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Ultimatum
Lufthansa drohen elf Streik-Wochen

Ultimatum: Lufthansa drohen elf Streik-Wochen
Zuletzt hatte die Unabhängige Flugbegleiter-Organisation ihre Mitglieder vor drei Jahren zu einem Streik aufgerufen. Am Ende brachte eine Schlichtung unter dem Ökonomen Bert Rürup eine Lösung. FOTO: dpa
Düsseldorf. Die Gewerkschaft Ufo stellt dem Management ein Ultimatum. Sollten drei zentrale Forderungen bis zum 30. Juni nicht erfüllt werden, will das Kabinenpersonal vom 1. Juli bis zum 16. September an mehreren Tagen die Arbeit niederlegen. Von Maximilian Plück

Die Nachricht, die bei Reisenden wie eine Bombe einschlagen dürfte, sparte sich der Chef der Unabhängigen Flugbegleiter-Organisation (Ufo) gestern bis zum Schluss. Zunächst hatten Nicoley Baublies und der Ufo-Verhandlungsführer Dirk Vogelsang die Presse länglich darüber informiert, warum das Lufthansa-Management aus ihrer Sicht schuld daran sei, dass die Schlichtung am Wochende gescheitert war. Dann erst kam der Ufo-Chef zu den Details seiner Streikdrohung: Baublies gab dem Management bis zum 30. Juni Zeit, um drei zentrale Forderungen der Gewerkschaft zu erfüllen. Komme der Konzern dem nicht nach, werde ab dem 1. Juli gestreikt, voraussichtliches Ende der Arbeitskämpfe sei der 16. September.

Zwar kündigte die Gewerkschaft des Kabinenpersonals an, sie werde zum Streikauftakt alle geplanten Streiktage ankündigen, damit sich die Kunden darauf vorbereiten und auf andere Fluglinien ausweichen könnten. Über Ort, genaue Zeiten und Strecken will die Gewerkschaft allerdings erst an den Streiktagen selbst informieren. Zudem behält sich die Ufo vor, "gegebenenfalls auch unangekündigte zusätzliche Streiks" durchzuführen, wenn vom Lufthansa-Vorstand "zusätzliche Fakten geschaffen werden".

Es wird also unangenehm für die Lufthansa-Kunden, speziell in NRW, wo Ende der Woche die Sommerferien beginnen. Und das ist nicht der einzige Konflikt, dem sich Deutschlands größte Fluggesellschaft derzeit stellen muss. So könnte sich die Lage spätestens im August noch einmal zuspitzen, da dann die Schlichtung und damit auch die Friedenspflicht bei der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) endet. Die Piloten hatten bereits 18 Mal innerhalb eines Jahres gestreikt. Auch die Verhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi über das Bodenpersonal kommen derzeit nicht voran. Drei Verhandlungsrunden waren ergebnislos verstrichen. Die vierte ist für den 3. Juli geplant. Sollte diese scheitern, wären Streiks wahrscheinlich.

Verschärft würde die Lage für Kunden mit einem Reiseziel innerhalb Deutschlands oder im nahen Ausland noch einmal zusätzlich, sollte die derzeit laufende Schlichtung zwischen der Deutschen Bahn und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer ergebnislos verlaufen - allerdings hatte sich Bahnchef Rüdiger Gruber zuletzt vorsichtig optimistisch geäußert.

Bei dem Streit zwischen der Lufthansa und dem Kabinenpersonal geht es vordergründig um die sogenannte Übergangsversorgung. Das System soll von einer von festen Pensionszusagen auf feste Beiträge des Arbeitgebers umgestellt werden. Die Ufo ist nach eigenen Angaben bereit, dies mitzutragen. Dass sei bereits bei Verhandlungen im vergangenen September schriftlich festgehalten worden. Die entsprechenden Dokumente stellte die Gewerkschaft gestern der Presse zur Verfügung. Allerdings, so stellten es Baublies und Vogelsang dar, habe sich das Management an diese Vereinbarung nicht mehr erinnern wollen - auch wenn die Schlichter das Zwischenergebnis noch einmal bestätigt hätten. Vogelsang sprach deshalb auch von einem "besonders krassen Fall von Vertragsuntreue und Tarifunehrlichkeit". Baublies erhob schwere Vorwürfe gegen den Konzern: Dieser verfolge in Wirklichkeit das Kalkül, je mehr sich die Mitarbeiter wehrten, desto eher könnten Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden - beispielsweise zu der deutlich günstiger arbeitenden österreichischen Tochter.

Die Lufthansa erklärte gestern, sie sei weiterhin - wie von den Schlichtern vorgeschlagen - zu Gesprächen bereit. Ob er dafür die von der Ufo gestellten Bedingungen erfüllen will, ließ der Konzern offen. Die Airline lädt für morgen zu einem neuen Gespräch ein. Daran sollen Personalchefin Bettina Volkens und Karl Ulrich Garnadt, Vorstand des Passagiergeschäfts, teilnehmen. Baublies lehnte die Einladung ab, da unter Leitung von Volkens die vorhergehende Schlichtung gescheitert war. Vielmehr spiele die Lufthansa auf Zeit. "Wenn diese Provokation die einzige Reaktion der Lufthansa ist, dann gilt unsere Frist bis zum 30. Juni nicht mehr", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

Quelle: RP
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