Countdown für Warenhauskette: Triton: Wir sind noch im Rennen
zuletzt aktualisiert: 06.06.2010 - 12:47Berlin/Essen/Düsseldorf (RPO). Countdown für Karstadt: Am Montag entscheidet sich die Zukunft des 129 Jahre alten Warenhauskonzerns und seiner 25.000 Beschäftigten. Der Finanzinvestor Triton hält wohl doch an seiner Offerte fest. Zuvor war berichtet worden, es seien nur noch Highstreet und Berggruen im Rennen.
"Wir gehen davon aus, dass unser Angebot am Montag auf der Tagesordnung steht", sagte ein Sprecher des deutsch-schwedischen Finanzinvestors Triton am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters. Der Gläubigerausschuss will am Montag zusammentreten und darüber beraten, ob und welcher Bieter den Zuschlag für den Warenhauskonzern erhält.
Für Karstadt haben neben Triton auch der Investor Nicolas Berggruen und das Vermieterkonsortium Highstreet um die US-Bank Goldman Sachs Gebote abgegeben. Der russische Investor Artur Pachomow hatte zwar Interesse bekundet, aber kein formelles Angebot öffentlich gemacht. Einem Sprecher von Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg zufolge gibt es nach wie vor offene Fragen bezüglich des Interesses des russischen Investors.
Die stellvertretende Ver.di-Chefin Margret Mönig-Raane sagte der Zeitung, man rechne fest damit, "dass die Interessenten ihre Angebote bis zur letzten Minute am Montagmorgen noch überarbeiten". Insofern sei die Entscheidung weiterhin offen.
Die "Bild am Sonntag" hatte berichtet, von vier Interessenten seien nur noch zwei im Rennen: Berggruen und Highstreet.
Highstreet wollte am Abend noch einmal beim Gesamtbetriebsrat für sein Konzept werben; Berggruen hatte den Arbeitnehmervertretern bereits am Freitag seine Pläne präsentiert. Der Triton-Sprecher verwies darauf, dass der Finanzinvestor seine Pläne dem Gesamtbetriebsrat bereits vor etwa zwei Wochen vorgestellt habe.
Zerschlagung nicht ausgeschlossen
Am Mittwoch könnte der Kaufvertrag unterschrieben werden. Wenn alles läuft wie geplant, würde am Donnerstag das Amtsgericht Essen den Insolvenzplan absegnen und damit den Weg aus der Pleite freimachen. Karstadt wäre gerettet.
Könnte, würde, wäre. Denn ein Scheitern des Verkaufsprozesses und damit eine Zerschlagung des Konzerns ist noch lange nicht ausgeschlossen. Das Problem: Zwar gibt es mehrere Kaufinteressenten. Doch jeder knüpft bisher sein Angebot an Bedingungen und verlangt vor einer Unterschrift weitere Zugeständnisse, sei es der Vermieter oder der Beschäftigten.
Bereits in der vergangen Woche hatte Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg mit seinen Äußerungen über ein mögliches Aus für Karstadt Bewegung in die Verhandlungen gebracht. Am Montag wird der Gläubigerausschuss nach seinen Worten definitiv einen der Bieter auswählen. Wenn die Entscheidung gefallen sei, werde man versuchen, die Bedingungen des ausgewählten Investors zu erfüllen. "Wenn das nicht gelingt, dann war es das eben", sagte Görg nach dem jüngsten Treffen des Gläubigerausschusses.
Für den Fall der Fälle steht Metro bereit
Als aussichtsreichste Bieter galten bereits in den vergangenen Tagen das Immobilienkonsortium Highstreet und der Investor Nicolas Berggruen. Die Fondgesellschaft Highstreet befindet sich mehrheitlich im Besitz der US-Bank Goldman Sachs. Ihr gehören 86 der von Karstadt genutzten Immobilien. Mit ihrem Kaufangebot will sie vor allem den bei einer Pleite drohenden Leerstand ihrer Häuser und zu hohe Mieteinbußen vermeiden.
Berggruen ist der Sohn des 2007 verstorbenen Kunstsammlers Heinz Berggruen. Er will nach eigenen Angaben Karstadt wieder zu altem Glanz verhelfen, verlangt aber vor der Unterschrift unter den Vertrag von den Vermietern deutliche Mietsenkungen. Da er keine weiteren Opfer der Belegschaft fordert, kann er zumindest auf die Unterstützung der Arbeitnehmer bauen.
Weniger positiv wurden auch schon in der vergangenen Woche die Aussichten der deutsch-schwedischen Investmentfirma Triton eingeschätzt. Sie verlangte nachdrücklich Zugeständnisse sowohl der Vermieter als auch der Belegschaft und gibt sich dabei nur wenig kompromissbereit. So gut wie keine Chance wurden dem in letzter Minute eingereichten Angebot eines russischen Bieters eingeräumt.
Für den Fall, dass der Verkauf von Karstadt im letzten Moment doch noch scheitert, steht im Hintergrund der Handelskonzern Metro bereit. Er will einen großen Teil der Karstadt-Filialen zu übernehmen, um sie in seine Warenhauskette Kaufhof einzugliedern. Allerdings würde dies wohl den Verlust Tausender Arbeitsplätze zur Folge haben.
Verdi verlangt nachhaltiges Unternehmenskonzept
Auch Verdi stellte am Sonntag erneut Bedingungen an den neuen Karstadt-Betreiber: "Die Beschäftigten haben ein Recht darauf, dass es für Karstadt ein nachhaltiges Unternehmenskonzept gibt. Das messen wir daran, wer Karstadt dauerhaft erhalten will, ob es für Karstadt langfristig marktübliche Mieten gibt und ob der Investor in der Lage ist, bei Bedarf unkompliziert Geld nachzuschießen", erklärte Mönig-Raane.
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