Siemens: Vertuschungsversuche bei Schmiergeld-Affäre?
zuletzt aktualisiert: 04.05.2007 - 12:15München (RPO). Der Siemens-Konzern kommt einfach nicht zur Ruhe. In der Schmiergeld-Affäre mehren sich die Anzeichen auf gezielte Vertuschungsversuche. Dem Aufsichtsrat seien von den internen Prüfern des Unternehmens "wichtige Informationen nicht rechtzeitig zur Verfügung gestellt worden", sagte der neue Aufsichtsratschef Gerhard Cromme.
Zudem soll die Konzern-Spitze einen ranghohen Mitarbeiter mit der Korruptions-Aufklärung betraut haben, der selbst in die Affäre verwickelt ist. Siemens wollte sich dazu nicht äußern.
Die internen Versäumnisse gingen aus Untersuchungen der US-Kanzlei Debevoise & Plimpton hervor, sagte Cromme der "Süddeutschen Zeitung". Dies habe die Kanzlei, die von Siemens im Dezember 2006 eingeschaltet worden war, dem Aufsichtsrat vergangene Woche mitgeteilt.
Wären die nun bekannten Informationen zur Affäre schneller geflossen, hätte dies bei den Kontrolleuren frühzeitig großen Alarm ausgelöst, berichtete die Zeitung. Der Prüfungsausschuss wird von Cromme geleitet und hat die Aufgabe, für die Einhaltung der Gesetz zu sorgen.
Zudem hat sich dem Bericht zufolge herausgestellt, dass Siemens im November 2006 mit Albrecht Schäfer einen ranghohen Manager mit der Aufarbeitung der Schmiergeld-Affäre beauftragt hatte, der selbst zur Vertuschung der Affäre beigetragen haben soll. Schäfer habe dem Prüfungsausschuss zwischen Oktober 2004 und Ende 2006 zentrale Informationen vorenthalten.
So sei Schäfer bereits im November 2003 in einem internen Bericht über Korruption in Nigeria informiert worden. Schäfer räumte dies laut "SZ" nun ein und gab an, er habe damals mit niemandem über den Bericht gesprochen und die Angelegenheit später vergessen.
Schäfer wurde im vergangenen November auch von der Staatsanwalt vorübergehend als Beschuldigter geführt. Zuvor hatte der Ex-Siemens-Angestellte Reinhard S., eine Schlüsselfigur der Schmiergeld-Affäre, ausgesagt, Schäfer habe ihm bei einem Gespräch nahe gelegt, bei seiner Vernehmung nicht alles zu offenbaren, was er wisse. Die Justiz hatte das Verfahren später wieder eingestellt.
Schäfer war führender Anti-Korruptions-Beauftragter des Konzerns und leitete zeitweise eine Sondereinheit (Task Force), mit der Siemens nach der ersten Razzia der Staatsanwaltschaft von Mitte November 2006 selbst gegen strafbare Geschäftspraktiken vorgehen wollte. Schäfer wurde nach eigenen Angaben vom Zentralvorstand zum Chef dieser Task Force berufen.
Bei Siemens waren während der Amtszeit von Ex-Konzernchef Heinrich von Pierer Millionenbeträge an der Bilanz vorbei in schwarze Kassen geflossen, um daraus Schmiergelder im Ausland zu zahlen. Siemens selbst geht bisher dubiosen Zahlungen im Umfang von 420 Millionen Euro nach.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum
