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  Foto: AP, AP
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Gesundheit: Über 50 Kassen erheben keine Zusatzbeiträge

VON STEPHAN DÖRNER - zuletzt aktualisiert: 29.01.2010 - 12:11

Düsseldorf (RPO). Die Mehrheit der gesetzlich Versicherten wird ab 2010 tiefer in die Tasche greifen müssen. Doch nicht jede gesetzliche Kasse erhebt die Zusatzbeiträge. Gesundheitsminister Philipp Rösler ermuntert Versicherte dazu, einen Wechsel der Kasse zu prüfen. Bei welchen Kassen Sie um die Beiträge herum kommen, wie der Wechsel funktioniert und auf was die Versicherten achten müssen.

Viele Krankenkassen werden 2010 angesichts der dramatischen Finanzlage einen Zusatzbeitrag erheben müssen. 54 Kassen haben dem Verbraucherportal test.de aber bestätigt, 2010 Zusatzbeiträge definitiv ausschließen zu können, eine weitere bestätigte dies gegenüber unserer Redaktion (siehe: Diese Krankenkassen erheben keine Zusatzbeiträge).

Einer Umfrage der Ratingagentur Assekurata zufolge sind knapp ein Drittel der gesetzlich Versicherten ab einem monatlichen Zusatzbeitrag von acht Euro bereit, die Krankenkasse zu wechseln, berichtete die Tageszeitung "Die Welt".

Sonderkündigungsrecht bei Zusatzbeiträgen

Führt eine Kasse einen Zusatzbeitrag ein oder streicht Prämien, erhalten auch Kunden ein Sonderkündigungsrecht, die kürzer als 18 Monate Mitglied in einer Kasse sind, so Krakenkassen-Experte Kai Vogel von der Verbraucherzentrale NRW. Die Versicherten können dann innerhalb einer Frist von zwei Monaten kündigen. Kunden, die bereits mindestens 18 Monate Mitglied sind, besitzen dieses Kündigungsrecht sowieso. Ausnahme sind spezielle Tarife, bei denen sich die Kunden drei Jahre binden und keine Sonderkündigungsrechte besitzen. "Solche Verträge können sehr tückisch sein", warnt Verbraucherschützer Vogel.

Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) rät Kunden dazu, einen Wechsel zumindest zu prüfen. "Wenn mir mein Stromanbieter zu teuer ist, sehe ich mich ja auch nach einem anderen um", sagte er der "Bild"-Zeitung. An den Kassen übte er scharfe Kritik und bezeichnete die Erhebung der zusätzlichen Beinträge als unsozial. Ein Wechsel ist im Prinzip nicht schwer. "Es reicht ein formloses Schreiben, bei dem man sich auf sein Sonderkündigungsrecht beruft", erläutert Vogel. Nach spätestens 14 Tage sollte eine Bestätigung der Kündigung durch die Krankenkasse eingehen.

Was beim Wechsel beachtet werden muss

Vor einem überstürzten Wechsel warnt der Experte allerdings. "Es zählt nicht der Preis allein. Wer mit dem Service seiner Kasse zufrieden ist, sollte sich den Wechsel gut überlegen", so Vogel. Auch beim Wechsel zu einer Privatversicherung, die ohnehin nur für Gutverdiener in Frage kommt, ist Vorsicht angesagt. Die Beiträge sind hier zuletzt noch stärker gestiegen als bei den gesetzlich Versicherten. Zudem bieten sie keine Familienversicherung.

Wichtig ist, sich vor einem möglichen Wechsel gut über die angebotenen Dienstleistungen und den Service zu informieren. "Es lohnt beispielsweise die Hotline einer Krankenkasse auszuprobieren", rät Vogel. Die Service-Nummern der Krankenkassen, die 2010 keinen Zusatzbeitrag erheben werden, sind in unserer Übersicht mit angegeben. Vielen sei auch eine Geschäftststelle vor Ort wichtig.

Wie geht es weiter?

Derzeit belasten die eiträge vor allem Geringverdiener, da jeder unabhängig vom Einkommen acht Euro zusätzlich zahlt. Sollten der Zusatzbeitrag steigen, wäre der Wechsel vor allem für Vielverdiener interessant, denn dann dürfen die Beiträge ein Prozent des beitragspflichtigen Einkommens nicht überschreiten. Nach Einschätzung des Experten Vogel werden die Krankenkassen mit höheren Zusatzbeiträgen aber "sehr vorsichtig sein", schließlich versuchten sie, Gutverdiener zu halten. Zukunftsprognosen sind derzeit aber ohnehin schwer, da bisher unklar ist, wie Schwarz-Gelb das Gesundheitssystem in den kommenden Jahren umbauen wird.

Koaltionsstreit über Zusatzbeiträge ausgebrochen

Der Streit um den Zusatzbeitrag für gesetzliche Krankenkassen ist inzwischen
auch in der Regierungskoalition ausgebrochen. Der gesundheitspolitische
Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn (CDU), wies die Kritik von
Gesundheitsminister Rösler am  Zusatzbeitrag zurück. "Der
Zusatzbeitrag ist nicht unsozial", sagte Spahn gegenüber unserer Redaktion.

Spahn wies auch darauf hin, dass der jetzige  Zusatzbeitrag eine Überforderungsklausel beinhalte. Oberhalb der Pauschale von acht Euro müsse niemand mehr als ein Prozent seines Einkommens zahlen. "Zudem besteht die Möglichkeit zum Kassenwechsel."


 
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