Attacke gegen Wiedeking: VW: Angst vor Porsche-Invasion
zuletzt aktualisiert: 26.02.2008 - 17:10Wolfsburg (RPO). Die Zusammenarbeit mit Porsche entwickelt sich für VW offenbar zunehmend zu einer Bedrohung: Was als Zusammenwachsen von zwei der wichtigsten deutschen Industrieunternehmen begonnen habe, werde "zu einer feindlichen Übernahme", sagte der VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh.
Damit verschärfte Osterloh seine Angriffe auf Porsche weiter. In seiner Rede vor rund 20.000 VW-Beschäftigten griff er vor allem Porsche-Chef Wendelin Wiedeking an: Bei seiner Kritik am VW-Gesetz gehe es Wiedeking einzig darum, Volkswagen allein zu dominieren. "Er will die Belegschaft nicht fragen müssen, wenn er Standorte verlagern will", warnte der VW-Betriebsratsvorsitzende. Porsche lehnte eine Stellungnahme zu den Angriffen ab.
Osterloh stützte sich bei seinen Dominanz-Vorwürfen gegen Wiedeking auf die Namensgebung der neuen Dachgesellschaft für Porsche und den 31 Prozent-Anteil an VW, den Porsche hält: Porsche Automobilholding SE.
"Ich meine, es müsste eigentlich zumindest 'Volkswagen und Porsche Automobilholding SE' heißen. Das gehört sich so, wenn man eines der wichtigsten deutschen Wirtschaftsunternehmen, das fest mit der Geschichte des Nachkriegsdeutschlands verbunden ist, kauft. Und das gehört sich erst Recht, wenn man Europas größten Automobilhersteller übernimmt", sagte Osterloh.
Porsche hält knapp 40 Prozent an VW
Er warf die Frage auf, warum der Sitz der neuen Gesellschaft in Stuttgart sein müsse. "Warum nicht in Niedersachsen, wo die meisten Arbeitnehmer dieser neuen Holding innerhalb Deutschlands beschäftigt sind?", fragte er.
Porsche ist seit April 2007 mit 30,9 Prozent an Volkswagen beteiligt und behält sich eine Übernahme der Mehrheit vor. Osterloh hatte erst vor einer Woche in einem Interview für den Fall von Entscheidungen gegen die VW-Belegschaft mit "massivem Widerstand" gedroht. Damals sagte er, ihm fehle "jegliches Vertrauen zu Porsche, insbesondere zum Vorstandsvorsitzenden".
Der VW-Betriebsrat streitet vor Gericht mit Porsche über die Mitbestimmung im neuen Konzern. Der VW-Betriebsrat hält die 330.000 VW-Mitarbeiter für nicht angemessen vertreten, vor allem im neuen Holding-Betriebsrat. Auch im Aufsichtsrat der Holding sieht sich die VW-Belegschaft um Vergleich zu den nur 11.000 Porsche-Mitarbeitern benachteiligt.
Streit um VW-Gesetz
Der Streit geht außerdem um das VW-Gesetz, das vom Europäischen Gerichtshof im Herbst teilweise gekippt worden war. Die Bundesregierung will aber einige Teile des Gesetzes retten, etwa vergleichsweise große Blockaderechte der Belegschaft im Aufsichtsrat. Porsche lehnt das ab.
Osterloh sagte jetzt, Wiedeking wolle der Belegschaft ohne Not wichtige Schutzfunktionen rauben. "Ich erinnere euch alle nur an die Anzeigenkampagne, mit der man euch besänftigen wollte. Ein einziger Satz aus dieser zeitungsseitengroßen Jubelarie macht das deutlich: 'Porsche steht für soziale Errungenschaften, die nicht in Frage gestellt werden'. Herr Wiedeking: Das VW-Gesetz ist eine solche Errungenschaft. Und deshalb sagen wir klar: Finger weg von diesem Gesetz. Wer sich gegen ein neues VW-Gesetz stellt, der stellt sich gegen diese Belegschaft", sagte Osterloh.
Mit dem Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück zeichnet sich derweil offenbar eine Einigung ab. Man sei sich weitgehend einig, sagte Osterloh. Hück hatte bisher vor allem die Position des Porsche-Vorstandes im Mitbestimmungsstreit vertreten.
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