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Travis Kalanick
Uber-Chef nimmt nach schweren Vorwürfen Auszeit

Travis Kalanick: Chef von Uber nimmt nach Vorwürfen Auszeit
Uber-Chef Travis Kalanick im Januar 2016 in Mumbai. FOTO: rtr
Washington. Nachdem sein Unternehmen wegen Berichten über Sexismus am Arbeitsplatz und den Gebrauch einer fragwürdigen Software in Verruf geraten war, nimmt Uber-Chef Travis Kalanick eine Auszeit.

Uber-Chef Travis Kalanick nimmt nach schweren Turbulenzen bei dem umstrittenen Fahrdienst-Vermittler eine Auszeit.Der Verwaltungsrat der milliardenschweren Firma beschloss unterdessen massive Veränderungen an Abläufen im Tagesgeschäft, die für mehr Transparenz und Gleichberechtigung sorgen sollen.

Kalanick nannte in einer E-Mail an die Mitarbeiter keinen Zeitraum für eine Rückkehr. Zuvor war in Medienberichten von einem dreimonatigen Urlaub die Rede gewesen. "Die jüngsten Ereignisse haben mir beigebracht, dass Menschen wichtiger als die Arbeit sind", schrieb Kalanick. Das Unternehmen war zuletzt unter anderem durch Berichte über Sexismus am Arbeitsplatz, schlechte Arbeitsbedingungen und den Einsatz einer geheimen Software, mit der offenbar Behördenkontrollen umgangen werden sollten, massiv in die Kritik geraten.

Kalanick will Uber-Chef bleiben

Zugleich machte Kalanick deutlich, dass er eine Führungsrolle bei Uber behalten wolle. Er brauche eine Auszeit vom Tagesgeschäft, um seine Mutter zu betrauern, sowie "um nachzudenken, an mir zu arbeiten und ein Weltklasse-Führungsteam aufzubauen". Er verabschiedete sich mit "wir sehen uns bald."

Während seiner Abwesenheit soll der Rest des Führungsteams die Firma leiten, ein kommissarisch amtierender Chef wurde nicht ernannt. In den vergangenen Monaten hatten mehrere Top-Manager Uber verlassen.
Zuletzt ging Kalanicks umstrittener Vertrauter Emil Michael, der eine wichtige Rolle im operativen Geschäft spielte.

Uber und Kalanick gerieten in den vergangenen Wochen immer stärker unter Druck. Das wegen seiner aggressiven Firmenkultur und Wachstumsstrategie berüchtigte Unternehmen musste eine tiefgreifende Untersuchung einleiten, nachdem eine ehemalige Software-Entwicklerin von Sexismus und sexuellen Belästigungen berichtete, die trotz Beschwerden folgenlos geblieben seien. Die Ermittlungen wurden vom ehemaligen Justizminister Holder geleitet, der heute bei einer Anwaltskanzlei arbeitet. In einem ersten Schritt waren rund 20 Mitarbeiter entlassen worden. Jetzt sollen neue Strukturen und Kontrollmechanismen geschaffen werden, um solche Fälle zu verhindern.

Sexismusvorwürfe bei Vorstellung des Untersuchungsberichts

Ausgerechnet bei der Vorstellung des Untersuchungsberichts fiel Verwaltungsratsmitglied David Bonderman mit einem Kommentar auf, der allgemein als sexistisch aufgefasst wurde. Als seine Kollegin Arianna Huffington davon sprach, mehr Frauen in den Verwaltungsrat zu bringen, warf er ein, dass dadurch bei den Sitzungen mehr geredet würde. Bonderman, ein Milliardär, der für den Privatinvestor TPG im Uber-Kontrollgremium sitzt, rechtfertigte sich später, er habe das positiv gemeint. Er zog sich dennoch aus dem Verwaltungsrat zurück, nachdem die Kritik an der Bemerkung immer lauter wurde.

In dem Untersuchungsbericht wurde auch vorgeschlagen, Kalanick solle einen Teil seiner Vollmachten an andere Top-Manager abgeben. "Die ultimative Verantwortung dafür, wo wir stehen und wie wir dort angekommen sind, liegt auf meinen Schultern", schrieb Kalanick in seiner E-Mail. Er wolle an einem "Uber 2.0" arbeiten und dafür sei auch ein "Travis 2.0" nötig.

Kalanick gilt als treibende Kraft hinter der aggressiven weltweiten Expansion des Start-ups, das in Finanzierungsrunden zuletzt laut Medienberichten mit bis zu 69 Milliarden Dollar bewertet wurde.
Zugleich wurde aber auch kritisiert, dass er bei Uber eine Kultur geschaffen habe, bei der Leistung und Erfolg wichtiger als alles andere seien. Kalanick musste sich in den vergangenen Monaten bereits rechtfertigen, nachdem ein Video veröffentlicht wurde, in dem er hitzig mit einem Uber-Fahrer diskutierte. Er versprach danach, künftig erwachsener zu agieren und in den vergangenen Monaten wurde nach einer starken Nummer zwei für ihn gesucht.

(isw/AFP)
 
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