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Friedrich Joussen Vorsitzender der Geschäftsführung Vodafone
  Foto: Vodafone
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Reisekonzern tauscht Vorstandschef aus: Vodafone-Chef geht zu Tui

VON REINHARD KOWALEWSKY UND THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 31.07.2012 - 07:29

Düsseldorf (RP). Vor 18 Jahren hat Michael Frenzel damit begonnen, aus dem einstigen Montankonzern Preussag Europas größten Tourismuskonzern zu schmieden. Jetzt muss er gehen. Sein Nachfolger wird  Vodafone-Chef Fritz Joussen.

 Foto: dapd, Florian Eisele
Foto: dapd, Florian Eisele

Hoch gepokert, ziemlich hoch gewonnen. So lässt sich die gestrige Wahl von Fritz Joussen zum künftigen Chef von Europas größtem Tourismuskonzern Tui interpretieren.

Im Frühjahr hatte der nun 49-jährige Vater von vier Kindern öffentlich verkündet, seine Position als Nummer Eins bei Vodafone-Deutschland aufzugeben, weil er noch einmal etwas ganz anderes machen wolle. Am 15. Oktober fängt er als einfacher Vorstand bei Tui an, ab 14. Februar 2013 steuert er dann den Reisekonzern.

Joussen übernimmt das Ruder in der Hannoverschen Konzernzentrale in einer denkbar schwierigen Zeit. Vor allem das Verhältnis des Konzerns zu den Aktionären ist nachhaltig gestört – Tui zahlt seit fünf Jahren keine Dividende mehr.

Größter Tui-Aktionär ist der russische Stahl-Oligarch Alexej Mordaschow mit einem Anteil von aktuell 25,06 Prozent. Der Milliardär war offenbar auch die treibende Kraft beim Sturz des bisherigen Vorstandschefs Michael Frenzel, der den Freizeit-Konzern Mitte der 1990er Jahre aus dem ehemaligen Bergwerks- und Hüttenkonzern Preussag geschmiedet hat.

Kostspielige Doppel-Struktur

Konzernkreise berichten, dass Mordaschow dem Vorstand noch vor wenigen Tagen deutlich gemacht haben soll, er wolle mit seinem Engagement bei dem Touristikkonzern endlich Geld verdienen. Sein Unmut ist nachvollziehbar. Als Mordaschow 2007 bei Tui eingestiegen war, zahlte er für die Aktie noch rund 20 Euro. Heute ist das Papier nur noch ein Viertel davon wert. Der ganze Konzern kostet theoretisch 1,3 Milliarden Euro.

Zu den Problemen der Tui gehört eine kostspielige Doppel-Struktur. Während in Hannover die Konzernzentrale der Tui AG sitzt, blieb Frenzel nach der Fusion von Teilen seines Touristik-Geschäftes mit der englischen First Choice unter dem Namen Tui Travel auf einer weiteren Konzernzentrale in London sitzen. Die Tui Travel plc ist nun zwar Muttergesellschaft für alle Tui-Reiseveranstalter, wichtige Bereiche wie das Hotel- und das Kreuzfahrtgeschäft werden aber trotzdem noch aus Hannover gesteuert.

Die Mittel für die Komplettübernahme der Tui Travel wollte Frenzel bei einem Börsengang seiner Container-Reederei Hapag-Lloyd aufbringen, der aber an der Flaute auf dem Kapitalmarkt gescheitert ist. Später floss der Erlös eines Teil-Verkaufs in den Schuldendienst – Tui soll zum Jahresende schuldenfrei sein. Im vergangenen Jahr machte Tui bei 17,5 Milliarden Euro Umsatz einen operativen Gewinn von 207 Millionen Euro – und steht damit nicht gut, aber wesentlich besser als der Erzrivale Thomas Cook da.

Joussen kann bei Tui viel Erfahrung einbringen

Technikaffinität Der Diplom-Ingenieur mit USA-Erfahrung kannte sich bei Vodafone natürlich mit den aufwändigen Computersystemen aus – das Herz von Tui ist auch nichts weiter als ein gigantisches Rechenzentrum zum Bearbeiten von Reservierungen und Hotel- und Flugangeboten.

Kundenorientierung Obwohl Vodafone nur dank Technik funktioniert, hat Joussen auf einen guten Kundendienst zu verkraftbaren Kosten geachtet. Die Call-Center von Vodafone und auch die Vodafone-Shops werden exzellent gemanagt – Joussen wird entsprechende Einheiten auch bei TUI optimieren.

Markenpflege Vodafone und Tui verkaufen Produkte, die denen der Wettbewerber sehr ähneln – doch das jeweilige Markenimage ist exzellent. Vodafone hat das beste Image der deutschen Mobilfunker, Tui ist führender Tourismusanbieter mit einer Reihe prominenter Untermarken wie Robinson Club, oder L'Tur – Joussen wird darauf achten, dass die Konzernmarke Tui dahinter nicht verschwindet.

Doch trotz dieser Ähnlichkeiten im Geschäft muss Joussen bei vielen Themen umdenken. Vodafone Deutschland muss zwar extrem viel investieren, ist aber wesentlich profitabler als Tui.

Quelle: RP/csi


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