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Illegaler Datenhandel größer als bislang vermutet: Über 1,5 Millionen Datensätze gesichert

zuletzt aktualisiert: 16.08.2008 - 12:28

Hamburg (RPO). Der illegale Handel von Bankdaten ist größer als bislang bekannt. Der Informant, der der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein eine CD mit 17 000 Kundendaten samt Bankverbindungen zugeschickt hatte, besitzt nach eigener Aussage mehr als 1 Million Kundendaten.

"Das war nur ein erster Datensatz, tatsächlich habe ich die Adressen und Bankdaten von 1,5 Millionen Kunden gesichert", sagte der Mann dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" laut Vorabbericht. Der 36-jährige habe bislang in einem Lübecker Callcenter gearbeitet und am Mittwoch seine Kündigung eingereicht.

Vermittelt über eine Zeitarbeitsfirma habe der Mann vor rund drei Wochen bei der Lübecker Telefon-Firma Hanseservice angefangen. Dort habe der Geschäftsführer dem Personal die offenbar illegal beschafften Daten ausgehändigt, samt einem Drehbuch, dem die Callcenter-Agenten bei ihren Anrufen zu folgen hatten: "Sie haben doch mal bei der SKL gespielt, nun haben wir für Sie ein neues Angebot", habe er danach seine Gespräche beginnen sollen, berichtete der Informant. Zu seiner Motivation, den Daten-Missbrauch ans Licht zu bringen, sagte der 36-Jährige: "Ich will, dass solche Machenschaften aufhören, deshalb mache ich sie jetzt öffentlich."

Auch das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtete am Samstag vorab über weitere Datensätze mit persönlichen Angaben zu Verbrauchern und deren Kontoverbindungen, die illegal im Umlauf sind. So seien vor wenigen Tagen von einem Datenhändler im Ruhrgebiet 50 000 Adressen mit dazugehörigen Telefonnummern, Geburts- und Bankverbindungsdaten angeboten worden. Die weniger als drei Monate alten Datensätze sollen nach Angaben des Händlers "wenig 'durchgelutscht'" sein und stammen laut "Focus" von zwei Lotterieveranstaltern, einem Mobilfunkanbieter und einer als gemeinnützig anerkannten Spendenorganisation.

Beim branchenüblichen Geschacher mit Adressdaten liegen die Preise laut Magazin zwischen einem Euro und fünf Cent pro Datensatz. Zu den Opfern der Datenplünderer zählen den Angaben zufolge auch die Kunden von Kreditkartenunternehmen.

Bundesdatenschutzbeauftragte Schaar fordert Umdenken 

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Schaar sagte im Deutschlandradio Kultur, es seien wirksame Mittel nötig, um den Datenschutz durchzusetzen und Missbrauch mit scharfen Sanktionen zu belegen. Statt geringfügiger Bußgelder benötige man massive Strafen in Millionenhöhe. Der entscheidende Punkt sei jedoch ein Umdenken der Verbraucher, betonte Schaar. Diese hätten ein Machtmittel, um einen sorglosen und unangemessen Umgang mit Daten zu bestrafen. Sie könnten etwa den Handelspartner oder ihre Bank wechseln.

Quelle: afp

 
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