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Nach der Wirtschafts- und Finanzkrise: Vertrauen in Altersvorsorge sinkt

VON DANA SCHÜLBE - zuletzt aktualisiert: 06.10.2010 - 19:23

Berlin (RPO). Die Konsumlaune der Deutschen ist bestens, die Arbeitslosenzahlen gehen stetig zurück. Hat die Finanz- und Wirtschaftskrise also keine Auswirkungen auf die Bundesrepublik gehabt? Doch - nämlich bei der Altersvorsorge. Eine aktuelle Studie zeigt: Die Sorgen der Deutschen bei diesem Thema sind angesichts der Krise nur noch gewachsen.

Banken, die Pleite gegangen sind, Anleger, die ihr mühsam Erspartes durch Lehman-Brothers-Papiere verloren haben - die Bilder der Krise sind noch vielen in Erinnerung. Das Vertrauen in Banker war schlagartig gesunken, das in den Staat auch. Und genau diese Skepsis und Zweifel sind auch jetzt noch stark vorhanden.

Das macht die Allensbach-Studie "Altersvorsorge in Deutschland 2010/2011" deutlich, die von der Postbank bereits zum achten Mal in Auftrag gegeben wurde. Demnach gaben 68 Prozent der Befragten an, dass sich ihre Einstellung zur Altersvorsorge durch die Krise geändert habe. Nicht nur, dass viele skeptisch gegenüber den meisten Vorsorgeformen seien, sondern es komme auch noch Unsicherheit bei Anlageentscheidungen hinzu.

Das mag kaum verwundern, denn vor der Krise wähnten sich viele beim Bankberater ihres Vertrauens richtig. Er gab Tipps, er leitete sie durch den Anlage- und Vorsorgedschungel. Doch wem soll ich heute noch trauen, mag sich mancher Kunde fragen und rückt von der geplanten Vorsorge erstmal ab.

Verträge gekündigt oder gekürzt

Doch nicht nur das. Die Studie zeigt auch, dass die Deutschen ihre Altersvorsorge zudem zurückgefahren haben. Ein Viertel der Befragten gaben an, ihre privaten Vorsorgeverträge gekürzt oder gar gekündigt zu haben. Sicherlich wird dies einerseits daran liegen, dass manch einer die Ersparnisse derzeit dringender braucht als an die Zukunft zu denken. Andererseits wird es aber wahrscheinlich auch viele geben, die sich fragen, ob sie überhaupt díe richtige Entscheidung hinsichtlich der Anlage getroffen haben.

So zeigt die Studie, dass vor allem private Renten- und Lebensversicherungen zurückgefahren wurden. Oftmals sind diese verbunden mit Fonds, in die ein Teil des Geldes investiert wird. Deren Werte sind bei vielen nach der Krise in den Keller gegangen. Und so verwundert es nicht, dass mancher Privatkunde sein Geld lieber abzog - zumal genug Beispiele öffentlich wurden, in denen gerade Ältere ihre ganzen Ersparnisse verloren.

Doch auch die staatlich geförderte Riester-Rente muss laut der Studie einen Image-Verlust hinnehmen. Demnach bewerten nur noch 26 Prozent diese als "ideale Form der Alterssicherung", im Jahr zuvor waren es noch 37 Prozent. Und während im vergangenen Jahr noch 13 Prozent der jungen Berufstätigen planten, einen Riester-Vertrag abzuschließen, seien es heute nur noch neun Prozent.

Verschuldung des Staates

Die Sorge um die Altersversorgung spiegelt sich aber nicht nur in der Skepsis gegenüber den Banken wieder. Auch dem Staat trauen die Bundesbürger weniger denn je zu. So fürchten 37 Prozent der Deutschen laut der Studie, dass ihnen der Staat wegen seiner starken Verschuldung im Alter die Rente kürzen muss. Und 28 Prozent glauben, dass stark steigende Preise ihre eigenen Ersparnisse quasi auffressen und ihre Rente damit entwerten würden.

Dass der Staat nicht mehr allein für die Altersversorgung aufkommen kann, ist vielen jungen Menschen schon seit Jahren klar, nur hat es sich, schaut man sich die Ergebnisse der Studie an, nur noch mehr manifestiert aufgrund der Krise. Und so war es schon regelrecht ein ungeschriebenes Gesetz, sich auch um eine private Absicherung zu sorgen, um einigermaßen mit einem guten Gefühl Richtung Zukunft zu blicken.

Genau darin besteht das Dilemma: Die Berufstätigen glauben nicht mehr daran, dass der Staat genügend für sie vorsorgen kann. Durch die Finanzkrise ist aber auch das Vertrauen in Anlagen und Banken extrem gesunken - obwohl viele selbst aktiv werden wollen. Und so verwundert es nicht, dass nur noch insgesamt 46 Prozent glauben, dass es eine wirklich sichere Vorsorge gibt.

Einen Ausweg allerdings scheinen viele schon gefunden haben. Und der heißt Eigenheim. Denn - auch das ergab die Studie - zwei Drittel der Befragten sehen dies heute als die ideale Form der Altersvorsorge an. Für die Umfrage wurden insgesamt rund 1800 Personen befragt.


 
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