100-Tage-Bilanz: Viel Lob für KarstadtQuelle-Chef Middelhoff
zuletzt aktualisiert: 20.08.2005 - 12:22Essen (rpo). Nach den ersten hundert Tagen heißt es traditionell Bilanz ziehen. Die fällt bei KarstadtQuelle-Chef Thomas Middelhoff rundum positiv aus. Fast hat er etwas vom Zauberer, der triumphierend das Kaninchen aus dem Hut zieht, wenn es darauf ankommt. Der Konzern scheint jedenfalls auf dem richtigen Weg.
Anfang des Monats wartete Thomas Middelhoff passend zum dunkelroten Halbjahresergebnis von KarstadtQuelle mit dem Knüller vom raschen Verkauf der wichtigsten Randaktivitäten auf. Und die Verkündung der Gewinnwarnung vor vier Wochen platzierte der neue Vorstandsvorsitzende so, dass er gleichzeitig zur Versüßung schon ein paar kleinere Verkäufe vermelden konnte. Jetzt ist der Manager hundert Tage im Amt, und seine Bilanz ist kein Hokuspokus: Der Aktienkurs hat sich erholt, die Stimmung im Hause ist auch besser, und Analysten sehen den Essener Handelskonzern nach schwerer Krise mit der umfassenden Neuausrichtung auf dem richtigen Weg.
"Middelhoff hat auf jeden Fall einen guten Job gemacht", sagt Meng Si vom Bankhaus Metzler. Sein Hauptverdienst sei, das Veräußerungsprogramm vorangetrieben und hier vor allem 74 kleinere Warenhäuser wie angekündigt en bloc, aber dazu früher als erwartet zu einem guten Preis abgestoßen zu haben. "Das war eine große positive Überraschung für den Markt", sagt die Analystin. Nun komme es darauf an, Kurs zu halten, um mit strukturellen Reformen die Grundlagen dafür zu schaffen, dass Wachstum und Profitabilität wieder möglich seien.
Viel vorgenommen
Middelhoff hat sich das schon fürs nächste Jahr vorgenommen. 2008 soll der vor kurzem noch am Rande des Ruins stehende Konzern dann eine für die Handelsbranche recht ansehnliche operative Marge von sieben Prozent abwerfen. Momentan sind es gerade 1,6 Prozent, und alle Ertragspositionen nach Abschreibungen, Zinsen und Steuern stehen mit zwei- bis dreistelligen Millionenbeträgen im Minus. Immerhin hat das zweite Quartal trotz geringeren Umsatzes eine deutliche Eindämmung der Verluste und eine viel höhere Handelsspanne gebracht.
Mitten in diese Periode fiel die Berufung Middelhoffs. Der vormalige Bertelsmann-Chef, der bis dato dem Aufsichtsrat von KarstadtQuelle vorstand, ist der dritte Konzernlenker binnen eines Jahres, nach Wolfgang Urban und Christoph Aschenbach, der im April seinen Hut nahm. Für den Neuen ist jetzt ein Zwischenzeugnis fällig, hat er doch selbst kurz nach seinem Amtsantritt Ende Mai ein regelrechtes 100-Tage-Programm präsentiert.
Im Juli musste Middelhoff gehörig nachlegen. Der Großteil des Versandgeschäfts entpuppte sich als verkrustetes und ineffizientes Sammelsurium. Das Management sah sich gezwungen, die Prognose für den Umsatz und den operativen Gewinn des Gesamtkonzerns in diesem Jahr zurückzunehmen. Bei den Versandhäusern Quelle und Neckermann sind noch etliche Probleme zu lösen. Eine drastische Kostensenkung dürfte nicht ohne weitere Einschnitte beim Personal abgehen und könnte neuen Unfrieden hervorrufen.
Gute Stimmung
Die Neupositionierung im Versand wurde freilich noch unter der Ägide von Achenbach eingeleitet. Auch die veränderte Strategie der Warenhaussparte verkündete der Konzern schon voriges Jahr auf dem Höhepunkt der Existenzkrise. Middelhoff, der hier aufs Tempo drückt, kann jetzt erste Ergebnisse vorweisen. Der Umsatz der 89 großen Kaufhäuser lag im Juli erstmals seit langem über Plan. Diese Entwicklung hat sich dem Vernehmen nach im August fortgesetzt.
Entsprechend sei die Stimmung im Unternehmen deutlich positiver als noch vor Monaten, sagt Konzernsprecher Jörg Howe. Das habe auch mit einer offeneren Kommunikation zu tun. Middelhoff informiere alle 66 000 Mitarbeiter regelmäßig über den Fortgang der Sanierung und habe einen Briefkasten für Vorschläge und Beschwerden eingerichtet.
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