Rente ab 58: Volkswagen beschließt neues Altersteilzeitmodell
zuletzt aktualisiert: 03.02.2006 - 05:02Hannover (rpo). Mitten in der Diskussion um die Anhebung des Renteneintrittsalters haben sich der Autobauer Volkswagen und IG Metall auf eine neue Altersteilzeitregelung geeinigt, die den Ausstieg aus dem Arbeitsleben bereits im Alter von 58 Jahren und sechs Monaten ermöglicht.
Wie die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" berichtete, stimmte die VW-Tarifkommission der IG Metall am Donnerstag in Hannover einhellig einer entsprechenden Änderung des Tarifvertrages zu. Niedersachsens IG-Metall-Chef Hartmut Meine forderte weitere Vereinbarungen dieser Art und eine Abkehr von einer pauschalen Rente mit 67. "Wer in der Golfmontage im Akkord arbeitet, kann das nicht bis 67 tun", argumentierte er.
Der neue VW-Tarifvertrag ermögliche eine Streckung der Altersteilzeit bis auf sieben Jahre, schrieb das Blatt. Er berücksichtige damit bereits die neue Gesetzgebung, wonach von 1952 an Geborene frühestens im Alter von 62 Jahren vorzeitig in Rente gehen können und auch nur dann, wenn sie mindestens 35 Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt haben. Weil gleichzeitig die staatliche Förderung der Altersteilzeit 2009 auslaufen solle, sei die VW-Regelung derzeit auf die Jahrgänge 1952 bis 1954 beschränkt. Sie könnten mit 55 Jahren in die Altersteilzeit eintreten und dreieinhalb Jahre später die Arbeit beenden. Dem schließe sich eine ebenso lange "Freistellungsphase" bis zur vorzeitigen Rente mit 62 an.
Damit weite der Konzern seine bisherigen Regelungen auf rund 7000 Beschäftigte in den sechs westdeutschen Werken aus, berichtete die Zeitung. Zusammen mit denjenigen, die bereits noch auf der alten Gesetzesbasis Ende 2003 Verträge unterschrieben hätten, steige das Abbaupotenzial durch Altersteilzeit auf mehr als 13 000 Beschäftigte - mehr als ein Achtel der westdeutschen Belegschaft.
Volkswagen und die Arbeitsagentur sorgten dafür, dass die Betroffenen während der gesamten Altersteilzeitphase 85 Prozent ihres letzten Nettogehalts bekommen, berichtete die Zeitung weiter. Da die staatliche Förderung auf sechs Jahre beschränkt ist, komme der Konzern für das letzte Jahr allein auf. Zusätzlich zahle der VW weiter den vollen Rentenbeitrag und mindere später die Einbußen beim Ruhegeld um die Hälfte. Obwohl die VW-Beschäftigten gut sieben Jahre früher den Arbeitsplatz räumen, als sie es künftig nach dem Vorstoß von Arbeitsminister Franz Müntefering müssten, verzichten sie am Ende nur auf sechs bis sieben Prozent ihrer Rente.
Meine sprach von einem äußerst attraktiven Modell, über das die Gewerkschaft auch mit dem Arbeitgeberverband in der Metallindustrie sprechen werde. Der IG-Metall-Bezirkschef kündigte eine bundesweite Kampagne zur Verlängerung des Altersteilzeitgesetzes im Sommer an. "Wenn dieses Gesetz wegfällt, dann wird das die Jugendarbeitslosigkeit erhöhen", prophezeite Meine. Deshalb sei auch die Rente mit 67 arbeitsmarktpolitisch unverantwortlich.
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