| 16.10 Uhr

Lebensversicherungsgeschäft verkauft
US-Versicherer AIG wird filetiert

US-Versicherungskonzern AIG: Warum dieser Fall auch für uns wichtig ist
US-Versicherungskonzern AIG: Warum dieser Fall auch für uns wichtig ist FOTO: AP
Düsseldorf (RPO). Der Ausverkauf beim einst weltgrößten Versicherer AIG setzt sich fort: Für 15,5 Milliarden Dollar (11,3 Milliarden Euro) geht das Lebensversicherungsgeschäft außerhalb der USA an den Rivalen MetLife. Der in der Finanzkrise gestolperte US-Anbieter fädelte binnen einer guten Woche bereits den zweiten Milliarden-Deal ein. Die britische Prudential hatte sich zuvor für 35,5 Milliarden Dollar - die größte Transaktion aller Zeiten in der Branche - das Asien-Geschäft von AIG unter den Nagel gerissen.

Der ehemalige Marktführer hat sich mit riskanten Wertpapieren verspekuliert und wurde zum größten Pleitekandidaten der Branche. Die US-Regierung musste das New Yorker Unternehmen mit Hilfen von 182 Milliarden Dollar vor dem Aus retten und hält seitdem fast 80 Prozent der Anteile. Durch die beiden Verkäufe kann AIG nun rund 31,5 Milliarden Dollar an den Staat zurückzahlen.

MetLife teilte mit, für die AIG-Sparte American Life Insurance (Alico) 6,8 Milliarden Dollar in bar und 8,7 Milliarden in Aktien auf den Tisch zu legen. AIG bekommt dadurch auch einen bedeutenden Minderheitsanteil an MetLife. Es dürften Finanzkreisen zufolge mindestens 14 Prozent und maximal 20 bis 25 Prozent werden. Auf weitere Rückzahlungen können die amerikanischen Steuerzahler hoffen, sobald AIG Aktienpakete an MetLife und Prudential, hier sind es elf Prozent, versilbert.

Mit der Übernahme stärkt MetLife, der größte Lebensversicherer in den USA und Mexiko, seine Position in zahlreichen Ländern - vor allem in Japan, Osteuropa und Lateinamerika. Die 1921 gegründete AIG-Einheit Alico mit Sitz im Bundesstaat Delaware vertreibt Lebensversicherungen und andere Altersvorsorgeprodukte sowie Unfallpolicen in 54 Staaten und hat 19 Millionen Kunden. Zudem ist das Unternehmen in der Vermögensverwaltung aktiv.

MetLife expandiert

Die Vorstände von AIG und MetLife haben bereits grünes Licht gegeben. Bis zum Jahresende soll der Deal abgeschlossen sein. Ab 2011 soll sich die Transaktion schon rechnen und den operativen Gewinn je Aktie um 45 bis 55 Cent erhöhen, so MetLife. Dem stünden Sonderkosten von zwölf Cent je Anteilsschein gegenüber. Die Kosteneinsparungen dürften insgesamt mit netto 50 bis 75 Millionen Dollar vergleichsweise gering bleiben.

An der Wall Street kam die Akquisition gut an: AIG-Aktien stiegen im vorbörslichen Handel um sieben Prozent, MetLife-Titel knapp drei Prozent. MetLife wollte Alico bereits vor einem Jahr kaufen und hatte damals rund elf Milliarden Dollar geboten. Seitdem haben sich die weltweiten Börsen aber deutlich erholt und der Preis zog dementsprechend an.

(RTR/felt)
 
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