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Telefonkonzern
Vodafone wächst wieder

Vodafone wächst wieder
FOTO: dpa, mg axs dna
Düsseldorf. Acht Monate nach Antritt des neuen Chefs geht es langsam aufwärts. Aber der Preiskampf schwächt die Branche weiter. Von Reinhard Kowalewsky

Deutschlands vom Umsatz her zweitgrößter Telefonkonzern, scheint die Krise langsam hinter sich zu lassen. Erstmals nach dreieinhalb Jahren ist bei dem Düsseldorfer Unternehmen der gesamte Service-Umsatz in einem Quartal wieder gestiegen. Entscheidender Antreiber ist dabei das aus München geleitete Festnetzgeschäft rund um den knapp zehn Milliarden Euro teuren Zukauf Kabel-Deutschland, der im abgelaufenen Quartal um 3,8 Prozent auf knapp eine Milliarde Euro zulegte. Aber auch im Kerngeschäft Mobilfunk geht es wieder aufwärts: Der gesamte Umsatz in der Sparte ging um 0,3 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro hoch.

20 Cent mehr pro Kunde 

Das aus Kundensicht interessanteste Ergebnis ist dabei die Entwicklung des Umsatzes je Handykunde im Monat: Während diese Zahl bei der Telekom bei 14 Euro stagniert und bei Telefónica Deutschland innerhalb eines Jahres von 10,60 Euro auf 10,30 Euro im Monat sank, kassiert Vodafone von einem Kunden im Monat mit 15,10 Euro nicht nur mehr als die zwei Wettbewerber, sondern auch noch 20 Cent mehr als vor einem Jahr. "Die Kunden wollen hochwertigere Verträge", freut sich Hannes Ametsreiter, der im Oktober Vorsitzender der Geschäftsführung wurde, "das spiegelt sich auch in unseren erfreulichen Zahlen wider." Er erklärt sich den wachsenden Umsatz pro Kunde auch damit, dass sich die von seinem Vorgänger Jens Schulte-Bockum eingeleitete Investitionsoffensive zunehmend auszahlt: "Wir haben fünf Milliarden Euro investiert. Das freut unsere Nutzer."

Dabei geht es aber keineswegs an allen Stellen aufwärts. Innerhalb des vergangenen Geschäftsjahres (bis Ende März 2016) gewann Vodafone im Mobilfunk zwar 600.000 der besonders zahlungswilligen festen Vertragskunden, aber rund 1,2 Millionen Kunden ohne festen Vertrag gingen dem Unternehmen verloren. Weil aber auch diese Klientel oft fünf oder zehn Euro Umsatz im Monat bringt, lässt der Österreicher Ametsreiter die von ihm "Wertkarten" genannten Pre-Paid-Verträge nun mit höheren Datenkontingenten aufpeppen - seit Ende Januar registriert er nun höheres Interessse der Laufkundschaft.

Als wichtigen Erfolg bezeichnet Ametsreiter auch, dass Vodafone erstmals seit längerer Zeit wieder beim Geschäft mit DSL/VDSL-Anschlüssen zulegt.

Bei Unitymedia ist der Zuwachs nicht so groß

Positiv ist außerdem, dass immer mehr Kunden des Ablegers Kabel-Deutschland auch Online-Anschlüsse buchen: Immerhin drei Millionen der 7,8 Millionen TV-Kunden von Vodafone/Kabel-Deutschland haben gleichzeitig einen superschnellen Online-Zugang über Kabel gebucht, das sind immerhin 15 Prozent mehr als vor einem Jahr. Beim zweiten großen Kabel-Konzern in Deutschland, Unitymedia aus Köln, ist der Zuwachs aktuell nicht so groß. Anscheinend hilft es beim Verkauf, dass Vodafone und Kabel-Deutschland in großen Teilen Deutschlands gemeinsam auftreten, wogegen Unitymedia keinen festen Mobilfunkpartner hat. Das könnte sich ändern, immerhin glauben fast alle Branchenkenner, dass Vodafone die Kölner Firma auf Dauer übernehmen will.

Weil Ametsreiter und auch Finanzchef Andreas Siemen weiterhin steigenden Datenverkehr erwarten, sollen in den nächsten Jahren jeweils rund 15 Prozent des bei 10,6 Milliarden Euro liegendem Umsatzes investiert werden. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebitda) hat sich von 31,7 auf 32,6 Prozent des Umsatzes erhöht - Vodafone Deutschland ist also weiterhin alles andere als ein Sanierungsfall.

Gefragt, ob er persönlich den entscheidenden Anteil an der aktuellen Aufwärtsentwicklung trage, sagte Ametsreiter nach einigem Nachdenken: "Von mir allein kommt nichts. Alles kommt vom Team." Seine Meinung: "Der rote Rennwagen kommt wieder auf Touren."

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