Schmiergeld-Skandal: Vorwürfe gegen Siemens-Aufsichtsratschef Cromme
zuletzt aktualisiert: 12.05.2007 - 13:27Hamburg (RPO). Im Schmiergeldskandal bei Siemens muss sich jetzt auch der neue Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme gegen Vorwürfe zur Wehr setzen. Ein Bericht an den von ihm geleiteten Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats vom 11. Dezember 2006 erweckt laut einem Bericht den Eindruck, das Kontrollgremium sei schon seit einigen Jahren ausführlich über das Schmiergeldsystem in der Kommunikationssparte informiert gewesen.
Das 40-Seiten-Papier wurde dem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" zufolge von Albrecht Schäfer verfasst, der lange Zeit Chefjurist des Konzerns und als so genannter Chief Compliance Officer bis Ende 2006 für die Einhaltung der Anti-Korruptionsvorschriften bei Siemens verantwortlich war. Schäfer schreibe, dass er bereits in der Sitzung des Prüfungsausschusses vom 26. Juli 2006 ausführlich über dubiose Zahlungen bei der Siemens-Sparte berichtet habe. Ausdrücklich habe er den Ausschuss darauf hingewiesen, dass es sich aufgrund "der Verzahnung der Verfahren in Liechtenstein und in der Schweiz" um ein "System handele".
Mitglieder des Prüfungsausschusses entgegneten jedoch, dass Schäfer keineswegs auf ein Schmiergeldsystem hingewiesen habe. Cromme sagte dem "Spiegel": "Selbst ein bösgläubiger Mensch hätte hinter dieser Art der Darstellung nicht den Skandal vermuten können, vor dem Siemens heute steht." Heinz Hawreliuk, der als Arbeitnehmervertreter im Prüfungsausschuss sitzt, betonte: "Das Gremium wurde offenbar bewusst hinters Licht geführt."
Der Siemens-Konzern will sich nach Informationen des "Spiegel" mittlerweile von Schäfer trennen. Er solle das Unternehmen ohne Abfindung verlassen.
Wie das Nachrichtenmagazin zudem berichtete, sollen mittlerweile weit höhere Summen als die bisher untersuchten 420 Millionen Euro korruptionsverdächtig seien. Insidern zufolge sollen inzwischen problematische Zahlungen von bis zu einer Milliarde Euro auf dem Prüfstand stehen.
Cromme hatte an der Spitze des Aufsichtsrats jüngst Heinrich von Pierer abgelöst, der im Zuge der Affäre zurückgetreten war.
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