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Schockwellen bis Deutschland: US-Autokrise außer Kontrolle

VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 08.08.2008 - 13:12

Düsseldorf (RP). Die US-Automobilindustrie steht am Abgrund, weil sie technisch 20 Jahre hinterherhinkt. Die Lage ist so desaströs, dass die Schockwellen bis Deutschland reichen. Mit etwas Pech geraten Opel und Ford in Turbulenzen.

Vor einem Jahr zog Daimler-Chef Dieter Zetsche die Notbremse. „Raus da. So schnell wie möglich“, ordnete er auf einer Vorstandssitzung im März an - unmittelbar nach einem Geheimtreffen mit Chrysler-Chef Tom LaSorda. Der Rest ist Geschichte: Daimler verkaufte den „Partner“ Chrysler Hals über Kopf - und schrieb 30 Milliarden Euro ab. So viel hat das achtjährige US-Abenteuer den Konzern gekostet. Zetsche stand als Hasenfuß da. Weil er nicht den Mumm hatte, die Krise durchzustehen.

Zetsche hatte Recht. Denn heute ist klar: Chrysler ist eine Zeitbombe. Das Desaster beim drittgrößten Autobauer der USA ist so gewaltig, dass es Daimler hätte zerfetzen können. Auch die amerikanischen Marktführer General Motors (GM) und Ford stecken in einer lebensbedrohlichen Krise. Ihr Siechtum färbt auf die deutschen Töchter Opel und Ford ab. Der gesamte US-Automarkt steht am Abgrund.

Mehr schräge Blicke

Die Ursachen kann man mit komplizierten Marktanalysen beschreiben. Oder mit einem einfachen Beispiel: Das meistverkaufte Auto in den USA war 45 Jahre lang der Ford F150. Ein technisch schlichter Pickup mit mindestens sechs Zylindern und bis zu 300 PS. Spritverbrauch: je nach Motor über 20 Liter auf 100 Kilometern. Seit das Öl dauerhaft mehr als 100 Dollar je Fass kostet, wollen selbst Amerikaner solche Spritfresser nicht mehr haben. Ähnlich wie in Deutschland, wo die Fahrer von M-Klassen, Cayennes und BMW-X-SUVs inzwischen eher schräge als bewundernde Blicke ernten.

Aber während Europäer und Japaner diesen Trend schon vor 20 Jahren erkannt und entsprechende Motoren entwickelt haben, wachen die Amerikaner erst jetzt auf. „Die größten Autobauer Amerikas produzieren inzwischen weitgehend an ihrem Heimatmarkt vorbei“, fasst Andreas Maurer, ein branchenweit renommierter Berater von Boston Consulting, das kollektive Versagen der US-Automanager zusammen.

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