Finanzkrise gut für das Klima: Treibhausgas-Emissionen sinken
zuletzt aktualisiert: 11.03.2009 - 12:32Berlin (RPO). Die Krise nützt kurzfristig dem Klima. Die deutschen Klimagas-Emissionen werden 2009 voraussichtlich um 1,5 Prozent zurückgehen, wie die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, in Berlin erklärte.
Dies ergebe sich aus der Prognose, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um drei Prozent schrumpfe und damit auch der Energieverbrauch deutlich sinke.
Mittelfristig bringt dieser Rückgang die Bemühungen um Klimaschutz aber in Schwierigkeiten, wie Kemfert sagte. So sei der Preis für Verschmutzungs-Zertifikate im europäischen Emissionshandel wegen sinkender Nachfrage bereits von etwa 20 auf neun Euro zurückgegangen.
Experten halten dies für zu wenig; denn je höher der Zertifikate-Preis, desto höher der Anreiz, in die Vermeidung von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen zu investieren. Kemfert plädierte deshalb dafür, bei sinkendem Klimagas-Ausstoß die Menge der Zertifikate entsprechend zu verringern, um den Preis zu stützen und den Emissionshandel am Laufen zu halten.
Der 2005 in der EU gestartete Emissionshandel gilt für Fabriken und Kraftwerke. Ihnen werden Zertifikate für eine bestimmte Menge Treibhausgase zugeteilt. Blasen sie mehr Schmutz in die Luft, müssen sie Zertifikate zukaufen. Gelingt es ihnen, ihre Emissionen zu senken, können sie Zertifikate verkaufen. In der ersten Handelsperiode von 2005 bis 2007 hatten Industrievertreter allerdings eine so üppige Zuteilung von Zertifikaten erreicht, dass zu viele auf dem Markt waren und der Handel praktisch zum Erliegen kam.
Deshalb wurde nach Kemferts Berechnungen auch kaum etwas für den Klimaschutz erreicht: Die Emissionen gingen aufgrund des Zertifikatehandels in den Jahren 2006 und 2007 nur um jeweils 4,4 Millionen Tonnen zurück, wie die Energieexpertin sagte. Zum Vergleich: Deutschland stößt derzeit rund 860 Millionen Tonnen Kohlendioxid aus.
Ein Tempolimit 120 auf Autobahnen würde nach Darstellung des Umweltbundesamts ohne Investitionskosten bereits eine Verringerung um 2,2 Millionen Tonnen pro Jahr bringen.
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