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Airbus-Krise: Verdacht auf Insiderhandel bei EADS

zuletzt aktualisiert: 30.05.2007 - 11:35

Paris (RPO). Führende Manager des Mutterkonzerns EADS sollen bereits drei Monate früher von Problemen beim Flugzeugbauer Airbus gewusst haben, als bisher bekannt war. Sie sollen ihre Erkenntnisse zurückgehalten und gleichzeitig eigene Aktienpakete verkauft haben. Dies berichtet eine französische Zeitung. Jetzt ermittelt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Verdacht: Insiderhandel.   

Schon auf einer Sitzung des Verwaltungsrates am 7. März 2006 wurden "schwere industrielle Schwierigkeiten und sich daraus ergebende Lieferverzögerungen" erörtert, schrieb die Pariser Finanzzeitung "La Tribune" am Dienstag unter Berufung auf einen Insider. Eine Airbus-Sprecherin dementierte den Bericht.

Die Fragen, wer wann was über die A380-Verzögerungen wusste, beschäftigen neben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) auch die französische Börsenaufsicht und die Pariser Staatsanwaltschaft. Der Grund: Am 7. März 2006 begannen Spitzenmanager, allen voran der damalige EADS-Chef Noël Forgeard, ihre Aktien zu verkaufen.

Kurseinbruch um 26 Prozent

Bis der Konzern am 13. Juni des Jahres mitteilte, dass es wegen Fertigungsproblemen zu Verzögerungen beim A380 komme und der Kurs um 26 Prozent einbrach, hatten 85 Prozent der 800 Manager mit Aktienoptionen diese auch ausgeübt. Auch die industriellen Hauptaktionäre Daimler und Lagardère verkauften in der Zwischenzeit je 7,5 Prozent des Kapitals. Deswegen besteht der Verdacht auf Insiderhandel.

Am Dienstag wurde Großaktionär Arnaud Lagardère von der Pariser Finanzaufsicht AMF vernommen. Zudem mussten die EADS-Chefs Louis Gallois und Thomas Enders zwei Senatoren Rede und Antwort stehen. Wann mit einem Abschluss der Ermittlungen zu rechnen ist, blieb offen.

Laut "La Tribune" korrigierte EADS am 6. März vergangenen Jahres seinen Plan von zunächst 29 auf 24 A380-Auslieferungen im Jahr 2007 nach unten. Dies sei aber nicht im Protokoll der Aufsichtsratssitzung einen Tag später festgehalten worden. Die Zeitung beruft sich auf den früheren Airbus-Geschäftspartner Jean Galli Douani, der mit dem Flugzeugbauer seit langem im Clinch liegt.

Kurz nach der Verwaltungsratssitzung im März telefonierte er nach eigenen Angaben mit dem technischen Direktor von Airbus, Alain Garcia. Dabei habe dieser mitgeteilt, dass "schwere industrielle Schwierigkeiten beim A380" vom Verwaltungsrat angesprochen worden seien. Eine Aufzeichnung des Gesprächs habe Galli Douani der Pariser Finanzpolizei übergeben, schrieb "La Tribune". Airbus-Sprecherin Barbara Kracht sagte der AP, Garcia habe bei der Sitzung nicht über den A380 berichtet. Auch eine EADS-Sprecherin dementierte die Angaben.

Laut "SZ" Probleme auch beim A350

Unterdessen drohen Airbus nach den A380-Turbulenzen einem weiteren Bericht zufolge auch beim geplanten Langstreckenflugzeug A350 Verzögerungen und Mehrkosten. Laut "Süddeutscher Zeitung" fordern einflussreiche Kunden, die Konstruktion des teilweise in Kunststoff-Leichtbauweise geplanten Rumpfes zu überarbeiten, um die Wartungskosten zu senken.

Die Fluggesellschaften Emirates, Singapore Airlines, Qatar Airways und das Leasingunternehmen ILFC verlangten von Airbus, den Rumpf des neuen A350 ähnlich zu konstruieren wie das Konkurrenzmodell von Boeing, den "Dreamliner" 787, schrieb die Zeitung. Die Kundenwünsche bedrohten den Zeitplan, das Modell 2013 auf den Markt zu bringen.

Die Zeitung zitierte Emirates-Chef Tim Clark mit den Worten, er halte den aktuelle Airbus-Ansatz nur für einen "Zwischenschritt". Eine Airbus-Sprecherin wies auch dies als Spekulation zurück: "Wir arbeiten auf der Basis des bisherigen Designs."

Quelle: ap

 
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