| 06.42 Uhr

5500 Post-Mitarbeiter in NRW im Streik
Zum Start der Sommerferien wird es eng

Verdi gegen Post: Zum Start der Sommerferien wird es eng
Verdi zeigt sich im Tarifstreit mit der Post entschlossen. FOTO: dpa, jst lre
Düsseldorf. Im Moment kommen 75 Prozent der Pakete noch pünktlich. Ab Beginn der Schulferien am 29. Juni könnte die Lage kritisch werden. Verdi gibt sich überzeugt, dass die Post dann erheblich mehr Probleme bekommt. Von Reinhard Kowalewsky

1000 weitere Mitarbeiter hat die Gewerkschaft Verdi seit Montag zum Streik aufgerufen. Und während die Post aktuell laut eigener Aussage 75 Prozent der Pakete noch pünktlich, also am Tag nach der Abgabe zustellt, drohen ab Ende nächster Woche schwierige Bedingungen: "Wenn die Schulferien zuerst in NRW am 29. Juni und dann in anderen Bundesländern beginnen, bekommt unser Streik eine viel höhere Durchschlagskraft", erklärt Uwe Speckenwirth, Verdi-Fachbereichsleiter für Postdienste in NRW: "Dann werden die lange vereinbarten Urlaubspläne der Beschäftigten realisiert, während gleichzeitig Tausende streiken. Dann wird es für die Post viel schwerer, die Folgen des Streiks zu kontern."

Insgesamt sind seit Montag in NRW 5500 Brief- und Paketzusteller sowie Mitarbeiter in Verteilzentren im Streik. Bundesweit sind es nun 19.000 der rund 180 000 Post-Mitarbeiter in Deutschland. Allerdings behindert der Arbeitskampf die Zustellung der Briefe bisher anscheinend nicht besonders: Etwa 85 Prozent der Briefe kämen am Tag nach dem Einwerfen an, teilt die Post mit.

Verdi-Vertreter Speckenwirth hat Zweifel an so hohen Zustellquoten. "Wir hören von völlig überlasteten Verteilzentren, in denen viele Pakete oder Briefe liegenbleiben. Und je länger der Streik dauert, umso größer ist der Rückstau", sagt der Gewerkschafter.

Dabei versucht Verdi, den noch immer zu 21 Prozent dem Bund gehörenden Konzern auch über die Öffentlichkeit unter Druck zu setzen: In Duisburg, Hannover, Frankfurt und München demonstrierten gestern Gewerkschaftsmitglieder gegen die Ausgründung von Gesellschaften abseits des Haustarifvertrages.

Andrea Kocsis, stellvertretende Verdi-Vorsitzende und stellvertretende Aufsichtsratschefin der Post, schlägt einen Kompromiss vor: Neue Mitarbeiter sollten innerhalb des Haustarifvertrages etwas weniger verdienen, als Gegenleistung sollen die Tarifgehälter nur geringfügig steigen.

Die Post verweist dagegen darauf, sie könne die Beschäftigung im Paketbereich nur erhöhen, wenn neue Mitarbeiter deutlich weniger als im Haustarifvertrag verdienen würden. "Bei den ausgegliederten neuen Firmen halten wir uns an Verdi-Tarifverträge mit unseren Konkurrenten", sagt ein Sprecher des Konzerns, "nur so erringen wir Waffengleichheit, um im Wettbewerb zu bestehen."

Experten weisen darauf hin, dass der Poststreik die Einspruchsfrist für Steuerbescheide verlängern könne. Denn normalerweise gelten Steuerbescheide drei Tage nach Abgabe bei der Post als zugestellt - ab dann läuft die Einspruchsfrist. "Bei dem aktuellen Poststreik gilt die Dreitagesfrist nicht mehr ohne weiteres", erklärt Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine. Er rät Steuerpflichtigen gleichzeitig, bei Einsprüchen längere Zustellzeiten zu kalkulieren. Notfalls könne auch ein Fax, ein Expressbrief oder eine E-Mail versandt werden.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Verdi gegen Post: Zum Start der Sommerferien wird es eng


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.