Discounter werben mit Niedrigangeboten: Ums deutsche Bier tobt ein Preiskampf
VON NICOLAS BERTHOLD - zuletzt aktualisiert: 13.01.2010 - 21:48Düsseldorf (RPO). Das Bier in Deutschland wird immer günstiger. Die Filialen der Supermärkte und Discounter überbieten sich derzeit im Wettstreit, günstiges Bier anzubieten. Mittlerweile kostet ein Kasten Gerstensaft in einigen Discountern rund vier Euro. Das Bundeskartellamt sieht die Wettbewerbsgrenzen noch gewahrt.
In Deutschlands Supermärkten wird das Bier immer günstiger. Ein Lebensmitteldiscounter der Edeka-Gruppe lockt derzeit in seiner Düsseldorfer Filiale mit einem besonderen Angebot: 4,44 Euro kosten die 20 Flaschen Bier der Hausmarke. Damit kostet die Kiste im Moment so wenig wie ein Kasten Mineralwasser.
Wettstreit um Niedrigpreise
Der Einzelhandel zettelt mit diesen Niedrigpreisen einen Wettstreit an, der immer weitere Kreise zieht. Viele Discounter senken ihre Preise für Bier. Und setzen sie während ihrer Aktionswochen noch einmal herab. Für das Bundeskartellamt in Bonn, das die Einhaltung der Wettbewerbsgrenzen kontrolliert, besteht momentan noch kein Grund zum Handeln. "Wir überwachen den Biermarkt ganz genau. Bis jetzt haben uns allerdings keine Beschwerden erreicht", sagt Kay Weidner, Pressesprecher der Bonner Behörde.
Werbekostenzuschüsse werden umgelegt
Auf der anderen Seite kennt das Bundeskartellamt die Vorgehensweise von vielen Discountern nur zu gut. Bietet ein Unternehmen ein Produkt zu einem Preis an, der unter dem Einstandspreis liegt, greift das Amt ein. "Discounter bekommen von Handelspartnern Werbekostenzuschüsse, die eigentlich nur für das zu bewerbende Produkt vorgesehen sind. Das ist allerdings noch nicht vollends geregelt. Und so legen viele Discounter diese Zuschüsse auf die gesamte Produktpalette um und können einzelne Produkte den Kunden zu extrem niedrigen Preisen anbieten", erklärt Weidner.
Wofür ein Discounter die Werbekostenzuschüsse genau verwenden darf, wird derzeit noch geklärt. Bis eine gesetzliche Regelung gefunden worden ist, wird der Kampf um's günstige Bier weiter gehen. Die Deutschen trinken derweil immer weniger Gerstensaft. Im Jahresdurchschnitt 1980 waren es noch 145,9 Liter pro Kopf. Bis 2008 sank der Mittelwert auf sogar nur noch 111,1 Liter. Trotz der sinkenden Zahlen blieb die Anzahl der Brauereien in den vergangenen Jahren aber konstant.
Brauereien ändern ihre Taktik
Was machen die Brauereien mit dem gebrauten Bier, wo der Absatz doch sinkt? Sie ändern ihre Taktik. In die eine Flasche wird das Markenprodukt gefüllt, in die andere das Bier für den Discounter. Der Kasten Bier erhält dann ein neues Etikett und einen anderen Namen und wird dann zu einem Bruchteil des eigentlichen Preises in den Billig-Warenhäusern bereitgestellt. Für 4,44 Euro zum Beispiel.
Die Bierbrauer, die die Discounter beliefern, bleiben dezent im Hintergrund. Der Einzelhandel bezieht sein Bier zumeist von kleineren, lokalen Brauereien aus der ganzen Republik.
Billigbier gewinnt Preise
Dem verbreiteten Vorwurf, in den Billigbieren der Discounter würden andere Inhaltsstoffe als in einem Premium-Bier verarbeit sein, widerspricht der Vertreter einer oberpfälzischen Brauerei: "Das stimmt definitiv nicht. Unser Bier ist qualitativ so gut, das wir damit sogar Preise gewonnen haben."
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