Übernahmekampf im Immobilienmarkt Vonovia will Deutsche Wohnen übernehmen

Bochum · Der Marktführer plant die feindliche Übernahme des größten Rivalen auf dem Immobilienmarkt. Doch trotz einer 14-Milliarden-Euro-Offerte wehrt sich das auserkorene Opfer. Kritik kommt vom Mieterbund: "Statt Wohnungshandel ist Wohnungsneubau notwendig."

Feindlicher Übernahmeversuch im deutschen Immobilienmarkt: Marktführer Vonovia will den zweitgrößten Anbieter Deutsche Wohnen in einem Milliardendeal schlucken. Doch das auserkorene Übernahmeopfer wehrt sich. Vorstand und Aufsichtsrat der Deutsche Wohnen wiesen das Kaufangebot am Mittwoch als "unattraktiv und inadäquat" zurück. Die 14-Milliarden-Euro-Offerte spiegele in keiner Weise das Wachstumspotenzial und die Qualität des Immobilienportfolios des Unternehmens wieder.

Auch beim Deutschen Mieterbund stießen die Pläne auf scharfe Kritik. Durch derartige Transaktionen der Großvermieter entstehe keine einzige neue Wohnung für den deutschen Wohnungsmarkt, meinte Mieterbund-Direktor Lukas Siebenkotten. "Statt Wohnungshandel ist Wohnungsneubau notwendig", meinte er.

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Foto: Sparkasse Düsseldorf

Durch die geplante Übernahme würde der Wohnungsbestand des größten deutschen Immobilienunternehmens von derzeit 370.000 auf mehr als 500.000 Wohnungen steigen. Dafür will Vonovia - in bar und in Aktien - fast neun Milliarden Euro zahlen. Einschließlich der Prämien und Schulden läge der Transaktionswert nach Unternehmensangaben sogar bei 14 Milliarden Euro.

Deutsche Wohnen befindet sich gerade selbst in einem Übernahmeprozess und will sich den Konkurrenten LEG Immobilien einverleiben. Diesem Schritt will Vonovia mit ihrem Angebot zuvorkommen. Ihre Offerte gilt nur, wenn die Deutsche Wohnen-Aktionäre auf der Hauptversammlung am 28. Oktober den Kauf der LEG ablehnen.

Die Deutsche-Wohnen-Aktionäre sollen für elf ihrer Anteilsscheine 83,14 Euro in bar sowie sieben Vonovia-Aktien erhalten. An der Börse legte die im MDax notierte Deutsche-Wohnen-Aktie nach der Ankündigung deutlich zu. Die seit September im Dax notierten Vonovia-Anteile verloren dagegen wegen der möglichen Kapitalerhöhung im Zuge des Zukaufs deutlich an Wert. Auch die LEG-Papiere mussten kräftige Kursverluste hinnehmen. Thomas Neuhold, Analyst des Bankhauses Kepler Cheuvreux, hält es für sehr wahrscheinlich, dass sich die Deutsche-Wohnen-Aktionäre auf der Hauptversammlung gegen die Offerte für LEG und für ein Gebot durch Vonovia entscheiden.

Vonovia-Chef Buch warb für den Zusammenschluss: Es handele sich um eine "attraktivere und strategisch sinnvolle Alternative" zur geplanten LEG-Übernahme durch Deutsche Wohnen. Durch den Zusammenschluss erwartet er Skalen- und Synergieeffekte in Höhe von rund 84 Millionen Euro vor Steuern. Auch die Mieter würden davon profitieren, da das neue Unternehmen mehr Geld in die Erneuerung der Wohnungen investieren könne, meinte der Manager.

Sollten die Deutsche-Wohnen-Aktionäre grünes Licht geben, soll der Zusammenschluss im ersten Quartal des kommenden Jahres über die Bühne gehen. Jetzt seien die Aktionäre der Deutsche Wohnen AG am Zug, sagte Buch. Es habe deshalb auch noch keine Gespräche zu dem Angebot mit dem Management von Deutsche Wohnen gegeben.

Buch betonte, dass Vonovia über gute Erfahrungen mit der Integration von Unternehmen habe. Der Konzern hatte sich erst im vergangenen Jahr den Konkurrenten Gagfah für rund 4 Milliarden Euro einverleibt und auch danach noch weiter zugekauft. Deutsche Wohnen wiederum hatte 2013 den Wettbewerber GSW für 1,7 Milliarden Euro übernommen und im September den LEG-Kauf angekündigt.

(dpa)
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