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Mobilfunk-Konzern
Vodafone scheitert mit schneller Chefsuche

Mobilfunk-Konzern: Vodafone scheitert mit schneller Chefsuche
Jens Schulte-Bockum hatte am 19. Mai seinen Rücktritt angekündigt. FOTO: Endermann
Exklusiv | Düsseldorf. Deutschlands zweitgrößter Telefonkonzern steht bald ohne klare Führung da. Nachdem Jens Schulte-Bockum am 19. Mai seinen Rücktritt angekündigt hat, setzt Vodafone Deutschland vorerst auf eine provisorische Lösung. Von Reinhard Kowalewsky

Der Aufsichtsrat des Konzerns wird am heutigen Dienstag aus dem Kreis der zwölf Mitglieder der Geschäftsführung ein Mitglied zum vorläufigen Vorsitzenden ernennen, der Vodafone auch gegenüber der Politik vertritt. Außerdem führt Vodafone einen "Chief Commercial Officer" als neue Führungsfunktion ein. Er soll sich also um das Geschäft mit 37 Millionen Mobilfunk- und rund 5,5 Millionen Festnetzkunden kümmern. Es geht um 10,8 Milliarden Euro Umsatz.

Die Übergangslösung zeigt, dass der Wechsel an der Spitze der wichtigsten Ländergesellschaft alles andere als langfristig geplant war. Mitte Mai hatte es heftigen Streit zwischen Schulte-Bockum (47) und Aufsichtsratschef Philipp Humm (55) gegeben. Während Humm sauer war, weil Vodafone bei Mobilfunkkunden gegenüber der Telekom weiter an Boden verliert, verwies Schulte-Bockum darauf, dass Vodafone sich bei wichtigen Kennzahlen wie dem operativen Ergebnis besser als geplant entwickele.

Am Ende musste Vodafone ausgerechnet an dem Tag bekanntgeben, dass Schulte-Bockum geht, als weltweit und in Deutschland die Jahreszahlen (2014/2015) präsentiert wurden – ein kommunikatives Desaster.

Es zeichnet sich ab, dass die Besetzung der Chefposition nicht einfach wird: Einen Kandidaten von den Wettbewerbern Telekom, Telefonica/E-Plus oder von Unitymedia abzuwerben, ist schwer - die Verträge verbieten schnelle Wechsel. Einen Telekom-Experten aus dem Ausland zu holen, ist riskant – oft fehlt die Marktkenntnis. Einer der denkbaren Kandidaten, der frühere Mannesmann-Mann Frank Esser, lebt 15 Jahre in Paris und ist schon 56 Jahre alt. Es ist auch denkbar, einen Spitzenmanager aus einer anderen Branche einzustellen – aber das kann schief gehen. Es hat schon seinen Grund, dass die Telekom ihre drei letzten Chefs (Kai-Uwe Ricke, René Obermann und jetzt Tim Höttges) alle intern aufgebaut hatte.

So ist bei Vodafone zu erwarten, dass Oberaufseher Humm einige Zeit in Düsseldorf helfen wird, während man Kandidaten interviewt. Im kleinen Kreis hat Humm das schon angekündigt. Der frühere McKinsey-Berater hatte früher T-Mobile in Deutschland, in ganz Europa sowie den USA-Ableger der Telekom geführt. Er könnte den Düsseldorfer Job also selber machen.

Quelle: RP
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