Streik abgesagt: Verkehrschaos in Berlin abgewendet
zuletzt aktualisiert: 01.04.2008 - 09:55Berlin (RPO). Die Gewerkschaft Verdi und und der Vorstand der Berliner Verkehrbetriebe haben sich in letzter Minute darauf verständigt, ihre unterbrochenen Tarifverhandlungen wieder aufzunehmen. Andernfalls hätte ein Streik die Hauptstadt ins Chaos gestürzt.
Der ab Mitternacht angekündigte Ausstand wurde sofort aufgehoben. Busse, Trams und U-Bahnen fuhren nach BVG-Angaben im Berufsverkehr alle planmäßig. Sie waren augenscheinlich aber etwas leerer, da viele Berliner wegen der bis zum späten Abend unklaren Lage offenbar auf andere Verkehrsmittel umgestiegen waren.
Der Vorstand der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und die Gewerkschaft ver.di hatten sich erst in der Nacht in einem Spitzengespräch darauf geeinigt, die regulären Tarifverhandlungen wieder aufzunehmen. Beginnen soll das Treffen nach BVG-Angaben um 15.00 Uhr. Basis sei der am Montag in Potsdam erzielte Tarifabschluss für den öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen, sagte ver.di-Sprecher Andreas Splanemann.
Nach Angaben von BVG-Sprecherin Petra Reetz gab es im morgendlichen Berufsverkehr keine Beeinträchtigungen. Alle zum Zeitpunkt der Streikabsage im Dienst befindlichen Fahrer hätten etwa eine halbe Stunde nach Mitternacht per Funk informiert werden können. Sie hätten zu diesem Zeitpunkt gerade begonnen, die Fahrzeuge wegen des Streiks in die Betriebshöfe zu bringen. Reetz ging davon aus, dass der abendliche Berufsverkehr auch vollständig nach Plan verlaufen wird. Viele Hauptstädter haben sich nach Reetz' Einschätzung am Morgen in Rundfunksendern über die Lage bei der BVG informiert. Dennoch war es "äußerst ungünstig", dass die Berliner so lange im Unklaren gelassen werden mussten, räumte sie ein.
Die ver.di-Tarifkommission kam den Angaben zufolge bereits am Morgen kurz nach 09.00 zusammen, um über die neue Situation beraten, teilte Splanemann mit. Danach werden den Planungen zufolge die Tarifverhandlungen mit der Arbeitgeberseite wieder aufgenommen. Das Treffen soll an einem geheimen Ort stattfinden, über die Inhalte sei Stillschweigen vereinbart worden, sagte Splanemann. Die Einigung war in einem rund dreistündigen Spitzentreffen zwischen ver.di-Landeschefin Susanne Stumpenhusen, BVG-Chef Andreas Sturmowski und Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) erzielt worden.
Die Arbeitgeber hatten vor dem Spitzentreffen erklärt, sie wollen ihr Angebot von 20 Millionen Euro für zwei Jahre nicht erhöhen. Laut Gewerkschaft reichte dieser Betrag aber nicht einmal für den Inflationsausgleich. ver.di hatte bis zu neun Prozent mehr Gehalt für die rund 12 000 Beschäftigten der BVG und ihrer Tochtergesellschaft Berlin Transport (BT) gefordert.
Die am Montag in Potsdam erzielte Tarifeinigung für die rund 1,3 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen sieht unter anderem eine Anhebung der Monatsgehälter zum 1. Januar 2008 um einen festen Sockelbetrag von 50 Euro und 3,1 Prozent im Westen und zum 1. April 2008 im Osten vor. Zum 1. Januar 2009 gibt es eine Einmalzahlung von 225 Euro und eine Anhebung aller Löhne um 2,8 Prozent. Zugleich wird die Wochenarbeitszeit im Westen mit wenigen Ausnahmen auf 39 Stunden verlängert.
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