Hamsterkäufe wegen Lebensmittelkrise: US-Handel rationiert Reisverkauf
zuletzt aktualisiert: 24.04.2008 - 21:31Miami (RPO). Die Lebensmittelkrise hat die USA erreicht. Großkunden beginnen, die Reisbestände in den Supermärkten aufzukaufen. Grund dafür sind die drastisch gestiegenen Lebensmittelpreise. Einige Ketten haben daraufhin den Verkauf von Reis auf bestimmte Mengen pro Kunden eingeschränkt.
Die Ladenkette Sam's Club beschränkte mit sofortiger Wirkung die Abgabe von Reis auf vier 20-Pfund-Beutel (neun Kilo) pro Kunde. Die Beschränkung gelte für alle Langkornsorten wie etwa Basmati- oder Jasminreis. In einer Erklärung trat das Tochterunternehmen des Supermarktriesen Wal-Mart der Angst vor einem Lebensmittelengpass entgegen. Die Beschränkung sei eine "reine Vorsichtsmaßnahme", hieß es. "Die begrenzte Beschränkung soll sicherstellen, dass genug Reis für alle Kunden da ist. Andere Güter sind nicht betroffen."
Reis in kleineren Haushaltspackungen dürfen Kunden von Sam's Club nach wie vor in beliebiger Menge kaufen. US-Medienberichten zufolge zählen viele kleinere Unternehmen wie etwa Restaurants zur Klientel von Sam's Club; aus Furcht vor weiteren Preissteigerungen sei es in manchen Läden regelrecht zu Hamsterkäufen gekommen, mit denen die Kunden ihre Vorräte auffüllen wollten.
In den Märkten des Mutterkonzerns Wal-Mart gälten weiterhin keine Verkaufsbeschränkungen, erklärte Sam's Club. Zuvor hatte bereits die US-Großhandelskette Costco in einigen Läden Mengenbegrenzungen für den Reisverkauf festgesetzt.
Der Preis für Reis ist aufgrund hoher Nachfrage und sinkender Bestände auf einem Rekordhoch. Mehrere Produktionsländer in Asien haben Bestimmungen gegen das Horten von Reis sowie Exportbeschränkungen erlassen. Die US-Regierung sagte in diesem Monat den Philippinen die Lieferung von 100.000 Tonnen Reis zu, um einer dort drohenden Knappheit zuvorzukommen. Experten zufolge ist der Reispreis weltweit in den letzten zwölf Monaten um etwa 70 Prozent angestiegen.
Angesichts der steigenden Preise kündigte die brasilianische Regierung am Donnerstag einen vorübergehenden Exportstopp an. Zudem werde ein Teil der Reisreserven des Landes verkauft, um die Versorgung zu sichern und die hohen Preise zu senken, unter denen besonders die brasilianische Bevölkerung leide, teilte die Regierung am Donnerstag mit. Demnach steigt der Preis für das Lebensmittel derzeit um ein Prozent täglich. Der Exportstopp sei notwenig, um die Versorgung Brasiliens mit dem Getreide bis Ende des Jahres zu sichern, sagte Landwirtschaftsminister Reinhold Stephanes am Mittwoch.
Brasilien produziert rund 12 Millionen Tonnen Reis jährlich. Davon geht allerdings nur ein geringer Anteil in den Export. Da mit dem Verkauf des Getreides ins Ausland jedoch mehr Geld zu verdienen ist, setzten die brasilianischen Bauern in der Vergangenheit verstärkt auf den Export ihrer Produktion.
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