Regierung will Staatshilfen vermeiden: Übernehmen Gläubigerbanken Schaeffler?
zuletzt aktualisiert: 06.03.2009 - 17:31Frankfurt/Main (RPO). Die Bundesregierung will sich offenbar aus der Schaeffler-Gruppe raushalten und keine Staatshilfen zahlen. Im Poker um die Zukunft der angeschlagenen Schaeffler-Gruppe zeichnet sich aber nun Berichten zufolge eine Übernahme des Unternehmens durch die Gläubigerbanken ab.
Laut "Süddeutscher Zeitung" sollen die Schäffler-Gläubigerbanken ihre Forderungen in Beteiligungen umwandeln, berichtete das Blatt unter Berufung auf Regierungskreise. Schaeffler hatte sich mit der Übernahme des größeren Konkurrenten Continental verhoben.
Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sagte der "Wirtschaftswoche", sowohl bei Opel als auch bei Schaeffler fehlten bislang "Konzepte, die als Entscheidungsgrundlagen dienen können". Zugleich brachte er den Angaben zufolge eine Insolvenz ins Spiel. Dies bedeute nicht automatisch den Untergang eines Unternehmens, wurde der CSU-Politiker zitiert.
Laut "Handelsblatt" wird eine teilweise Umwandlung der Bankschulden in Schaeffler-Anteile erwartet. In Finanzkreisen hieß es am Freitag, eine Diskussion über einen möglichen Einstieg der Kreditinstitute bei dem Herzogenauracher Unternehmen sei verfrüht. Zunächst müssten Wirtschaftsprüfer ihr Gutachten fertigstellen. Dies soll voraussichtlich Ende März vorliegen.
Unterdessen trat Continental-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg nach einer Sitzung des Gremiums zurück. Der langjährige Aufsichtsratschef hatte seinen Rücktritt bereits im Januar angekündigt und sich damit einer öffentlichen Forderung des neuen Haupteigners Schaeffler gebeugt. Auf der Aufsichtsratssitzung am Freitag in Frankfurt sollte ursprünglich Schaeffler-Berater Rolf Koerfer zu von Grünbergs Nachfolger gewählt werden. Seine Bestellung zum Aufsichtsrat war aber vom Landgericht Hannover vorerst gestoppt worden.
Die Gewerkschaften IG BCE und IG Metall forderten nach der Aufsichtsratsitzung ein tragfähiges Zukunftskonzept für Continental/Schaeffler. "Eine Filetierung von Continental beziehungsweise der Schaeffler-Gruppe ist nicht akzeptabel", erklärten sie.
Bosch: kein Interesses an Industriesparte von Schaeffler
Am Freitag hatten Gerüchte die Runde gemacht, der weltgrößte Zulieferer Bosch habe Interesse an Teilen von Schaeffler. Ein Bosch-Sprecher wies die Darstellung des "Handelsblatts" zurück, wonach Bosch und der US-Konzern Timken mit einem Erwerb der Industriesparte von Schaeffler liebäugelten.
Auf staatliche Hilfe aus Bayern kann Schaeffler unterdessen kaum hoffen. Das würde die Möglichkeiten des Freistaats übersteigen, sagte Wirtschaftsminister Martin Zeil in München. Der FPD-Politiker lehnte Staatshilfen für den Autozulieferer ab. Bevor der Steuerzahler den Konzern stütze, seien erst einmal die Banken gefordert - "vor allem solche, die bestimmte Transaktionen gefördert oder finanziert haben", sagte Zeil.
Machtverlust für Familie Schaeffler
Die Umwandlung der Bankenforderungen in eine Beteiligung an Schaeffler hält der Sprecher der IG Metall Bayern, Matthias Jena, durchaus für ein mögliches Szenario. Die Finanzinstitute hatten Schaeffler für die Conti-Übernahme einen Kredit von rund 10 Milliarden Euro gewährt. Nach früheren Angaben der IG Metall hat Schaeffler inzwischen Schwierigkeiten, die monatlichen Kreditzinsen von 70 Millionen Euro zu bezahlen. Im Februar hatte Maria-Elisabeth Schaeffler um Staatshilfen im Volumen von rund fünf bis sechs Milliarden Euro gebeten.
Für die Familie Schaeffler würde eine Umwandlung der Bankforderungen bedeuten, dass sich ihr Anteil an dem eigenen Unternehmen deutlich verringern dürfte. Finanzkreise hielten es für realistisch, dass der Anteil von Maria-Elisabeth Schaeffler und ihrem Sohn Georg auf unter 20 Prozent sinken könnte, berichtete das Blatt. Die Schaeffler-Gesellschafter hatten sich bereit erklärt, sich von einem wesentlichen Teil ihrer Beteiligung zu trennen, wollen aber die unternehmerische Führung behalten.
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