Ifo-Index steigt auf 94,7 Punkte: Unternehmen gehen positiv ins neue Jahr
zuletzt aktualisiert: 18.12.2009 - 16:19München (RPO). Die deutschen Unternehmen gehen mit so großer Zuversicht ins neue Jahr wie seit Beginn der weltweiten Wirtschaftskrise nicht mehr. Mit dem neunten Anstieg in Folge kletterte der ifo-Geschäftsklimaindex im Dezember auf den höchsten Stand seit Juli 2008.
Sowohl ihre aktuelle Lage als auch ihre Erwartungen schätzten die befragten Unternehmen besser ein als im November, teilte das Münchner ifo-Institut am Freitag mit.
Die Wirtschaftsforscher und der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, warnten jedoch vor Euphorie. "Die Wirtschaftskrise ist noch nicht überwunden. Der Prozess der Erholung bleibt empfindlich", sagte ifo-Forscher Klaus Abberger. Auf dem Arbeitsmarkt werde es bis 2013 dauern, bis die Folgen der Krise überwunden seien, sagte BA-Chef Weise dem "Focus". "Die Wirtschaft springt zwar vorher wieder an. Wenn aber der Aufschwung kommt, wird erst einmal nicht eingestellt."
Zunächst werde die Kurzarbeit zurückgefahren, Arbeitszeitkonten würden wieder aufgefüllt. "Deshalb bleibt die Lage auf dem Arbeitsmarkt kritisch, selbst wenn der Aufschwung 2010 und 2011 stärker ausfällt als heute erhofft", sagte Weise. Für das kommende Jahr rechnet die BA im Schnitt mit 4,1 Millionen Arbeitslosen, 600.000 mehr als dieses Jahr.
Stimmung hellt sich in allen Branchen auf
Der ifo-Index als wichtiges Stimmungsbarometer für die deutsche Wirtschaft stieg im Dezember von 93,9 Punkten auf 94,7 Punkte und damit stärker als von Analysten erwartet. Sowohl in der Industrie als auch im Handel und im Baugewerbe hellte sich die Stimmung auf. "Die Wirtschaft erholt sich. Es ist ein versöhnlicher Jahresabschluss", sagte ifo-Experte Abberger. Es gebe einen Gleichstand zwischen Optimisten und Pessimisten.
Nachdem die Erwartungen der Unternehmen im Jahresverlauf kräftig gestiegen seien, habe sich nun auch die aktuelle Lage deutlich entspannt. "Wir arbeiten uns Schritt für Schritt weiter", sagte Abberger. Die Dynamik der Erholung lasse aber nach. In seiner jüngsten Prognose hat das ifo-Institut für das kommende Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent prognostiziert. Risikofaktoren für die Erholung seien die Kreditvergabe der Banken angesichts der steigenden Zahl von Insolvenzen und die Situation auf dem Arbeitsmarkt, erklärte Abberger.
Der Teilindex zu den Erwartungen der 7.000 befragten Firmen kletterte mit dem zwölften Anstieg in Folge auf 99,1 Punkte und damit auf den höchsten Wert seit fast zwei Jahren. Die Bewertung der aktuellen Lage folgte diesem Aufwärtstrend. Der entsprechende Teilindex stieg auf 90,5 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit einem Jahr.
Industrie plant weniger Stellenabbau
Die Industrie setze große Hoffnung auf den Export, erklärte Abberger."Die Industrie plant noch Stellenabbau, aber die Situation hat sich etwas entspannt", sagte der ifo-Forscher weiter. Mit ihrer aktuellen Lage sind die Firmen weniger unzufrieden als im November. "Trotz dieser Besserung ist die Geschäftslage allerdings immer noch schlechter als nach dem Anschlag auf das World Trade Center", erklärte ifo-Chef Hans-Werner Sinn.
Auch im Groß- und Einzelhandel sowie im Baugewerbe hat sich das Geschäftsklima erneut verbessert. Im Hinblick auf das Weihnachtsgeschäft zeichne sich im Einzelhandel aber keine Euphorie ab, sagte Abberger. Die Einzelhändler sind mit ihrer aktuellen Geschäftslage unzufriedener als im Vormonat, sie blicken jedoch weniger skeptisch auf die Geschäftsentwicklung im kommenden halben Jahr.
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