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Vorstandsvorsitz bei Solar Millennium: Topmanager Utz Claassen wirft hin

VON C. MERTEN UND R. KOWALEWSKY - zuletzt aktualisiert: 16.03.2010 - 20:49

Erlangen/München (RP). Gerade einmal zweieinhalb Monate hat es den ehemaligen Chef von EnBW Utz Claassen in seinem neuen Job gehalten: Zum 1. Januar hatte er den Vorstandsvorsitz bei Solar Millennium, einem Spezialisten für die Projektierung von solarthermischen Kraftwerken, angetreten. Jetzt tritt er ab.

Der BGH verhandelt über den Freispruch des ehemaligen EnBW-Vorstandschefs Utz Claassen.  Foto: ddp, ddp
Der BGH verhandelt über den Freispruch des ehemaligen EnBW-Vorstandschefs Utz Claassen. Foto: ddp, ddp

Laut einer Nachrichtenagentur warf Claassen mit einem kurzen Fax hin. Eine inhaltliche Erklärung für den Rücktritt gibt es weder von ihm noch von Solar Millennium. Übereinstimmend heißt es nur, der Topmanager habe das vertraglich festgelegte Recht genutzt, in einer Übergangszeit sein Amt niederzulegen. "Wir respektieren die Entscheidung und begrüßen, dass er dem Unternehmen weiterhin freundschaftlich verbunden bleiben will", sagte Aufsichtsratschef Helmut Pflaumer.

Erst am Montag war noch ein Interview veröffentlicht worden, in dem Vorstandskollege Henner Gladen auf eine für den 12. April terminierte Pressekonferenz mit Claassen hingewiesen hatte. Dann wollte der 46-Jährige­ gut 100 Tag nach Amtsantritt­ seine Pläne und Visionen für Solar Millennium vorstellen.

Im Februar hatte er Großes angedeutet: Die Solarthermie werde an die Stelle der Kernenergie treten - und Solar Millennium habe gute Chancen von seiner derzeitigen Größe mit rund 200 Millionen Euro Umsatz und 180 Mitarbeitern zu einem Konzern zu wachsen. Warum Claassen dieses Wachstum nicht mitgestalten will, darüber werden viele Spekulationen angestellt.

Vor allem der Vorwurf von Bilanzmanipulationen taucht immer wieder auf. So soll das Unternehmen durch Verkäufe an verbundene Firmen den Eindruck erweckt haben, das Geschäft brumme. Solar Millennium hat derlei Vorwürfe zurückgewiesen. ­Im Umfeld von Claassen heißt es, er sei mit wichtigen Vorgängen bei Solar Millennium unzufrieden gewesen. Andere Gerüchte kursieren um die Gesundheit Claassens und einen Trauerfall. In seinem Umfeld heißt es allerdings, er sei gesund und habe den Trauerfall gut verarbeitet.

Zumindestens die Anleger sind geschockt. Die Aktie von Solar Millenium stürzte um 16 Prozent ab. Die Auszahlung einer größeren Abfindung ist ausgeschlossen.­ Claassen erklärt über seinen Anwalt gegenüber unserer Redaktion, keine Ansprüche zu erheben. Mit EnBW hatte er sich dagegen einen spektakulären Streit wegen einer ihm zustehenden Pension geleistet.


 
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