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Für 1,6 Milliarden Euro
Traditionsunternehmen WMF verkauft

Traditionsunternehmen WMF: Für 1,6 Milliarden Euro verkauft
Das baden-württembergische Traditionsunternehmen WMF wird nach Frankreich verkauft. FOTO: dpa, mut htf frk fpt
Paris. Der Küchengeräte- und Besteckhersteller WMF bekommt einen neuen Besitzer aus der Gastronomie-Nation Frankreich: Der Haushaltsgeräteriese SEB übernimmt das baden-württembergische Traditionsunternehmen für knapp 1,6 Milliarden Euro vom US-Finanzinvestor KKR, wie SEB am Montagabend mitteilte.

Der Aktienkurs des französischen Unternehmens, dem bereits Marken wie Moulinex, Krups und Tefal gehören, schoss am Dienstag als Reaktion auf das Geschäft in die Höhe.

Mit WMF - die Abkürzung steht für Württembergische Metallwarenfabrik - übernimmt SEB nach eigenen Angaben den "Weltmarktführer bei professionellen Kaffeemaschinen". Das 1853 gegründete süddeutsche Unternehmen beherrscht demnach 28 Prozent dieses "sehr attraktiven" Marktes mit "starkem Wachstum und hoher Rentabilität". Bei Kochutensilien sei WMF in Deutschland Marktführer mit einem Marktanteil von 20 Prozent.

SEB setzt nach eigenem Bekunden mit der Übernahme auf "bedeutende Synergien". Ab 2020 seien Einsparungen von jährlich rund 40 Millionen Euro möglich, etwa durch gemeinsame Einkäufe, Logistik und Vertrieb. SEB bekomme zudem Zugang zu 200 Geschäften in Deutschland und übernehme zusammen mit WMF "starke Marken" wie Silit und Kaiser.

Der genaue Kaufpreis liegt SEB zufolge bei 1,585 Milliarden Euro. Davon zahlt SEB 1,02 Milliarden Euro und übernimmt zudem Unternehmensschulden in Höhe von 565 Millionen Euro. Dem Geschäft müssen noch die Kartellbehörden beider Länder zustimmen.

WMF, im zwischen Stuttgart und Ulm gelegenen Geislingen an der Steige beheimatet, beschäftigt rund 5700 Mitarbeiter und unterhält acht Produktionsstätten weltweit. Im vergangenen Jahr betrug der Umsatz 1,1 Milliarden Euro. Neben Kaffeemaschinen ist WMF insbesondere für sein Besteck und Kochgeschirr bekannt.

SEB stellt unter anderem Kochtöpfe und Pfannen, Küchenmaschinen und Fritteusen, Bügeleisen und Staubsauger her. Das Unternehmen beschäftigt weltweit mehr als 25.000 Mitarbeiter und machte im vergangenen Jahr einen Umsatz von mehr als 4,7 Milliarden Euro. Erst vergangene Woche hatte SEB den Kauf des deutschen Küchenartikel-Herstellers Emsa angekündigt.

Nach Bekanntgabe der neuen Übernahmepläne legte der Wert der SEB-Aktie an der Pariser Börse kräftig zu. Am Dienstagmittag betrug der Zuwachs mehr als elf Prozent. Analysten bewerteten die größte Übernahme in der Geschichte von SEB positiv.

Verkäufer und Käufer im Profil

  • KKR: Als Henry Kravis and George Roberts 1976 ihre erste Firma schluckten, war das Geschäft 26 Millionen Dollar schwer. Heute stemmt KKR - Kurzform für Kohlberg Kravis Roberts - milliardenschwere Zukäufe.
    Der New Yorker Finanzinvestor gehört zu den ältesten, größten und umtriebigsten Firmenjägern der Welt. 1989 kaufte KKR den US-amerikanischen Lebensmittel- und Zigarettenhersteller RJR Nabisco für 25 Milliarden Dollar.
    Auch in Deutschland schlug KKR mehrfach zu, unter anderem beim Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 und der Werkstatt-Kette ATU. Sogenannte Private-Equity-Gesellschaften finanzieren ihre Käufe zum überwiegenden Teil durch Kredite - diese Schulden lasten sie den übernommenen Firmen auf, die oft kräftig sparen müssen.
  • SEB: Der französische Konzern bezeichnet sich selbst als Weltmarktführer für kleine Haushalts-Ausstattung.
    SEB produziert wie WMF auch Kochgeschirr und Elektrokleingeräte - von der Fritteuse zum Waffeleisen. Die Groupe SEB verkauft nach eigenen Angaben 200 Millionen Produkte pro Jahr.
    Der Konzern - dessen Vorläufer 1857 im Burgund gegründet wurde - ist in knapp 150 Ländern präsent.
    SEB vereint bekannte Marken wie Krups, Tefal, Rowenta und Moulinex unter einem Dach. Im vergangenen Jahr machte SEB nach eigenen Angaben mit 26 000 Mitarbeitern einen Umsatz von 4,8 Mrd Euro, der Gewinn unterm Strich lag bei 206 Millionen Euro.

 

(AFP)
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