfung des Emissionshandels hinzu, der von der EU-Kommission angestrebt wird.

Gefahren für den Standort Duisburg

Deshalb habe das Thyssenkrupp-Management bereits mehrere Szenarien durchgespielt, hieß es in den Regierungskreisen. Unter anderem sei eine Art Bad Bank vergleichbar dem Uniper-Modell bei Eon angedacht worden. Der Energiekonzern hatte seine im Zuge der Energiewende unrentabel gewordenen Kohle- und Gaskraftwerke in Uniper ausgelagert. Diese Idee sei bei Thyssenkrupp aber verworfen worden.

Der Zusammenschluss mit Tata birgt vor allem für den Standort Duisburg (13.000 Mitarbeiter) Gefahren. Denn Tata betreibt im nur 200 Kilometer entfernten niederländischen IJmuiden eines der profitabelsten Stahlwerke Europas. Wegen der Nordseeanbindung entfällt ein Teil der hohen Erztransportkosten, die beispielsweise am Standort Duisburg anfallen. Die Politik dürfte dem Zusammengehen aber nur zustimmen, wenn es Zusagen zur Sicherung des Standortes sowie Beschäftigungsgarantien gibt.

Ein weiterer Knackpunkt dürften die hohen Pensionsverpflichtungen von Thyssenkrupp Steel sein. Nur wenn diese vollständig übernommen werden, würde die Politik bei dem Verkauf mitspielen. Ohne eine Zustimmung der Politik würde der Dax-Konzern die Traditionssparte nicht abgeben. Anders als das Gros der Dax-Konzerne hat Thyssenkrupp bislang darauf verzichtet, die Pensionslasten auszulagern. Die Pensionsrückstellungen für den Gesamtkonzern beliefen sich im vergangenen Geschäftsjahr auf 7,7 Milliarden Euro.

"Wir kommentieren Spekulationen grundsätzlich nicht", erklärte der Konzern auf Anfrage. Thyssenkrupp stehe weiter dazu, dass eine Konsolidierung der Branche Sinn mache, allerdings wisse niemand, wann und ob etwas komme. "Wir konzentrieren uns deshalb auf das, was wir beeinflussen können - und das ist eine Verbesserung der Performance von Thyssenkrupp Steel", sagte der Sprecher.

Ein Treiber hinter einem möglichen Verkauf von Thyssenkrupp Steel ist Großaktionär Cevian. Der Finanzinvestor hatte wiederholt darauf gepocht, das Portfolio müsse bereinigt werden. Vorstandschef Heinrich Hiesinger hatte sich zwar aufgeschlossen für eine Konsolidierung der Stahlbranche gezeigt, verteidigt zugleich aber das Konzept des "integrierten Konzerns".

Quelle: RP
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