GM blockiert Verkauf: Vier Szenarien für die Zukunft von Opel
VON MICHAEL BRÖCKER UND THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 25.08.2009 - 19:29Düsseldorf (RP). In nur 40 Tagen hat die Opel-Mutter General Motors sich aus ihrer Insolvenz befreit. Die Konsequenzen werden jetzt erst sichtbar. Der wiedererstarkte Riese verhindert den Verkauf von Opel an Magna – und blockiert damit alles.
Neun Monate, nachdem die Bundeskanzlerin Opel Staatshilfe versprochen hat, ist den 25.000 deutschen Opelanern das Jubeln vergangen. Zwar hat der Staat die Opel-Pleite mit 1,5 Milliarden Euro Steuergeld vorerst verhindert. Aber die Suche nach einem Käufer für Opel und damit nach einer gesicherten Zukunft ist völlig aus dem Ruder gelaufen. „Ich sehe nicht, wie es noch zu einer Lösung kommen kann, bei der keiner der Beteiligten sein Gesicht verliert”, sagte der Chef der IG Metall in NRW, Oliver Burkhard, am Dienstag gegenüber unserer Redaktion.
GM will Opel offenbar behalten
Anlass sind US-Medienberichte, denen zufolge GM Opel jetzt gar nicht mehr verkaufen sondern selbst sanieren will. „Das wäre für die Beschäftigten ein Desaster”, sagt dazu Rainer Einekel, Chef des Bochumer Opel-Betriebsrates, GM habe in sechs Jahren 84 Milliarden Dollar verbrannt und Opel beinahe ruiniert. Einenkel: „Das sind die letzten, die uns helfen können.”
Die Insolvenz bei GM ist beendet
Die Ursache der überraschenden Kehrtwende im Opel-Drama lief am 11. Juli über die Nachrichtenticker: „Nach nur 40 Tagen hat die amerikanische Opel-Mutter General Motors ihre Insolvenz beendet.” Zwar mit einem Trick: Der Konzern hat sich von der neuen US-Regierung verstaatlichen lassen. Was aber nichts daran ändert, dass GM seither wieder handlungsfähig ist und sein Interesse mit neuer Macht verfolgt.
Opel darf auf keinen Fall an Magna gehen
Es lautet: Opel darf auf keinen Fall an Magna gehen. Aus drei Gründen: Erstens würde GM damit sein Europageschäft aufgeben. Zweitens die Chance, den russischen Markt zu erobern denn Magna kooperiert mit der russischen Sberbank und will genau diesen Markt selbst erschließen. Drittens fürchtet GM den Abfluss von Know how an einen Wettbewerber, der aus dem Konglomerat Magna/Sberbank/Opel entstehen würde.
Verkauf fahrlässig verzögert?
„Die Konsequenzen aus der wiedererstarkten GM wurden von vielen übersehen”, sagte Burkhard. Er wirft der deutschen Politik vor, den Verkauf von Opel fahrlässig verzögert zu haben: „Zum Beispiel das Wirtschaftsministerium mit seinem Gerede von der geplanten Insolvenz.” Seiner Einschätzung nach hätte Opel noch während der Insolvenz von GM und damit ohne deren Widerstand verkauft werden müssen, „auch, um den Beschäftigten schnell eine Perspektive zu geben.” Jetzt gibt es wieder vier Optionen:
Verkauf an Magna
Die Österreicher würden in Deutschland keine Werke schließen, aber 3045 Stellen streichen. Diese Variante kämpft gegen das Veto von GM. Die Bundesregierung drängt jedoch mit Macht darauf. Kanzleramtschef de Maiziere soll Finanzminister Steinbrück gebeten haben, entsprechenden Druck auf seinen US-Amtskollegen Geithner auszuüben.
Verkauf an RHJI
Der belgische Finanzinvestor gilt als Favorit von GM, stößt aber wiederum in Deutschland auf Ablehnung. RHJI will hier 3900 Jobs abbauen, aber entgegen früheren Ankündigungen kein Werk mehr schließen.
Verkauf an GM
Würden die Amerikaner Opel von der Treuhand zurückkaufen, käme ihr Sanierungskonzept „Viability II” vom April zum Tragen. Es deckt sich mit dem Ripplewood-Konzept. Entprechende Begehrlichkeiten wecken offenbar auch die jüngsten Geschäftszahlen von Opel: Der Konzern macht auch Dank des neuen Insignia wieder einen leichten Gewinn.
Insolvenz von Opel
Wenn alle Bieter-Angebote scheitern, geht Opel pleite. GM könnte aus der Konkursmasse gezielt und billig kaufen, was der Konzern für den Erhalt seines Europageschäftes und den Aufbau eines Russland-Geschäftes braucht. Deshalb droht bei diesem Szenario der mit Abstand größte Kahlschlag in der Opel-Belegschaft.
In GM-Kreisen heißt es allerdings, der Konzern wolle dieses Szenario vermeiden, weil dann die Pensionslasten in Höhe von vier Milliarden Euro bei GM auflaufen würden. Hintergrund: Die Treuhandgesellschaft ist nur vorübergehend Besitzer von Opel, Eigentümer ist immer noch GM. Daher muss GM bei einer Opel-Insolvenz für die Schulden aufkommen.
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