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Macht der Kabelkonzerne wächst
Unitymedia erhöht Preise fürs Surfen

Unitymedia erhöht Preise fürs Surfen
Ab Februar wird der Tarif des Kunden um 2,90 Euro auf 27,90 Euro im Monat erhöht. FOTO: dpa, Christoph Strotmann
Düsseldorf/Köln. Die Macht der Kabel-TV-Firmen wird größer - die Kunden müssen es zahlen. Dabei zeigt der Trend, dass Kunden ihre Verträge immer wieder überprüfen müssen. Mit Rabatt und Paketpreisen werden sie angelockt - später wird es teurer. Von Reinhard Kowalewsky

Der Brief an den Kunden aus Meerbusch las sich freundlich. Unitymedia sei gerade wieder von einer Fachzeitschrift gelobt worden, es gäbe "attraktives Highspeed-Internet zum Surfen, Streamen und Erleben", dann folgte das Wichtigste: Ab Februar wird der Tarif des Kunden um 2,90 Euro auf 27,90 Euro im Monat erhöht.

Eine solche unerwartete Preiserhöhung erhalten in diesen Tagen mehr als die Hälfte der 2,8 Millionen Internetkunden von Unitymedia. Öffentlich angekündigt hat der Kölner Konzern die höheren Preise für alle Bestandskunden außerhalb der Mindestvertragslaufzeit zwar nicht, erklärt sie aber auf Nachfrage: In einem Jahr sei das übertragene Volumen pro Anschluss um 50 Prozent auf nun 50 Gigabyte im Monat gestiegen, also müssten neue Investitionen finanziert werden.

Die Anpassung zeigt, dass die Zeit sinkender Tarife im Telefongeschäft zu Ende ist. Und Unitymedia kann sich höhere Preise leisten: "Die Kabelkonzerne sind wegen ihrer hohen Bandbreiten die Gewinner im Internetgeschäft", sagt der BWL-Professor Torsten Gerpott von der Universität Duisburg-Essen, "Unitymedia hat in den letzten Monaten 240 000 Verträge gewonnen."

Dabei müssen sich Kunden ihre Tarife immer wieder anschauen. "Häufig gibt es anfangs einen schönen Rabatt, um die Haushalte anzuwerben", warnt Michael Frenzel, Herausgeber des Portals "Onlinekosten.de" aus Köln. "Und nach gewisser Zeit wird es deutlich teurer."

Was das bedeutet, beweisen viele Angebote. Der aktuell am meisten verkaufte Anschluss von Unitymedia wird für 25 Euro im Monat vermarktet, aber nach dem ersten Jahr kostet er mit maximal 120 Megabit/Sekunde dann doch 35 Euro.

1&1 wirbt mit nur 29,99 Euro im Monat für einen DSL-Anschluss von bis zu 50 MB. Es gibt auch einen "Wechselbonus" von 100 Euro dazu. Doch nach zwei Jahren steigt der Preis auf 39,99 und ist nur fünf Euro niedriger als der Standardtarif der Telekom mit sehr hoher Bandbreite.

Die Telekom bewirbt genau diesen Magenta-L-Tarif mit bis zu 100 MB für 39,95 im Internet und in den T-Shops - aber nach zwei Jahren sind dann doch 44,95 Euro fällig. Und am tollsten treibt es Vodafone mit den Lockangeboten: Um nicht weiter Marktanteile bei DSL zu verlieren, lobt Geschäftsführer Jens Schulte-Bockum 50 Euro Wechselbonus aus. Kunden können ein Jahr lang für 19,95 Euro im Monat mit bis zu 50 Megabit surfen. Aber dann kommt eine Preiserhöhung von fast 100 Prozent auf den Standardtarif von 39,95 Euro im Monat.

Kunden sollten solche Angebote nutzen, um Geld zu sparen. Aber sie müssen rechtzeitig vor Ende der Vertragslaufzeit von (meistens) zwei Jahren prüfen, ob dann ein Wechsel lohnt. Dies bedeutet in der Regel, dass eine Kündigungsfrist von drei Monaten eingehalten werden muss. "Wer mit dem Abschied droht", berichtet Experte Frenzel, "bekommt als Bleibeprämie oft einen Gutschein, einen neuen DSL-Router oder ein Upgrade zu mehr Tempo angeboten."

Dabei ist der Preis keineswegs das entscheidende Kriterium bei der Auswahl eines Breitbandanschlusses. "Am wichtigsten ist das vor Ort verfügbare Übertragungstempo", sagt Frenzel.

Konkret müssen die Kunden also schauen, ob sie möglicherweise über TV-Kabel (Unitymedia) Internet kriegen können und welches Tempo bei Telekom, Vodafone oder einem Wettbewerber angeboten wird. "Es kommt vor, dass das Kontingent für besonders schnelles DSL in einer Straße ausgeschöpft ist", berichten Manager von Telekom und Vodafone unisono. "Dann müssen die Kunden erst einmal einige Monate wieder warten."

Quelle: RP
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