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Finanzkrise: US-Notenbank dreht den Geldhahn auf

zuletzt aktualisiert: 17.03.2008 - 07:54

Washington (RPO). Die US-Notenbank hat zum Wochenstart den Diskontsatz von 3,5 auf 3,25 Prozent gesenkt, um den bedrohlichen Liquiditätsengpass der Volkswirtschaft zu überwinden. Außerdem wurde für die Dauer von mindestens sechs Monaten eine zusätzliche Kreditmöglichkeit für die großen Investmentbanken geschaffen. Damit sollten Liquidität und Funktionsfähigkeit der Märkte gewährleistet werden.

Die US-Handelsbank JPMorgan Chase übernahm die angeschlagene Wall-Street-Bank Bear Stearns für den Schnäppchenpreis von rund 236 Millionen Dollar (149 Millionen Euro).

Wichtige Makler und Zwischenhändler könnten schon ab Montag mit Liquidität versorgt werden, erklärte die Fed. Die Maßnahme werde für mindestens sechs Monate gelten und könne verlängert werden. Beobachter rechneten damit, dass die Fed am Dienstag auch den Leitzins, der derzeit bei 3,0 Prozent liegt, erneut senken wird, um der Finanzkrise Einhalt zu gebieten.

JPMorgan Chase zahle zwei Dollar pro Bear-Stearns-Aktie, teilte das Unternehmen mit. Die Vorstände beider Unternehmen hätten der Transaktion einstimmig zugestimmt. Ab sofort übernehme JPMorgan Chase die Garantie für die Handelsobligationen von Bear Stearns und ihrer Tochterunternehmen und stelle die Aufsicht über die Operationen des Managements sicher, hieß es weiter. Die Aktionäre müssen dem Verkauf noch zustimmen. Die Kosten für die Übernahme lägen vor Steuern bei rund sechs Milliarden Dollar, teilte JPMorgan weiter mit.

Bear Stearns, eine der größten Banken an der New Yorker Wall Street, gehört zu den am stärksten von der US-Hypothekenkrise betroffenen Banken. Erst am Freitag war sie durch kurzfristige Finanzspritzen der US-Notenbank Fed vor dem Kollaps gerettet worden. Ihre Liquidität hatte nach eigenen Angaben rapide abgenommen. Neben New Yorks Zentralbank beteiligte sich auch JPMorgan Chase an dem Notfalleinsatz. Am Freitag hatte der Preis für eine Bear-Stearns-Aktie noch 30 Dollar betragen, vor einem Jahr sogar noch 170.

Die Zeitung "Wall Street Journal" hatte am Sonntag auf ihrer Website berichtet, die Übernahmeverhandlungen zwischen JPMorgan Chase und Bear Stearns sollten noch vor Handelsbeginn an den asiatischen Börsen am Montag abgeschlossen sein, um eine Ausweitung der Vertrauenskrise auf das internationale Finanzsystem zu vermeiden. Diese Hoffnung erfüllte sich nur in Maßen. Die Börse in Hongkong öffnete am Morgen mit einem Minus von 4,1 Prozent.

Nach der Ankündigung der US-Notenbank, den Diskontsatz um einen viertel Punkt auf 3,25 Prozent zu senken, verlor der Dollar gegenüber dem japanischen Yen deutlich an Wert. Nachdem er vergangene Woche erstmals seit zwölf Jahren unter den Wert von 100 Yen gefallen war, sank der Dollar am Montag vorübergehend auf 96,57 Yen, bevor er sich wieder leicht erholte. Die Senkung des Diskontsatzes durch die Fed habe nur unterstrichen, dass die Krise "sehr ernst" sei, sagte der japanische Analyst Masaki Fukui.

Quelle: afp

 
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