Zwischenrufer vom Podium gestürzt: Turbulenter Start der HVB-Hauptversammlung
zuletzt aktualisiert: 26.06.2007 - 12:33München (RPO). Mit turbulenten Szenen hat am Dienstag die wahrscheinlich letzte Hauptversammlung der HypoVereinsbank begonnen. Zwei Jahre nach der Übernahme der Mehrheit durch die italienische UniCredit wehren sich die verbliebenen Minderheitsaktionäre der HVB gegen den geplanten Zwangsausschluss. Aktionärsschützer halten das Abfindungsangebot für viel zu niedrig, einige Investoren und Hedgefonds haben bereits Klagen eingereicht.
Ein Aktionär störte bereits die Eröffnung der Hauptversammlung in München mit Zwischenrufen und stürmte aufs Podium. Als Ordner ihn wegdrängen wollten, stürzte er zu Boden und forderte lautstark eine Untersuchung durch einen Arzt seiner Wahl. Die Hauptversammlung musste eine Viertelstunde unterbrochen werden, bis sich der Aktionär im Rollstuhl aus dem Saal bringen ließ.
UniCredit hatte die angeschlagene HypoVereinsbank im Juni 2005 für gut 15 Milliarden Euro zu 95 Prozent übernommen. Minderheitsaktionäre halten noch 4,55 Prozent an der HVB. Sie werfen UniCredit vor, der HVB ihre profitable Tochter Bank Austria mit dem Osteuropageschäft im vergangenen Jahr weit unter Wert weggenommen und damit die übrigen HVB-Aktionäre geschädigt zu haben. Statt der von UniCredit gebotenen 38,26 Euro je HVB-Aktie fordern sie über 43 Euro. Auch das Landgericht München hatte eine Unterbewertung der Bank Austria zu Lasten der Minderheitsaktionäre für wahrscheinlich gehalten und als Vergleich eine Nachzahlung über vier bis fünf Milliarden Euro an die HVB vorgeschlagen.
Obwohl am Vormittag nur wenige hundert Aktionäre zu der Hauptversammlung kamen, rechnet die HVB mit einer sehr langen Aussprache und hat die Messehalle vorsichtshalber für eine Fortsetzung am Mittwoch reserviert. Vorstandschef Wolfgang Sprißler betonte, dass die HypoVereinsbank seit dem Zusammenschluss mit UniCredit wieder profitabel geworden sei und sich der Aktienkurs verdoppelt habe. Die HVB bündle das gesamte Investmentbanking der UniCreditgruppe und gehöre im Firmenkundengeschäft zu den führenden Banken in Deutschland. Der Verkauf der profitablen Bank Austria und des Osteuropageschäfts habe der HVB viel Geld für den Ausbau ihres Deutschlandgeschäfts gebracht, erklärte Sprißler. Der Aktienkurs der HVB lag wegen Spekulationen auf eine Erhöhung des Abfindungsangebots am Dienstag mit rund 42 Euro deutlich über dem Abfindungsangebot von 38,26 Euro.
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