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Manager auf Betteltour: US-Autobosse: Notfalls fusionieren wir

zuletzt aktualisiert: 05.12.2008 - 06:59

Washington (RPO). Chrysler, General Motors (GM) und Ford, die großen drei US-Autobauer, betteln beim US-Kongress um 34 Milliarden Dollar. Die Abgeordneten drangsalierten die Konzernchefs bei der Anhörung im Senat mit quälenden Fragen. Die offenen Antworten der Autobauer zeigten, wie ernst es um die "Big Three" steht. Als Gegenleistung für staatliche Hilfen bieten sie eine Fusion zwischen Chrysler und GM an.

Schon die Wahl des Transportmittels ließ erkennen, dass die Bosse der drei großen US-Autokonzerne als Bittsteller in ärgster Not nach Washington kamen. Die Firmen-Jets blieben am Boden, die Chefs der US-Traditionsunternehmen General Motors (GM), Ford und Chrysler legten die 850 Kilometer aus der Industriestadt Detroit im Auto zurück. Demut statt Maßlosigkeit, das war das Leitmotiv des Auftritts der Unternehmenslenker am Donnerstag vor dem US-Kongress. Denn für die Autoindustrie in den USA geht es ums Überleben: Gibt der Kongress ihrer Bitte um 34 Milliarden Dollar Nothilfe nicht statt, droht der einstmals stolzen Branche der Kollaps.

Der erste Auftritt der drei Bosse vor dem US-Kongress hatte vor zwei Wochen in einem PR-Disaster geendet. Mit Häme reagierte die Öffentlichkeit auf die Nachricht, dass die Konzernchefs in komfortablen Firmenjets nach Washington gereist waren. Das kam nicht gut an bei einer Mission, in der es um Milliarden an Steuergeldern geht. "Sind Sie diesmal selbst gefahren?", erkundigte sich Senator Richard Shelby am Donnerstag. "Ich bin mit einem Kollegen gefahren, und wir haben uns abgewechselt", entgegnete GM-Chef Rick Wagoner. Chrysler-Boss Robert Nardelli beteuerte, er sei schon um 05.30 Uhr morgens aufgebrochen. Auch Ford-Chef Alan Mullaly saß selbst am Steuer.

"Wir haben dazugelernt", räumte Wagoner zerknirscht ein. Es war ein sechsstündiger Offenbarungseid auf parlamentarischer Bühne, den die Konzernchefs nun im Kongress ablegten: GM und Chrysler sind auf eine sofortige Milliardenspritze des Staates angewiesen, sonst könnte ihnen noch in diesem Monat das Geld ausgehen. Für Ford sieht die Lage etwas besser aus, doch auch hier wird Unterstützung benötigt. Um ihre Konzerne zu retten, müssen die Autobosse die Skeptiker im US-Kongress überzeugen, ohne deren Zustimmung die Hilfsgelder nicht freigegeben werden können.

In der Antwort- und Fragerunde kam es zu durchaus interessanten Wortwechseln. Die Abgeordneten löcherten die drei Bosse mit schmerzhaften Fragen. Sie wollen nicht leichtfertig Steuergelder aufs Spiel setzen. Die Antworten erwiesen sich als aufschlussreich. "Wir werden tun, was nötig ist", sagte Chrysler-Chef Robert Nardelli auf die Frage, ob angesichts der Überkapazitäten nicht eine Fusion erforderlich sei. GM-Chef Rick Wagoner erklärte nach einem Bericht des Handelsblatts, durch eine Übernahme seien "signifikante Kosteneinsparungen" zu erzielen. Nardelli soll das Einsparpotenzial anschließend auf acht bis zehn Milliarden Dollar beziffert haben. Der Chrysler-Chef kündigte an, im Fall einer Fusion seinen Hut zu nehmen.

Den Konzernchefs blieb wenig anderes übrig, als Reue zu zeigen und Besserung zu geloben. GM-Chef Wagoner kam in seinem kurzen Eingangsstatement gleich vier Mal auf eigene Fehler zu sprechen. "Wir sind hier, weil wir Fehler gemacht haben", gab er zu. Fast demütig erinnerten die Bosse an die große Zeit, als der Glanz der Autoindustrie auf die gesamten USA abstrahlte. "General Motors ist seit 100 Jahren Teil der amerikanischen Kultur", sagte Wagoner. "Ford ist eine amerikanische Ikone", gab Mullaly zu bedenken. Nardelli betonte, dass etwa eine Million Menschen "für ihren Lebensunterhalt von Chrysler abhängen".

Die Auto-Tour von Detroit nach Washington war eine Fahrt nach Canossa. Die Bosse kamen als Büßer, denn ein Teil ihrer Probleme ist hausgemacht. "Die großen Drei haben strategische Fehler in ihren Geschäftsmodellen eingeräumt, sie haben die Nachfrage nach kleineren spritsparenden Modellen verkannt", tadelte der Chef des mächtigen Bankenausschusses, Senator Chris Dodd. Der Demokrat ließ aber durchblicken, dass er eine staatliche Finanzspritze gutheißt, weil er andernfalls unabsehbare Folgen für die drei Millionen Beschäftigten der US-Autoindustrie fürchtet. Ob es dafür eine Mehrheit im Kongress gibt, ist aber fraglich. Manche Parlamentarier sehen im Bankrott eine bessere Chance für eine effektive Neuaufstellung der Branche.

Als Gegenleistung für den staatlichen Zuschuss bieten die Autokonzerne drastische Sanierungsmaßnahmen an, zu denen auch symbolische Schritte zählen sollen: Alle drei Konzernchefs wollen für ein Jahresgehalt von einem Dollar arbeiten, Ford und GM wollen ihre Firmenjets verkaufen. Mit der Finanzspritze soll die Entwicklung kleinerer, spritsparender Fahrzeuge gefördert werden, die die schwer verkäufliche Palette an Großfahrzeugen ersetzen sollen. Sie wollen Stellen abbauen, die Produktion drosseln und Tochterunternehmen verkaufen. Ein Votum im Kongress soll es frühestens kommende Woche geben.

Quelle: AFP

 
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