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57 Millionen Daten gestohlen
Uber hielt massiven Hacker-Angriff geheim

Uber: 57 Millionen Kunden-Daten gestohlen - Fahrdienst hält Hacker-Angriff geheim
Ein Uber-Abholpunkt in New York. FOTO: dpa, SW DD fgj hjb
San Francisco. Dem Fahrdienst-Vermittler Uber sind vor gut einem Jahr Daten von 57 Millionen Kunden und Fahrern gestohlen worden. Doch das Unternehmen hielt den Hacker-Vorfall geheim und informierte die Öffentlichkeit erst jetzt. 

Gestohlen wurden Namen, E-Mail-Adressen und Telefonnummern von 50 Millionen Fahrgästen rund um die Welt. Außerdem verschafften sich die Angreifer Zugriff auf Daten von etwa sieben Millionen Uber-Fahrern. Es seien nach bisherigen Erkenntnissen aber keine Kreditkarten-Daten oder Informationen zu Fahrten gestohlen worden, betonte die Firma.

Der erst seit August amtierende Firmenchef Dara Khosrowshahi informierte die Öffentlichkeit erst am Dienstag (Ortszeit) über den Vorfall von Ende 2016. Er verurteilte den Umgang der damaligen Unternehmensführung mit dem Datenleck und versprach, "dass wir aus unseren Fehlern lernen werden".

Uber-Chef Dara Khosrowshahi informierte die Öffentlichkeit erst jetzt über den Angriff (Archivbild). FOTO: rtr, SM/MJB

Statt Behörden oder Betroffene zu informieren, bezahlte Uber den Hackern 100.000 Dollar (rund 85.000 Euro), damit sie die gestohlenen Daten vernichten, berichteten der Finanzdienst Bloomberg und die "New York Times". Die New Yorker Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren zum Hacker-Angriff ein.

Uber gehe davon aus, dass die Informationen nicht verwendet worden seien, hieß es. Die Hacker seien im Oktober 2016 durch eine schlecht geschützte Datenbank in einem Cloud-Dienst an die Daten gelangt.
Uber-Sicherheitschef Joe Sullivan und ein weiterer Manager verloren ihre Jobs, wie Uber weiter mitteilte. Sullivan war zuvor Sicherheitschef bei Facebook.

Vertuschung wirft neuen Schatten auf Kalanick

Die Vertuschung wirft einen weiteren Schatten auf die Ära des langjährigen Uber-Chefs Travis Kalanick, die von vielen Skandalen um den aggressiv auftretenden Fahrdienst-Vermittler geprägt war. Uber hatte bei der rasanten internationalen Expansion in vielen Ländern gegen geltende Regeln verstoßen. Zuletzt sorgte auch eine Klage der Google-Schwesterfirma Waymo für Aufsehen, in der Uber der Einsatz gestohlener Roboterwagen-Technologie vorgeworfen wird. Kalanick räumte im Sommer unter dem Druck von Investoren den Chefposten. Der Datenklau-Skandal dürfte seine Ambitionen, irgendwann wieder an die Spitze zurückzukehren, endgültig durchkreuzen.

Der neue Uber-Chef Dara Khosrowshahi erklärte am Dienstag zum Hackerangriff und dem nachfolgenden Schweigen: "Nichts davon hätte passieren dürfen, und wir werden nicht nach Ausreden dafür suchen." Er selbst habe erst vor kurzem von dem Datendiebstahl erfahren, schrieb  Khosrowshahi. "Ich kann die Vergangenheit nicht ausradieren, aber ich kann im Namen aller Uber-Mitarbeiter versprechen, dass wir aus unseren Fehlern lernen werden." Uber ändere die Art, wie es sein Geschäft führe.

Ausmaß und Wert der gestohlenen Uber-Daten verblassen neben anderen Fällen: Bei der Wirtschaftsauskunftei Equifax verschafften sich Unbekannte Zugriff auf Sozialversicherungsnummern von mehr als 40 Prozent der US-Bevölkerung. Dem Internet-Konzern Yahoo wurden 2013 Daten zu allen drei Milliarden Nutzer-Accounts gestohlen. Doch es ist außergewöhnlich, dass ein Unternehmen einen Datendiebstahl in dieser Dimension Behörden und Nutzern wissentlich verschweigt und sich auf einen Deal mit den Hackern einlässt.

Hilfe bei Suche nach Führerschein-Daten

Besonders heikel für Uber könnte werden, dass die Hacker sich auch Zugriff auf Namen und Fahrerlaubnis-Nummern von rund 600.000 Fahrern in den USA verschaffen konnten. Führerscheine werden in Amerika oft als Ausweisdokumente verwendet, was die Daten für Betrüger wertvoll machen kann. Uber werde den Betroffenen nun helfen, nach einem möglichen Missbrauch der gestohlenen Daten Ausschau zu halten, kündigte Khosrowshahi an. Zugleich erklärte er, Uber habe seinerzeit die Zusicherung erhalten, dass die gestohlenen Daten vernichtet worden seien.

Ex-Geheimdienstler soll helfen

Als weitere Maßnahme engagierte Khowrowshahi einen früheren Chefjuristen des US-Geheimdienstes NSA, Matt Olsen, als Berater. Er solle dabei helfen, die Sicherheit bei Uber neu zu gestalten.

Uber ist in mehr als 600 Städten in Dutzenden Ländern weltweit aktiv, darunter auch in München und Berlin. Aus Düsseldorf hatte sich Uber 2015 zurückgezogen. Das Unternehmen vermittelt über Smartphone-Apps Fahrten in verschiedenen Angebots- und Preisklassen und ist vor allem etablierten Taxiunternehmen ein Dorn im Auge.

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Uber war 2009 gegründet worden und entwickelte sich unter Kalanicks Führung zum wertvollsten Startup mit Beteiligungskapital. Es wurde auf 68 Milliarden Dollar (58 Milliarden Euro) taxiert. Derzeit plant Uber eine Fusion mit dem japanischen Technologie-Giganten SoftBank, die dem Fahrdienstleister eine Milliarde Dollar zusätzliches Kapital verschaffen soll. Für 2019 ist der Börsengang von Uber geplant.

(juju/dpa/AFP)
 
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