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Krise erfasst Branchenprimus: Toyota rutscht in die roten Zahlen

VON NILS DIETRICH - zuletzt aktualisiert: 22.12.2008 - 13:44

Tokio/Düsseldorf (RPO). Bislang galt er als der Musterschüler der Autobranche: der weltgrößte Autokonzern Toyota. Doch dem Strudel der Finanzkrise kann sich das japanische Vorzeigeunternehmen nicht entziehen. Erstmals seit 1940 werden operativ rote Zahlen geschrieben - der Chef sprach von einer "Notsituation ohne Beispiel".

Hocheffizient, hochmodern, hochprofitabel: Der Autokonzern Toyota ist ein Vorbild für die gesamte Automobilindustrie. Viele Unternehmen schauen sich Produktionsmethoden ab, andere loben die vorausschauende Modellpolitik vor allem bei dem Hybridautos. Doch der Branchen-Benchmark (Benchmark steht für Maßstab) kocht auch nur mit Wasser. Im Zuge der Finanz-/Autokrise müssen die hochgelobten Japaner Federn lassen.

Es sind vor allem zwei Faktoren, die Toyota zu schaffen machen. Die heimische Währung, der Yen, hat in den letzten Monaten enorm an Wert gewonnen. Also werden die Produkte der Japaner im Ausland teurer, was den Absatz dämpft. Vor allem machte der Yen gegenüber dem US-Dollar Boden gut. In den Vereinigten Staaten, wo der Automarkt ohnehin drastisch eingebrochen ist, ist Toyota der zweitgrößte Anbieter.

"Das ist eine Notsituation ohne Beispiel", sagte Toyota-Chef Katsuaki Watanabe am Montag am Hauptsitz im japanischen Nagoya mit Blick auf das derzeitige Umfeld. "Diese Krise ist anders geartet als die vorherigen." Zugleich gab er sich zuversichtlich, dass Toyota die Krise meistern werde.

Diese weltweite Krise bringt den Marktführer nun ins Schleudern. Der Konzern rechnet im laufenden Geschäftsjahr, das im März endet, nur noch mit 7,54 Millionen verkaufter Fahrzeugen. Im Vorjahr waren es noch 8,91 Millionen gewesen. Noch im Oktober war Toyota von 8,24 Millionen verkauften Autos in diesem Jahr ausgegangen. "Die Veränderung, die die Weltwirtschaft durchmacht, ist von einem kritischen Ausmaß, wie es nur einmal in hundert Jahren vorkommt", sagte Watanabe.

Spuren in der Bilanz 

Die aktuelle Entwicklung hinterlässt deutliche Spuren in der Bilanz. Für das  Geschäftsjahr erwarte das Unternehmen einen operativen Verlust von 150 Milliarden Yen (1,22 Milliarden Euro), teilte Toyota-Chef Katsuaki Watanabe am Montag am Hauptsitz im japanischen Nagoya mit. Bisher hatte der Konzern noch einen Betriebsgewinn von 600 Milliarden Yen erwartet.

Das wäre der erste Verlust für Toyota seit dem Jahr 1940, als das Unternehmen erstmals Zahlen veröffentlichte. Toyota senkte auch seine Prognose für den Nettogewinn, bei dem nicht nur die Zahlen aus Autoproduktion und -vertrieb einfließen, deutlich. Toyota kann ist beispielsweise auch in den Bereichen Flurförderzeuge (Gabelstapler etc.), Finanzdienstleistungen, Mobilfunk und Fertighäuser aktiv. Ob Gewinne aus diesen Sparten die Verluste aus dem Autosektor ausgleichen, wurde am Montag nicht bekannt. 

Unter dem Strich jedenfalls hofft das Unternehmen nun noch auf einen Gewinn von 50 Milliarden Yen. Zuvor hatte Toyota mit 550 Milliarden Yen mehr als das Zehnfache angepeilt. Auch die Umsatzziele nahm Toyota zurück.

Wende bis 2010

Im kommenden Geschäftsjahr 2009/2010 sollen wieder schwarze Zahlen geschrieben werden. Dafür wurde ein  ganzes Maßnahmenpaket angekündigt: Bonuszahlungen für das gehobene Management fallen weg, die Fixkosten sollen um zehn Prozent gedrückt werden. Außerdem ist eine Streichung der Dividende in der Diskussion. Allerdings sollen keine Festangestellten entlassen werden.

Die Manager gaben zu erkennen, dass die Zukunft nur noch bei Klein- und Elektrowagen zu sehen sein werde. Da werde Toyota 2009 neben dem kleinen iQ, der schon im Januar kommt, auch ein eigenes Elektro-Angebot auf den Markt bringen. Geplant ist eine Zusammenarbeit mit Panasonic. Bei Hybridantrieben, einer Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotoren, ist das Unternehmen bereits jetzt führend. 

An den Aktienmärkten brachten die schlechten Nachrichten aus Fernost vor allem Auto-Titel wie VW unter Druck.


 
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