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Wird die Unister-Insolvenz zum Wirtschaftskrimi?

Unister: Wird die Insolvenz zum Wirtschaftskrimi?
Das Firmenschild von Unister in Leipzig. FOTO: dpa, woi fpt
Leipzig. Selfmade-Millionär und Gründer des Leipziger Internetunternehmens Unister, Thomas Wagner, stürzt mit einer Privatmaschine in Slowenien ab. An Bord Bargeld. Kurz darauf meldet die Holding Insolvenz an, ebenso ein Tochterunternehmen. Was ist da los?

Was ist bislang über den Absturz bekannt?

Zum Absturz könnte Vereisung an der einmotorigen Maschine beigetragen haben. Entsprechende Probleme hatte der 73jährige Pilot der slowenischen Flugkontrolle gemeldet. Slowenische Medien spekulierten, dass die gecharterte Privatmaschine deutlich oberhalb der für diesen Typ üblichen Flughöhe von 5000 Metern unterwegs gewesen sein dürfte.
Die Untersuchungen des Wracks laufen noch, auch unter Beteiligung deutscher Behörden.

Wer befand sich an Bord?

Neben Firmengründer und Unister-Hauptanteilseigner Wagner (38) auch der Mitgesellschafter Oliver Schilling (39), ein 65jähriger Mann und der Pilot. Ihre verbrannten Leichen werden derzeit noch obduziert. Eine endgültige Bestätigung der Identitäten von slowenischer Seite gibt es noch nicht. Die dortigen Behörden warten noch auf DNA-Vergleichsproben aus Deutschland.

Was war der Grund der Reise?

Wagner und sein Kompagnon wollten sich in Venedig mit potenziellen Investoren treffen, wie Unister mitgeteilt hat. Dabei sollen sie betrogen worden sein. Die slowenische Polizei berichtete von Dokumenten an Bord der Unglücksmaschine, die darauf hinwiesen, dass Wagner "um eine größere Summe geschädigt wurde". In Medienberichten wird über die Investoren und untergeschobenes Falschgeld spekuliert, offiziell bestätigt ist nichts. Auch die Herkunft der an der Unglücksstelle gefundenen 10 000 Schweizer Franken in bar ist unbekannt.

Wo stehen die Ermittlungen in dem Fall?

Ganz am Anfang. Unister-Gesellschafter und Mitgründer Daniel Kirchhof will die Umstände des mutmaßlichen Geldgeschäfts klären lassen. "Ich werde noch am Mittwoch Anzeige gegen Unbekannt erstatten, unter anderem wegen Untreueverdacht", sagte er dem MDR-Magazin "Exakt". Bis zum Nachmittag lag diese der Staatsanwaltschaft Leipzig jedoch nicht vor. "Von meiner Seite halte ich es für ganz, ganz dringend, dass da aufgeklärt wird. Insbesondere wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass so eine große Menge Bargeld in der Gegend rumfährt, wer da auch an dem ganzen Vorgang beteiligt gewesen ist, wer davon wusste", sagte Kirchhof.

Warum gerät der Konzern durch dem Tod Wagners in Schieflage?

Die letzte veröffentlichte Bilanz der Unister Holding stammt von 2011. Ihr alleiniger Geschäftsführer war Wagner, der alle Fäden in den Händen hielt. 2002 hatte er Unister als 23-Jähriger in Leipzig ursprünglich als Studententauschbörse gegründet und das Start-up auf einen rasanten Wachstumskurs geführt. 2015 war dann von Stellenstreichungen die Rede, 30 Millionen Euro pro Jahr sollten eingespart werden. Ein expliziter Insolvenzgrund - wie Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung - wurde bislang nicht genannt.

Wie ist der Konzern strukturiert?

Unter dem Dach der Unister Holding GmbH findet sich eine Vielzahl von Firmen, die mehr als 40 Internetportale unter anderem zu den Themen Reisen, Nachrichten, Immobilien oder Partnervermittlung betreiben - darunter beliebte Seiten wie fluege.de, ab-in-den-urlaub.de, news.de oder partnervermittlung.de. Insgesamt arbeiten mehr als 1000 Beschäftigte für die Unternehmensgruppe.

Wem gehört was?

Bis zu seinem Tod hielt Wagner rund 40 Prozent der Anteile und war damit Hauptgesellschafter Unister Holding. Der Rest verteilt sich nach Firmenangaben auf die vier Mitgründer - darunter Schilling, der ebenfalls beim Absturz ums Leben kam - sowie eine Firma namens Opus30 Vermögensverwaltungsgesellschaft.

Immer wieder gab es Ermittlungen. Worum ging es da?

2012 geriet Unister ins Visier der Justiz. Wagner und drei weitere Manager wurden unter anderem wegen unerlaubter Versicherungsgeschäfte und Steuerhinterziehung angeklagt. Unister wies die Vorwürfe stets zurück. Zum Prozess kam es bisher nicht, weil das Landgericht Leipzig derzeit eine weitere Klage prüft.

Vor einigen Tagen meldete die Unister Holding Insolvenz an, auch ein Tochterunternehmen ist betroffen. Wie geht es weiter?

Insolvenzverwalter Lucas Flöther soll den Internetkonzern retten - und gibt sich optimistisch. In der "Wirtschaftswoche" erklärte er, dass sich schon in den ersten 24 Stunden eine hohe zweistellige Zahl potenzieller Investoren gemeldet habe, die sich für das Unternehmen als Ganzes oder für Teile interessierten. Jetzt werden die Interessensbekundungen gefiltert und sondiert. Dann wird entschieden, ob Unister zerschlagen oder komplett verkauft wird.

(dpa)
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