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Kommunikationsunternehmen
Vodafone streicht weitere 170 Stellen in NRW

Ein Rundgang über den Vodafone-Campus
Ein Rundgang über den Vodafone-Campus FOTO: Bretz, Andreas
Düsseldorf. 170 weitere Mitarbeiter sollen in Düsseldorf und Ratingen gehen. Ihre Stellen werden nach Indien und Rumänien verlagert werden. Der neue Personalabbau bei einer Tochterfirma der Vodafone-Gruppe bestätigt, wie hart die Zeiten sind. Von Reinhard Kowalewsky

Vodafone in Deutschland kommt nicht zur Ruhe. Nachdem soeben 800 Mitarbeiter der von Düsseldorf aus geführten Ländergesellschaft "freiwillige" Aufhebungsverträge mit teilweise sehr hohen Abfindungen von oft einigen hunderttausend Euro unterschrieben haben, kommt der nächste Schlag: 70 Mitarbeiter der Vodafone Group Services GmbH im Düsseldorfer Campus sollen das Unternehmen verlassen. Weitere 100 Mitarbeiter dieser technischen Servicefirma in Ratingen sollen ebenfalls gehen.

"Rein formal gehören die Leute zur internationalen Vodafone-Gruppe ",sagt ein Insider unserer Redaktion. "Aber tatsächlich gehen die ja im Campus in die gleiche Kantine wie alle anderen Beschäftigten." 

Radikaler Versuch, die Kosten zu senken

Der neue Personalabbau bestätigt, wie radikal Vodafone in Deutschland und weltweit versucht, die Kosten zu senken. So lag Deutschland-Chef Jens Schulte-Bockum monatelang mit dem Betriebsrat über Kreuz, weil er den gesamten Servicebereich zu schlechteren Konditionen ausgliedern wollte. Am Ende einigte man sich darauf, innerhalb der Firma einen anderen Tarifvertrag mit deutlich niedrigeren Einstiegsgehältern zu vereinbaren.

Dann strich Vodafone in Deutschland einige hundert Technikerstellen, um sie in Billiglohnländer zu verlagern – seitdem gibt es intern immer wieder heftige Diskussionen, ob technische Probleme auch mit dieser Aktion zusammenhingen Und als Gipfel des Sparkurses hatte Schulte-Bockum im Dezember die traditionelle Weihnachtsfeier abgesagt – am Ende organisierte der Betriebsrat eine eigene Party und die Geschäftsführung kam kleinlaut dazu.

"Selten hat ein Management seine Mannschaft besser demotiviert als bei Vodafone", spottete noch am Mittwochabend in Köln ein Telekom-Manager am Vorabend der Hauptversammlung des Konzerns, "die treiben uns die Kunden und einige ihrer besten Leute fast schon systematisch zu." Konkret gemeint ist, dass der Vodafone-Manager Mark Klein vor noch gar nicht so langer Zeit zuerst ging und mittlerweile für die Telekom ihr Holland-Geschäft vorantreibt.

Nächste Woche gibt es die Quartalszahlen

Wie ernst die Lage bei Vodafone ist, könnte sich vielleicht am nächsten Dienstag bestätigen. Vodafone wird weltweit und in Deutschland die Quartalszahlen verkünden. Wahrscheinlich ist der Abstand zur Telekom in ihrem Heimatmarkt noch einmal größer geworden. Die Telekom hatte von Januar bis März rund eine halbe Million neue Mobilfunkkunden mit festen Verträgen in Deutschland gewonnen, – es ist schwer vorstellbar, dass Vodafone da mitgekommen ist.
Trotzdem setzt das Düsseldorfer Management auf eine Trendwende. Immerhin kamen im Weihnachtsquartal bereits 300.000 Kunden hinzu, allerdings nur 123.000 feste Vertragskunden.

Den entscheidenden Sprung nach vorne soll nun einerseits eine Investitionsoffensive in das Mobilfunknetz bringen, um den Rückstand gegenüber der Deutschen Telekom aufzuholen. Andererseits möchte Vodafone mit dem zehn Milliarden Euro teuren Zukauf von Kabel-Deutschland massiv punkten. "Wir sehen uns nun in der Herausfordererposition", sagt Schulte-Bockum. "Nun machen wir uns daran, neue Maßstäbe für die integrierte Kommunikation zu setzen." Immerhin biete Kabel-Deutschland mit einem Übertragungstempo von bis zu 150 Megabit/Sekunde den Kunden bessere Internetanschlüsse als es die Telekom kann. Allerdings ist KD keineswegs in allen Teilen Deutschlands präsent – in NRW und Baden-Würtemberg würde Vodafone am liebsten noch UnityMedia übernehmen, um auch da extrem schnelle Internet-Anschlüsse anbieten zu können.

Eine große Frage ist wie gut die Zusammenarbeit mit KD wirklich laufen wird. Für die Belegschaft gibt es dabei nicht nur gute Nachrichten zu erwarten: Direkt wegen der Fusion sollen zwar keine Stellen wegfallen, doch einen dauerhaften Kündigungsschutz gib es nicht.

Quelle: RP
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