Neue Abschreibungen auf faule Kredite: US-Bank Merrill Lynch schockt wieder mit Milliardenverlust
zuletzt aktualisiert: 17.04.2008 - 19:57New York (RPO). Die Finanzmarktkrise ist noch lange nicht ausgestanden. Die weltgrößte Investmentbank Merrill Lynch schockte die Börse erneut mit Abschreibungen von mehr als sechs Milliarden Dollar. Hinzukommen dunkelrote Zahlen im ersten Quartal und der Ankündigung, 3000 weitere Stellen weltweit zu streichen.
Erst kürzlich waren bereits 1.000 Stellen weggefallen. Der Verlust betrugt im ersten Quartal 2,14 Milliarden Dollar (1,34 Milliarden Euro) oder 2,19 Dollar je Aktie. Im Vorjahreszeitraum war noch ein Gewinn von 2,11 Milliarden Dollar angefallen. Vorstandschef John Thain zeigte sich auch für die Zukunft wenig optimistisch. Es sei unwahrscheinlich, dass sich die Lage am Finanzmarkt in den nächsten Monaten grundlegend bessern werde.
Der Umsatz brach um 69 Prozent auf 2,93 Milliarden Dollar ein. Merrill Lynch lag mit den Quartalszahlen deutlich unter den ohnehin schon pessimistischen Erwartungen der Analysten. Diese hatten mit einem Verlust je Aktie von 1,99 Dollar bei einem Umsatz von 3,7 Milliarden Dollar gerechnet. Das Institut musste nach eigenen Angaben unter anderem 1,5 Milliarden Dollar auf problematische Finanzinstrumente abschreiben, hinzu kam eine Wertberichtigung von 3 Milliarden Dollar auf bestimmte Kreditrisiken.
"Schwierigstes Quartal"
Insgesamt dürften sich die Belastungen des Instituts aus der Finanzmarktkrise mittlerweile auf wenigstens 24 Milliarden Dollar belaufen.
"Das war das wohl schwierigste Quartal in meinen 30 Jahren an der Wall Street", sagte Thain, der vor vier Monaten das Ruder bei der Investmentbank übernommen hatte. Merrill Lynch rechne mit schwierigen Monaten, möglicherweise auch Quartalen, sei aber zuversichtlich für das Ergebnis des Gesamtjahres. Thain will die Kosten senken und dafür insgesamt 4.000 der weltweit 63.000 Stellen streichen.
Die Investmentbank hatte wegen der Finanzmarktkrise bereits im vergangenen Jahr einen Nettoverlust von 8,05 Milliarden Dollar hinnehmen müssen. Merrill Lynch schrieb damit zum ersten Mal seit 1989 rote Zahlen. Allein im vierten Quartal 2007 hatte das Institut 14,6 Milliarden Dollar abschreiben müssen.
Quartalszahlen der Citigroup mit Spannung erwartet
Am Vortag hatte die US-Investmentbank JPMorgan wegen der Finanzmarktkrise einen Gewinneinbruch von 50 Prozent im ersten Quartal und weitere 2,6 Milliarden Dollar Abschreibungen auf faule Kredite bekanntgegeben. Der Nettogewinn des Instituts, das kürzlich den angeschlagenen Konkurrenten Bear Stearns in einer dramatischen Rettungsaktion übernommen hatte, sackte auf 2,37 Milliarden Dollar oder 68 Cent je Aktie. Im Vorjahreszeitraum hatte JPMorgan noch 4,79 Milliarden Dollar verdient.
Mit Spannung werden nun die Quartalszahlen der größten US-Bank Citigroup am Freitag erwartet. Die von der US-Immobilienkrise ebenfalls hart getroffene Bank hatte allein im vierten Quartal des vergangenen Jahres 9,83 Milliarden Dollar Verlust gemacht.
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