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Ergebnisse am Donnerstag: US-Banken zittern vor dem Stresstest

zuletzt aktualisiert: 06.05.2009 - 17:46

Düsseldorf (RPO). Die amerikanische Finanzbranche blickt angespannt auf den kommenden Donnerstag. Dann wird die US-Notenbank die Ergebnisse des so genannten Stresstests öffentlich machen. Er soll die wahre Lage der Branche erfassen. Was bislang durchsickerte, lässt Schlimmes erahnen. Bei den Börsianern wächst die Angst vor einer neuen Panikwelle. 

Für zehn der insgesamt 19 im Stresstest geprüften Banken sieht es nicht gut aus, hört man aus den Fachmedien. Allein die Bank of America braucht demnach weiteres Kapital in Höhe von 35 Milliarden Dollar, heißt es. Vieles deutet darauf hin, dass neben ihr noch weitere Institute Milliardenhilfen in monströser Größe benötigen.

Die ersten Stresstest-Ergebnisse sickerten schon vor der öffentlichen Bekanntgabe am Donnerstag durch: Demnach hat die Bank of America den größten Finanzbedarf, obwohl sie in der Finanzkrise bereits 45 Milliarden Dollar vom Staat bekommen hatte, wie das "Wall Street Journal" berichtet.

Auch weitere Banken - darunter Citigroup und Wells Fargo sowie eine Handvoll regionale Banken - brauchen weiteres Geld, wie die Nachrichtenagentur AP aus Finanzkreisen erfuhr. Das "Wall Street Journal" schrieb von zehn Banken mit weiterem Kapitalbedarf. Nun wächst die Angst, dass die Veröffentlichung der Test-Ergebnisse eine Panik an der Börse auslösen könnte.

Zwar haben etliche Finanzinstitute in den USA im erste Quartal wieder Gewinne gemacht. Doch nehmen sich die positiven Quartals-Zahlen im Vergleich zu den klaffenden Finanzlöchern winzig aus. So hatte die Bank of America im ersten Quartal einen Nettogewinn von 4,25 Milliarden Doller erzielt. Jetzt braucht sie dem Stresstest zufolge wohl 35.

Doch es gibt auch beruhigende Stimmen: Die Banken müssten das zusätzliche Eigenkapital ja nicht bis übermorgen beschaffen: Die dafür vorgesehenen sechs Monate Frist seien "reichlich Zeit", meint Robert Pavlik, Chef-Marktstratege bei Banyan Partners.

Stresstests lenken von eigentlichem Problem ab

Nach Ansicht der Kritiker lenken die Stresstests jedoch von einem viel fundamentaleren Problem ab: den faulen Papieren in den Bankbilanzen, die ihren Wert verloren haben und noch immer nicht verkauft werden können. Diese Papiere sollten nach den im Februar vorgelegten Plänen von US-Finanzminister Timothy Geithner aufgekauft werden. Geithner schlug dafür einen privaten Fonds vor, der mit Staatsmitteln von 100 Milliarden Dollar gestützt werden sollte.

Die Kreditbriefe, in denen Hypothekendarlehen, Baufinanzierungen und Außenstände auf Kreditkarten gebündelt sind, haben massiv an Wert verloren, seit immer mehr Verbraucher ihre Schulden nicht mehr bezahlen können. Investoren wollen kaum noch etwas dafür bezahlen, die Banken andererseits weigern sich, die Papiere mit heftigen Abschlägen zu verkaufen. Solange die "bad assets" allerdings in den Bilanzen bleiben, engen sie den Spielraum der Geldinstitute bei der Kreditvergabe ein. Und ohne Kredite kann es keinen Aufschwung geben.

Geithners Plan scheint also festzuhängen. Das Finanzministerium hat noch nicht genau erläutert, wie es sich die Umsetzung vorstellt. Und große Banken wie JPMorgan Chase scheuen vor einer Inanspruchnahme zurück, teilweise weil sie befürchten, dass die Regierung dann die Managergehälter begrenzen könnte. Er kenne niemanden in der Finanzbranche, der auf das Angebot Geithners eingehen wolle, sagt der ehemalige Chef-Ökonom des Internationalen Währungsfonds, Simon Johnson.

Grund dafür sei teils die Ablehnung möglicher staatlicher Kontrolle, teils aber auch, dass "die Banken keinen Druck zum Verkauf" verspürten, erklärte Johnson. Die Geldinstitute seien im Glauben, der Staat werde sie auch weiterhin stützen.

Banken fürchten staatliche Kontrolle

Die offiziellen Ergebnisse der Stresstests sollen am Donnerstag vorgestellt werden, nachdem die Börsen geschlossen haben. Die Tests sind ein zentraler Teil in der Strategie der US-Regierung zur Stabilisierung des Finanzsektors: Sie sollen vor allem Aufschluss darüber bringen, was mit den Bank-Bilanzen passiert, falls sich die Wirtschaftslage in den USA weiter verschlimmert.

Doch auch an dem Umgang mit den Tests wird die Kritik lauter: Die Regulierer seien zu sehr darauf bedacht, jedes Statement zu vermeiden, das Vertrauen in die Banken kosten könne. Deshalb bröckele nun auch das Vertrauen in die Stresstests selbst.

Am Ende würden die Tests wohl kaum noch die Informationen liefern, die die Banken brauchten, um wieder mehr Geld zu verleihen. Dass die Öffentlichkeit derart auf die Ergebnisse der Tests fixiert sei, mache "alle Anstrengungen zunichte", sagt Jaidev Iyer, Ex-Manager der Citigroup. Schließlich wüssten die Regulierer, dass hartes Durchgreifen die Banken gefährden könne.


 
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