Der Sozialplan ist üppig: ThyssenKrupp streicht 1800 Stellen in Duisburg
zuletzt aktualisiert: 05.06.2009 - 07:25Duisburg (RP). Der Umbau, mit dem ThyssenKrupp auf die schwerste Krise in der Konzerngeschichte reagiert, wird seine gravierendsten Folgen in Duisburg haben. Von den 2000 Stellen, die der Dax-Konzern in seiner Stahlsparte ThyssenKrupp Steel abbauen will, entfallen 90 Prozent auf den Hauptsitz der mit deutschlandweit 19 000 Mitarbeitern wichtigsten Konzerntochter. Das sagte gestern Holger Hollnack, Vize-Betriebsratschef von ThyssenKrupp Steel, zu unserer Zeitung. Demzufolge werden in Duisburg 1800 Stellen gestrichen.
Bundesweit muss Steel 1000 bis 1200 Stellen in der Verwaltung streichen, die beinahe ausschließlich am Standort Duisburg-Hamborn konzentriert ist. Weitere 600 bis 800 Stellen sollen in der Produktion wegfallen. Der Konzern will mit dem Stellenabbau, der bis Ende September 2010 umgesetzt sein soll, 150 Millionen Euro pro Jahr einsparen.
Dass die Belegschaft des Stahl- und Mischkonzerns diese Pläne ohne größeres Murren quittiert, liegt wohl auch an dem Sozialplan: Wer 57 oder älter ist und freiwillig ausscheidet, bekommt bis zur Rente (mit 63) 84 Prozent seines Netto-Einkommens und zusätzlich eine Abfindung für die daraus resultierenden Einbußen bei der Rente. Das nennt selbst Hollnack "üppig". Dieses Verhandlungsergebnis sei möglich gewesen, weil "unsere Leute ihre Interessen in den vergangenen Wochen lautstark und öffentlich vertreten haben". Auf Kündigungen will ThyssenKrupp verzichten.
Die Belegschaft von ThyssenKrupp hatte in den vergangenen Wochen mit Massendemonstrationen und Autokorsos öffentlich gegen den geplanten Konzernumbau protestiert. Erst nachdem der ThyssenKrupp-Mitbegründer Berthold Beitz sich vermittelnd eingeschaltet hatte, konnten Arbeitnehmer und Management sich vor rund zwei Wochen auf einen Kompromiss verständigen.
Insgesamt will Konzernchef Ekkehard Schulz allein im laufenden Geschäftsjahr noch 1,5 Milliarden Euro einsparen. In der Duisburger Stahlsparte, die im vergangenen Geschäftsjahr mehr als die Hälfte zum Konzernumsatz beigetragen hat, sollen neben den besagten 150 Millionen Euro an Personalkosten weitere 190 Millionen Euro an Sachkosten eingespart werden. Die Kosten für den Sozialplan bezifferte Betriebsrat Hollnack auf "einmalig 150 Millionen Euro".
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